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IPA-Pilotprojekt in Bremerhaven: Drei Schulen, ein Prozess

Erstmals hat die öffentliche Hand in Bremerhaven drei Schulen mit Integrierter Projektabwicklung gebaut. Eine Architektin aus dem Projektteam von gmp berichtet, wie das gelungen ist.

Dominika Gnatowicz
22.10.2026 4min
Neue Grundschule Lehe Bremerhaven. Architektur: gmp Architekten
© Marcus Bredt

Mit dem Neubau von drei Schulen in Bremerhaven wurde erstmals ein Hochbauvorhaben der öffentlichen Hand mit dem Integrierten Projektabwicklungsmodell (IPA) umgesetzt – ein Pilotprojekt für gmp und alle IPA-Partner sowie ein bundesweites Referenzprojekt für kollaboratives Bauen im öffentlichen Sektor. Die Schulen für rund 1.750 Kinder und Jugendliche nahmen ab Sommer 2025 schrittweise den Unterrichtsbetrieb auf – zunächst das Schulzentrum Hamburger Straße in Geestemünde und die Neue Oberschule Lehe, im Herbst folgte planmäßig die Neue Grundschule Lehe.

Fast fünfzig Jahre lang wurden in Bremerhaven keine neuen öffentlichen Schulen gebaut. Der Sanierungsbedarf bestehender Gebäude und die steigende Zahl an Schüler:innen machten den dreifachen Bau dringend notwendig. Für die Realisierung entschied sich die Kommune für ein Mieter/Vermietermodell. Die neuen Schulen ersetzen veraltete Bestandsgebäude oder erweitern bestehende Standorte. Das Projekt ist eine Investition in Bildung, Teilhabe und Integration in einem Umfeld mit strukturellen und sozialen Herausforderungen. 

Schulzentrum Hamburger Straße Bremerhaven. Architektur: gmp Architekten
© Marcus Bredt
Schulzentrum Hamburger Straße Bremerhaven. Architektur: gmp Architekten
© Marcus Bredt

Kooperation statt Konkurrenz

In der IPA-Allianz arbeiten die Bauherrschaft, die Planenden und Ausführenden wie in einem „Unternehmen auf Zeit“ gemeinsam als Team. Kern der Methode ist die frühzeitige, verbindliche

Kooperation aller Schlüsselbeteiligten, die transparente Kosten- und Terminsteuerung sowie die geteilte Verantwortung für den Projekterfolg. Entscheidungen werden gemeinsam und einstimmig nach dem Leitspruch „Best for Project“ getroffen. Mit dieser integrierten Arbeitsweise konnten alle Bauten termingerecht und innerhalb des vorgesehenen Budgets fertiggestellt werden.

Die drei eigenständigen Schulen wurden von Anfang an als zusammenhängendes Projekt verstanden. Entwürfe für die einzelnen Standorte wurden in interdisziplinären Teams innerhalb der IPA-Allianz erarbeitet und in einem internen Wettbewerb bewertet. Eine Jury aus Fachleuten, Pädagog:innen und Vertreter:innen der Stadt unter Vorsitz von Barbara Pampe, Leiterin Pädagogische Architektur bei der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, wählte für den jeweiligen Standort die beste Variante aus, die anschließend im Rahmen des IPA-Projekts weiterentwickelt wurde.

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Ein Konzept für drei Schulen

Pädagogische Anforderungen wurden in kontinuierlicher Zusammenarbeit mit den zukünftigen Nutzenden in die weitere Planung integriert. Alle drei Schulen sind nach dem Clustermodell konzipiert – ein zeitgemäßes, pädagogisch-architektonisches Konzept, bei dem mehrere Klassen räumlich und organisatorisch zu Einheiten gebündelt sind. Jedes Cluster umfasst multifunktionale Klassen- und Gruppenräume sowie eine zentrale, offene „Lernmitte“, die den Schülerinnen und Schülern Flexibilität und Freiräume für selbstständiges und kooperatives Arbeiten bietet. Zusätzlich bestehen Angebote über den reinen Unterricht hinaus – wie Ganztagsbetreuung und Sportaktivitäten.

