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Pritzker-Preis 2026 geht an den Chilenen Smiljan Radić Clarke

Der Architekt aus Santiago erhält die höchste Auszeichnung der Architekturwelt für ein Werk, das Zerbrechlichkeit zur Stärke macht.

DAB Redaktion
17.03.2026 9min
Baukultur Bundesweit
Serpentine Gallery Pavilion, 2014, London, Großbritannien Eine halbtransparente Fiberglas-Schale ruht auf gewaltigen Steinblöcken und scheint dennoch zu schweben. Das Licht fällt gedämpft herein und der Raum bleibt nach außen hin offen. Masse und Leichtigkeit sind hier in bewusstem Gleichgewicht. © courtesy of Iwan Baan

Am 12. März 2026 hat die Hyatt Foundation den Pritzker-Preis 2026 an den chilenischen Architekten Smiljan Radić Clarke vergeben. Er ist der 55. Preisträger in der Geschichte der Auszeichnung und nach Alejandro Aravena (2016) erst der zweite Chilene, dem diese Würdigung zuteilwird.

Smiljan Radić Clarke © courtesy of The Pritzker Architecture Prize

Radić lehnt eine wiederholbare Architektursprache grundsätzlich ab. Für ihn ist jedes Projekt eine individuelle Untersuchung. Die Jurybegründung fasst seinen Ansatz präzise zusammen: Seine Bauten wirken vorübergehend, instabil oder bewusst unfertig – fast am Rand des Verschwindens –, bieten jedoch eine strukturierte, optimistische und leise fröhliche Behausung, die Verletzlichkeit als wesentliche Bedingung des gelebten Lebens begreift. Zu seinen bedeutendsten Werken zählt das „House for the Poem of the Right Angle“ (Vilches, 2013): ein in den Wald eingebettetes, schwarzes Betonhaus, dessen nach oben orientierte Öffnungen Licht und Zeit einfangen und Stille einladen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Radić mit dem Serpentine Gallery Pavilion (London, 2014), einer transluzenten Fiberglas-Schale, die auf vor Ort beschafften Tragsteinen ruht. Das Teatro Regional del Bío-Bío (Concepción, 2018) zeigt seinen Umgang mit größeren Maßstäben: Eine halbtransparente Membran moduliert das Licht und verbessert die Akustik, indem sie sich zurückhält, statt zu spektakulieren. Sein jüngstes Hauptwerk, das Pequeño Edificio Burgués (Santiago, 2023), ein Wohnhaus und Atelier in einem, verhandelt das Verhältnis von Privatheit und städtischem Raum: Vorhänge verbergen das Innere nach außen, während Glaswände Regen, Klang und Licht hereinlassen. 

Teatro Regional del Bío-Bío 2018, Concepción, Chile Das Teatro Regional del Bío-Bío beweist, dass öffentliche Architektur Präsenz ohne Monumentalität erreichen kann. Die halbtransparente Polycarbonat-Hülle filtert tagsüber das Licht und strahlt nachts ein warmes Leuchten aus. So ist das Gebäude präsent, ohne zu prahlen. © courtesy of Iwan Baan
Teatro Regional del Bío-Bío 2018, Concepción, Chile © courtesy of Hisao Suzuki
NAVE, Performing Arts Center, 2015, Santiago, Chile NAVE verwandelt ein beschädigtes Wohnhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert in einen Ort für zeitgenössische Darbietungen – ohne die bestehende Struktur zu tilgen. Radić behält die alte Hülle, fügt Proberäume und Aufführungsflächen ein, lässt die Schichten sichtbar. Obenauf: eine Dachterrasse unter einem Zirkuszelt – leicht, vorläufig und im bewussten Kontrast zur Schwere darunter. © courtesy of Cristobal Palma
© courtesy of Cristobal Palma
© courtesy of Cristobal Palma
House for the Poem of the Right Angle, 2013, Vilches, Chile Das „House for the Poem of the Right Angle“ steht für einen kontemplativen Rückzugsort, strukturiert durch Maß, Ausrichtung und Stille. Inmitten einer bewaldeten Landschaft gelegen, wendet sich das Haus nach oben und nach innen und organisiert sich um eine disziplinierte Abfolge von dicken Wänden, die das Klima und den Schall dämpfen, und Öffnungen, die nach oben ausgerichtet sind, um Licht und Zeit einzufangen. Es verwandelt das Wohnen in einen Akt der Beobachtung, der Selbstbeobachtung und der Stille und schafft so einen Raum, der Schutz bietet. © courtesy of Smiljan Radić
© courtesy of Gonzalo Puga
Carbonero-House, 1998, Melipilla, Chile Das Carbonero-Haus liegt zwischen Wald und Meer. Das aus Holz und geschwärztem Netz gefertigte, vergängliche Volumen scheint zu schweben. Seine dunkle, poröse Hülle absorbiert das Licht, anstatt es zu reflektieren, löst die Masse in der Atmosphäre auf und lässt Wind, Schatten und Geräusche in das architektonische Erlebnis einfließen. © courtesy of Smiljan Radić

2017 gründete Radić die Fundación de Arquitectura Frágil in Santiago – ein Archiv und eine Plattform für experimentelle Architektur, die die Grenzen der Disziplin herausfordert.

Die Jury, geleitet vom Juryvorsitzenden Alejandro Aravena, würdigte Radić dafür, dass er daran erinnere, dass Architektur eine Kunst sei: eine Kunst, die Unvollkommenheit und Zerbrechlichkeit zulasse und stille Schutzräume schaffe – ohne lauter oder spektakulärer sein zu müssen, um Gewicht zu haben. Radić selbst sieht Architektur als positiven Akt: „Wir streben danach, Erfahrungen zu schaffen, die emotionale Präsenz tragen und Menschen dazu bringen, innezuhalten und eine Welt neu wahrzunehmen, die so oft gleichgültig an ihnen vorbeizieht.“ 

Hinweis zur Preisvergabe 2026

Die Bekanntgabe des diesjährigen Gewinners erfolgte mit Verzögerung gegenüber dem üblichen Termin Anfang März. Hintergrund ist die öffentlich gewordene Verbindung von Tom Pritzker – Sohn des Preisgründers Jay Pritzker und Präsident der vergebenden Hyatt Foundation – zu Jeffrey Epstein. Die Stiftung betonte, die Jury arbeite seit jeher unabhängig von der Pritzker-Familie und frei von äußerem Einfluss – ein Grundsatz, der seit der Gründung des Preises 1979 verankert sei.  

Die Diskussion um den Preis ist notwendig. Wer jetzt vor allem über die Institution spricht, tut Smiljan Radić Clarke keinen Gefallen. Sein Werk verdient die volle Aufmerksamkeit – und die hat er sich selbst erarbeitet. 

DAB Redaktion

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