„Erklären, was wir tun – gemeinsam!“
Kammerkommentar: Es braucht eine Öffentlichkeit, die die Interdisziplinarität des Planens und Bauens versteht
Zur gebauten Umwelt gehören neben Gebäuden auch Infrastrukturmaßnahmen wie Straßen- und Brückenbauten, Windparks und Überlandtrassen. Unser Handeln verändert das Landschaftsbild, und besucht man in diesen Tagen die Insel Fehmarn, zeigen die dortigen vorbereitenden Arbeiten, wie tiefgreifend diese Veränderungen sind. Fehmarns Gesicht wird sich komplett wandeln; die Idylle der Vogelfluglinie mit der Sundbrücke wird in absehbarer Zeit so nicht mehr vorhanden sein und sich fundamental verändern.
Planungs- und Bauaufgaben dieser komplexen Art lassen die Herzen von Ingenieurinnen und Ingenieuren höherschlagen. Fragestellungen der Landschaftsgestaltung, der Umweltverträglichkeit und des Flächenverbrauchs rücken ins Zentrum und erfordern einen frühzeitigen Diskurs aller Fachdisziplinen. An dieser Stelle setzt unsere gemeinsame Kammer Akzente – und sieht es als ihre Pflicht, diesen Diskurs einzufordern. Nur auf Basis der Bereitschaft, alle Argumente anzuhören und in Prozesse einfließen zu lassen, können gemeinsam gute Lösungen erarbeitet werden.
Was im Großen gilt, gilt auch im Kleinen: Der Tag der Architektur- und Ingenieurbaukunst zeigt Projekte, die im Zusammenwirken aller Planungsbeteiligten besonders gelungen sind. Projekte, die Raum für eine vitale Gesellschaft schaffen, die Menschen und Regionen verbinden. Projekte, die Fragen der Ästhetik und kulturellen Authentizität, des sozialen Miteinanders, des wirtschaftlichen Erfolgs, der Ressourcenschonung und der Nachhaltigkeit miteinander in Verbindung bringen. Projekte, die interdisziplinär von Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten, Stadtplanern, Tragwerksplanern, technischen Gebäudeausrüstern und Fachplanern erarbeitet wurden. Jede Fachdisziplin ist mit der ihr eigenen Kompetenz und den ihr eigenen Ideen gefordert, um Baukosten zu senken, Flächenverbrauch zu reduzieren und konstruktiv mit dem Bestand umzugehen.
Ich wünsche uns allen einen erfolgreichen Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst, der der Öffentlichkeit verständlich macht, worin der Wert guter Planung besteht. Vielleicht in diesem Jahr bewusst mit interdisziplinär besetzten Präsentationsteams, die der Öffentlichkeit die Projekte gemeinsam vorstellen und den Besucherinnen und Besuchern erläutern, was wie aus welchem Grund umgesetzt wurde?
Unsere Gäste müssen die gebaute Umwelt bewusst in ihrer Komplexität erfahren und verstehen, um in der Folge Verantwortung übernehmen und nachhaltig (mit-)gestalten zu können. Ein baukulturell geschultes Auge sieht mehr als isolierte Bildausschnitte. Es geht um den Blick fürs große Ganze und ein tiefgreifendes Verständnis davon, wie die Dinge zusammenhängen.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein
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