„Serielles Sanieren erfordert hohe Stückzahlen.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Königsweg für den Gebäudebestand? Bietet serielles Sanieren wirklich so großes Potenzial? Drei ehrenamtlich tätige Mitglieder der niedersächsischen Kammer antworten auf diese Frage.
Blicke ich auf meine eigenen Erfahrungen mit dem Prinzip des seriellen Sanierens, dann handelt es sich dabei zuletzt um die energetische Fassadensanierung eines Gerichtsgebäudes aus den 60er-Jahren. Eine individuelle Architektenplanung in Zusammenarbeit mit einem regionalen Holzbaubetrieb. Im Ergebnis eine sehr gute und nachhaltige Fassade, deren effektive und geräuscharme Montage den sensiblen Gerichtsbetrieb so wenig wie möglich gestört hat. Betrachtet man die Bauzeit, war das Projekt auch wesentlich produktiver als traditionelle Verfahren. Wichtig war die frühe Zusammenarbeit des Architekten mit dem Holzbauer, um in konstruktiver Hinsicht den Fertigungsprozess zu optimieren und kein „Redesign“ erforderlich zu machen. Eine Arbeitsweise, die unsere Regularien für den Planungs- und Vergabealltag so eigentlich gar nicht vorsehen, die für serielle Projekte aber essenziell wichtig ist.
Wermutstropfen waren aber die verhältnismäßig hohen Baukosten, die gerade im Hinblick auf die Amortisierung einer energetischen Maßnahme sehr schmerzhaft sein können. Der Grund hierfür: Die Kosten industrieller Fertigungsprozesse hängen stark von der Stückzahl ab. Wirkliche Kosteneinsparungen werden erst mit enorm hohen Zahlen erreicht. Kleine dagegen führen eher zu Kostensteigerungen gegenüber konventionellen Verfahren. Ein Dilemma: Das serielle Sanieren ist zwar ein Verfahren, um die tatsächlich traurige Produktivitätsbilanz des Bauens deutlich zu verbessern, es erfordert im Hinblick auf die Kosteneffizienz aber große Stückzahlen, die nichts anderes als eine uniforme Architektur bedeuten würden.
Fazit
Das serielle Sanieren ist ein durchaus nachhaltiges Verfahren für mehr Innovation, Effizienz und Produktivität des Bauprozesses. Eine fristgerechte Umsetzung großer Vorhaben, wie die Umsetzung der EPBD zur Erreichung unserer Klimaziele, wird wahrscheinlich gerade solche Verfahren benötigen. Die gestalterische Qualität unserer gebauten Umwelt und auch unsere mittelständisch geprägte Planungs- und Baukultur werden darunter aber leiden.
Welche Meinungen werden sonst vertreten? Am Mittwoch, den 18. März erscheint Heike Klankwarths Meinung. Am Donnerstag, den 19. März berichtet Prof. Tatjana Sabljo.
Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Regional-Ausgabe Q1/2026 für Niedersachsen und Bremen.
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