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„Vielschichtig, ohne einfache Antworten – zum Glück!“

Eine Frage – mehrere Meinungen: Was bedeutet kostengünstiges Bauen für Sie?

Bezahlbaren Wohnraum zu erstellen, ist eine zentrale Aufgabe. Doch was heißt das: kostengünstiges Bauen?

© Thomas Wilhelmi

Thomas Wilhelmi

Architekt, BDA-Mitglied

Partner eines Architekturbüros in Stralsund und Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern seit 2019

17.04.2026 5min
Wohnungsbau Mecklenburg-Vorpommern

Ich erinnere eine Ausgabe der DETAIL aus 2024 mit dem Thema „einfach + kostengünstig“. Da greift man gerne zu – man lernt schließlich nie aus. Auch weil ich die dort vorgestellten Projekte alle schon aus den einschlägigen Medien als „aka kostengünstig“ gelabelt kannte, war es dann doch im Resümee eine recht ernüchternde Lektüre! Offensichtlich arbeiteten die Autorinnen und Architekten in einer Art Paralleluniversum zu uns – und eigentlich hatte ich mir ja (endlich mal) etwas Neues bzw. Alltagstaugliches unter dem Label „einfach + kostengünstig“ gewünscht.

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Auch wenn wir in Mecklenburg-Vorpommern die Option „Paralleluniversum“ immer ernsthaft in Betracht ziehen (das treibt uns an!) – letztlich wurde mir wieder bewusst, wie klischeebehaftet und kontextgebunden von uns mittlerweile täglich ausgesprochene Kategorien und Zuschreibungen sind. Innerhalb unserer Bubble romantisieren wir eine „neue Einfachheit“, deren nachhaltige Ästhetik wir uns im Seemannspullover betonfrei aus Versatzstücken von Ganzglasfassaden in Braunschweig, OSB-Oberflächen in der Uckermark und geschlämmten Lehmwänden mit Aufputzkabeln auf Ibiza als „kostengünstig“ zusammensetzen. 

Im Büroalltag sorgt das dann für Frust, weil uns der Bauträger hier direkt um die Ecke souverän vortanzt, was „kostengünstig“ in der Realität 2026 tatsächlich bedeutet. Wenn Ihnen also jemand erklärt, was kostengünstig sei – ganz dünnes Eis in alle Richtungen! Denn wenn es gut ist, hat es immer auch viel gekostet – und wenn es „nur“ viel Arbeit war. Es ist wie immer vielschichtig und es gibt keine einfachen Antworten – zum Glück! 

Fazit 

Der Begriff „kostengünstiges Bauen“ ist ungefähr so konkret wie „bezahlbares Wohnen“ – es wird für eine große Zielgruppe mit griffigen Schlagworten ein Anspruch definiert, hinter dem sich viele versammeln können, ohne die Karten auf den Tisch legen zu müssen. Es ist wie ein Bekenntnis, das immer passt: Ja, wir wollen kostengünstig bauen – ein Qualitätsversprechen zum kleinen Preis! Perfekt für „die Szene“, für Politiker:innen und Marketing-Profis! Am Ende bedeutet es alles und gleichzeitig nichts – eben zum Glück für jeden etwas anderes! 

 


Dieses Meinungsstück aus der Rubrik „Eine Frage – mehrere Meinungen” stammt aus der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026, Region Hamburg | Mecklenburg-Vorpommern | Schleswig-Holstein. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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