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„Wie wenig ist genug?“ statt „Wie viel ist möglich?“

Eine Frage – mehrere Meinungen: Wie verändert Suffizienz die Lehre? Sind Effizienz, Konsistenz und Suffizienz die Hauptkriterien auf dem Weg zur großen Transformation in den Hochschulen?

Ein farbiges Porträtfoto desselben Mannes wie in Bild 1 vor einem einheitlichen, dunklen graublauen Hintergrund. Der Mann hat kurze, bräunliche Haare, blaue Augen und einen Stoppelbart. Er trägt ein hellgraues oder graublaues Hemd mit Button-Down-Kragen. Er schaut direkt in die Kamera und hat einen ähnlichen Gesichtsausdruck wie in der Skizze.
© OMP

Prof. Sven Martens

Professor für Konstruieren und Entwerfen an der Jade Hochschule Wilhelmshaven | Oldenburg | Elsfleth
21.07.2026 2min
Baukultur Niedersachsen

Suffizienz bezeichnet das Prinzip des genügsamen, ressourcenschonenden Lebensstils. Es geht darum, weniger zu verbrauchen – nicht durch Zwang, sondern durch bewusste Entscheidungen, um Umweltbelastungen zu reduzieren und Lebensqualität zu gewährleisten. Für die architektonische Ausbildung heißt das, auch für einen Perspektivwechsel bereit zu sein, „Wie wenig ist genug?“ statt „Wie viel ist möglich?”, ohne die Ausbildung zu sehr auf einen Themenaspekt zu verkürzen.

Die Aufgaben im Städtebau, der Landschaftsarchitektur, der Architektur innen wie außen sind immer kompliziert und komplex – Zielkonflikte allgegenwärtig. In der Ausbildung sollten wir die Kompetenz vermitteln, dies zu moderieren und wenn nötig zu kompensieren. Die gesteigerte technische Komplexität der Bauten sowie die Zunahme der am Planungs- und Bauprozess beteiligten und betroffenen Akteure machen es unumgänglich, im Studium ganzheitliche Zusammenhänge zu vermitteln. Dabei kommt es darauf an, nicht nur augenblicklich praxisrelevante Inhalte zu vermitteln, sondern auch zukunftsorientierte Entwicklungen zu denken und zu entwickeln.

Es ist wichtig, jede Aufgabe mit Freude und Leidenschaft anzugehen – denn gute Architektur entsteht für mich immer dann, wenn Ideen gemeinsam entwickelt werden und dabei funktionaler wie emotionaler Mehrwert entsteht. In der Lehre sollte auch die Kompetenz vermittelt und geübt werden, sich mit Konzepten auseinanderzusetzen, die mit weniger Fläche, Material und Technik auskommen. Wir sollten die Bestandsarchitektur mehr ins Zentrum stellen und immer den sozialen, ökologischen und ökonomischen Kontext mitdenken. 

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Fazit

Es ist wichtiger denn je, Fähigkeiten zu entwickeln, für seine Fachkompetenz einzustehen, aber im Sinne des Projektes teamfähig zu sein. Wir brauchen eine neue Ausbildungskultur von interdisziplinären Teams, auch über die Fachbereiche hinweg. Ich wünsche mir eine stärkere Praxisorientierung, um auch gemeinsam mit dem Handwerk Konstruktionen zu verstehen und dennoch nicht das Konzept aus den Augen zu verlieren. So kann eine Ausbildungs- und Planungskultur entstehen, weg von einer Checklistenmentalität hin zu Abwägungsprozessen. 


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Bremen, Niedersachsen

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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