„Gebäudebestand ist eben kein industrielles Produkt.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Königsweg für den Gebäudebestand? Bietet serielles Sanieren wirklich so großes Potenzial? Drei ehrenamtlich tätige Mitglieder der niedersächsischen Kammer antworten auf diese Frage.
Serielles Sanieren – schneller, wirtschaftlicher, klimawirksamer. Das klingt erst einmal verführerisch, ist in der Praxis aber leider (noch) gar nicht so einfach. Ich halte es für einen wichtigen Baustein der Transformation, wenn wir serielles Sanieren realistisch und nicht als eine Art Abkürzung betrachten.
Die potenziellen Stärken sind unbestreitbar: Vorfertigung beschleunigt Bauabläufe erheblich und reduziert Lärm und Belastung für Bewohnerinnen und Bewohner. Kosten werden kalkulierbarer, Qualität verlässlicher, energetische Ziele konsequenter erreichbar. Doch nur, wo viele homogene Gebäude oder Wohneinheiten vorhanden sind, kann das Verfahren seine volle Wirkung entfalten und wirklich die Resultate erzielen, die es verspricht.
In unserem eigenen Bestand zeigen sich die Grenzen des seriellen Sanierens sehr deutlich: Einheitliche oder identische Objekte sind eher die Ausnahme, zu unterschiedlich sind Bauweisen mit Maßabweichungen, Grundrissen und Konstruktionen. Gebäudebestand ist eben kein industrielles Produkt, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Einzelentscheidungen. Hinzu kommt der hohe Planungsaufwand. Wer seriell saniert, muss sich deutlich umfangreicher vorbereiten, sehr früh festlegen und darf sich keine Abweichungen erlauben.
Um serielles Sanieren voranzutreiben, ist außerdem die schnelle Einführung einer bundesweit einheitlichen und flexiblen Typengenehmigung entscheidend.
Fazit: Ich sehe im seriellen Sanieren großes Potenzial – vor allem in der Zukunft. Wenn bürokratische Hürden abgebaut werden, es mehr spezialisierte Anbieter und qualifiziertes Personal gibt und im Neubau auf Einheitlichkeit in der Konstruktion gesetzt wird, schaffen wir die Grundlage für einen breiteren Einsatz. Dann wird serielles Sanieren vom Spezialwerkzeug zu einem echten Beschleuniger der nachhaltigen Bestandsentwicklung.
Welche Meinungen werden sonst vertreten? Lesen Sie hier, welche Erfahrungen Christoph Schild, Vizepräsident der Architektenkammer Niedersachsen, gemacht hat.
Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Regional-Ausgabe Q1/2026 für Niedersachsen und Bremen.
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