„Wir wollen Menschen befähigen, den Blick zu weiten.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Architekturvermittlung – wozu eigentlich? Die Kommunikation mit Laien und anderen Fachdisziplinen ist kein Nice-to-have. Denn für den Bauprozess stellt sie entscheidende Weichen.
Von klein auf stapeln Kinder begeistert Klötze zu Türmen, sie bauen Häuser aus Lego, greifen zu Stift oder Pinsel und malen die sie umgebende Welt: Städte, Straßen, Häuser, Bahnhöfe, Schulen etc. Und immer wieder erstaunt, dass ein Dreieck über einem Quadrat für alle erkennbar als das Piktogramm eines Hauses wahrgenommen wird.
In welchen Gebäuden Menschen aufwachsen, ihre Kindheit verbringen, darauf können sie bewusst und aktiv keinen Einfluss nehmen. Gesichert ist, dass diese frühkindlichen Raumerfahrungen nachhaltig prägen.
Hinzu kommt, dass Gebäudeabbildungen in nahezu allen Bilderbüchern der oben beschriebenen Form entsprechen. Hat Architekturvermittlung – diese Frage könnte in den Raum gestellt werden – vor diesem Szenario überhaupt eine Chance? Oder kommt ihr gerade deshalb eine besonders herausragende Rolle zu?
Aufgabe von Architekturvermittlung ist es, Menschen zu befähigen, den Blick zu weiten, auf Material und Ästhetik zu lenken, Mut zu machen, das scheinbar Gegebene zu hinterfragen. Die Zukunft der Architektur liegt nicht im Neubau: Umbau, Erhalt und Sanierung anstelle von Abriss sind die Zeichen der Zeit.
Hier ist die IBA’27 wichtiger Impulsgeber, es geht um das Gestalten von Zusammenleben und Zukunft. Wenn dies gesellschaftlicher Konsens ist, kommt Architekturvermittlung eine elementare Rolle zu. Dies setzt voraus, dass sich Planerinnen und Planer erklären und die Bedarfe und Bedürfnisse der Menschen, für die sie bauen, reflektieren. Aber auch die Laien sind gefordert. Sie, die in den Gebäuden leben, arbeiten, ausgebildet werden, Sport treiben oder Kultur erleben, sollten sich mit der sie umgebenden Welt aktiv auseinandersetzen.
Fazit
Frühkindliche Raumerfahrungen prägen den Menschen nachhaltig. Architekturvermittlung kommt hier eine herausragende Rolle zu. Ihr muss gelingen, den Blick zu weiten, scheinbar Gegebenes zu hinterfragen und Neuem einen Platz einzuräumen. Die Zukunft der Architektur liegt in Umbau, Erhalt und Sanierung – hierfür gilt es, einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen. Planende müssen die Bedarfe der Menschen reflektieren und ihre Projekte erklären; Laien sind gefordert, sich aktiv mit der sie umgebenden Welt auseinanderzusetzen.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für Baden-Württemberg
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