„Wir brauchen langfristig tragfähige Lösungen für die kommunalen Haushalte.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Investitionsoffensive – und jetzt? Mit dem Infrastrukturpaket startet Deutschland die größte Investitionsoffensive seiner Geschichte. Was kommt in den Kommunen an?
Michael Mätzig
Geschäftsführender Direktor Städtetag Rheinland-Pfalz
Das Sondervermögen des Bundes eröffnet Rheinland-Pfalz erstmals seit Jahren mehr Spielräume, dringend nötige Investitionen (insbesondere Sanierungen) in kommunale Infrastruktur anzugehen. Rund 4,85 Mrd. Euro stehen dem Land zu, davon 60 % direkt für Kommunen, aufgestockt durch 600 Mio. Euro Landesmittel. Die Gelder sollen Schulen, Kitas, Straßen, Brücken, ÖPNV, Energieversorgung, Klimaschutz und Gesundheitsinfrastruktur modernisieren.
Doch der städtische Investitionsstau bleibt massiv: Bundesweit beläuft er sich auf über 215 Mrd. Euro. Besonders betroffen sind Schulen, Kitas, kommunale Straßen und Brücken, öffentliche Gebäude, Sport- und Kultureinrichtungen sowie Teile der technischen Infrastruktur.
Viele Maßnahmen, die nun umgesetzt werden, waren ohnehin geplant – die Mittel führen nicht automatisch zu zusätzlichen Investitionen. Gleichwohl ermöglichen Bund und Land erstmals, Projekte ohne vorrangige Kreditaufnahme der Kommunen umzusetzen, was die Umsetzung beschleunigen dürfte. Entscheidend ist, dass die Gelder schnell, zuverlässig und unbürokratisch fließen und auf größere, strukturell wirksame Maßnahmen konzentriert werden. Darum haben wir uns für eine Anhebung des Mindestinvestitionsvolumens eingesetzt; dem ist das Land in dem vorliegenden Gesetzesentwurf gefolgt.
Fazit
Zu wünschen wäre, dass das Sondervermögen nur als Auftakt für eine dauerhafte Stärkung der öffentlichen Investitionsfähigkeit verstanden wird. Investitionsprogramme können die strukturellen Finanzprobleme der Kommunen nicht lösen. Deshalb braucht es zusätzlich langfristig tragfähige Lösungen für die kommunalen Haushalte – insbesondere angesichts der wachsenden Pflichtausgaben in Bereichen wie Jugend und Soziales, Kitas oder der Mobilität (ÖPNV). Dazu gehören eine Überprüfung der kommunalen Aufgaben sowie eine auskömmliche Finanzausstattung der Kommunen. Nur so kann die Infrastruktur nachhaltig zukunftsfähig gestaltet werden – für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar und spürbar.
Welche Meinungen werden sonst vertreten? In Hessen kommt das Strukturvermögen zur richtigen Zeit. In einem weiteren Beitrag aus Rheinland-Pfalz droht die Bürokratie, die Projektausführung zu behindern.
Dieses Meinungsstück erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026, Region Hessen | Rheinland-Pfalz | Saarland.
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