Die an drei verschiedenen Standorten errichteten Bauten verbindet ein einheitliches architektonisches Konzept. Ein konsistenter Farb- und Materialkanon zieht sich durch alle drei Schulen und variiert in seiner Umsetzung an den einzelnen Standorten. Das Schulzentrum Hamburger Straße im Stadtteil Geestemünde ist die größte der drei neuen Schulen und wurde als erster Bau der „Allianz 3 Schulen Bremerhaven“ fertiggestellt. Es vereint eine bestehende Grund- und eine Oberschule aus den 1950er-Jahren, die baulich und typologisch nicht mehr zeitgemäß waren. Die Neue Oberschule Lehe ergänzt das Schulzentrum Geschwister Scholl. Eine neue Sporthalle und eine Mensa stehen dem gesamten Campus zur Verfügung. Die zuletzt fertiggestellte Neue Grundschule Lehe ersetzt provisorische Mobilbauten, in denen der Schulbetrieb seit 2018 stattfand.

Neue Oberschule Lehe Bremerhaven. Architektur: gmp Architekten
© Marcus Bredt
Neue Oberschule Lehe Bremerhaven. Architektur: gmp Architekten
© Marcus Bredt

Neue Grundschule Lehe Bremerhaven. Architektur: gmp Architekten
© Marcus Bredt

Energie und Daten im Blick

Das ganzheitliche Energiekonzept für die drei Schulen kombiniert Maßnahmen in Passivhaus-Qualität mit hocheffizienter Anlagentechnik. Ein kompakter Baukörper, Dreifachverglasung, Sonnenschutz und dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung minimieren Verluste. Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt standortangepasst über Geothermie-Wärmepumpen mit freier Kühlung beziehungsweise Fernwärme. Dachintegrierte Photovoltaikanlagen in Ost-West-Ausrichtung sichern die regenerative Eigenstromversorgung für einen CO2-armen Betrieb.

Die Schulen wurden unter konsequenter Anwendung von Building Information Management (BIM) und Lean-Management-Methoden geplant. Digitale Werkzeuge sind auch für den späteren Betrieb der Gebäude vorgesehen: Mit einem digitalen Zwilling (BIM-Modell) lassen sich viele Abläufe wie Wartung und Energieverwaltung direkt aus dem Modell planen und steuern. Das Projekt wurde für diese innovativen Arbeitsmethoden bereits mit dem BIM Champions Award und dem BIM-Preis Bayern ausgezeichnet.

Fazit

Rückblickend bin ich nach wie vor sowohl vom Modell der Integrierten Projektabwicklung als auch vom Projekt selbst begeistert. Ich schätze die außergewöhnlich enge, intensive und persönliche Zusammenarbeit innerhalb der Allianz sehr. Besonders überzeugt hat mich dabei die flexible und pragmatische Herangehensweise im IPA-Prozess. Sie ermöglicht es, gemeinsam fundierte Entscheidungen zu treffen und angemessen auf Veränderungen im Projekt zu reagieren. Die Erfahrung hat zudem gezeigt, dass diese enge interdisziplinäre Zusammenarbeit den Prozess bereichert und die Qualität der Planung steigert. 

Dominika Gnatowicz

Dominika Gnatowicz studierte in Hildesheim/Holzminden/Göttingen und in Hamburg. 2010 kam sie zu gmp und arbeitete zunächst zwei Jahre am Standort Shanghai. Im Hamburger Büro wirkte sie anschließend unter anderem an der Planung des Erweiterungsneubaus der Kunsthalle Mannheim und eines Trainingszentrums für Katastrophenschutz in Shanghai mit. Im Projektmanagementteam der „Allianz 3 Schulen Bremerhaven“ betreute sie das erste IPA-Projekt der öffentlichen Hand im deutschen Hochbau. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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