„Kostengünstiges Bauen ist keine Insel!“
Was bedeutet kostengünstiges Bauen für Sie? Bezahlbaren Wohnraum zu erstellen, ist eine zentrale Aufgabe. Doch was heißt das: kostengünstiges Bauen?
Angenommen, die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt hängen insbesondere auch mit der Attraktivität der Metropolen und dem Vorhandensein guter Arbeits- und Ausbildungsplätze, dem Kultur- und Konsumangebot zusammen, sie ergeben sich aus einem Mangel an verfügbaren Grundstücken und daraus resultierenden hohen Grundstückskosten, aus hohen Herstellungskosten und Baupreisen, einer grundsätzlich deutlich gestiegenen Quadratmeter-Anforderung je Bewohner (gegenüber den 1950er-Jahren um rund 100 %) und mangelnden Alternativangeboten, sofern man sich verkleinern möchte und könnte …
Diesem Szenario ist mit „kostengünstigem“ oder gar „typisiertem“ Bauen allein nicht beizukommen! Es braucht ergänzend vereinfachte Genehmigungen bei der Nachverdichtung (Erhalt der Gebäudeklasse) und eine deutliche Steigerung der Attraktivität des Umlandes von Großstädten durch die signifikante Verbesserung des ÖPNV. Wo es möglich ist, kluge und realistische Angebote zum Homeoffice, die ungenutzte Büroflächen in der Stadt freigeben, und ein gutes Bildungs- und Betreuungsangebot jenseits der Zentren. Denkbar wäre auch die Abschaffung der Grunderwerbssteuer beim Kauf der ersten eigenen Immobilie, die neue Ausweisung von Erbpachtgrundstücken für flächensparendes Bauen (Gartenhofhäuser etc.) und eine neue Förderkulisse zur Bildung von mehr Wohneigentum.
Baugemeinschaften und -genossenschaften könnten offensiver gefördert werden, um auch kleinere (Geschoss-)Wohnungen im ländlichen Bereich zu ermöglichen. Von Gewerbe und Industrie untergenutzte Flächen im innerörtlichen Bereich könnten zur Umnutzung definiert, großflächige Gewerbebetriebe ausgelagert werden. Kommunale Wohnungsbaugesellschaften und Landesbaugesellschaften sollten gestärkt bzw. neu gegründet werden.
Fazit
Wohnungsbau in Masse auf der grünen Wiese, schlimmstenfalls Wohnen und Arbeiten trennend, das Aussetzen von Bindungen des B-Plans oder F-Plans und die Bebauung innerörtlicher Grünflächen und Luftschneisen werden die Probleme nicht lösen. Um komplexen Herausforderungen effektiv begegnen zu können, braucht es ein gutes Weitwinkelobjektiv!
Dieses Meinungsstück aus der Rubrik „Eine Frage – mehrere Meinungen” stammt aus der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026, Region Hamburg | Mecklenburg-Vorpommern | Schleswig-Holstein.
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