„Die guten Ideen der Planenden werden mehr denn je gebraucht“
Ein Interview mit Dr. Holger Matuschak, scheidender Justiziar und Geschäftsführer der Hamburgischen Architektenkammer
Claas Gefroi: Herr Matuschak, wann wechseln Sie von der Hamburgischen Architektenkammer (HAK) in den Ruhestand?
Dr. Holger Matuschak: Ende Juni ist Schluss. Aber der künftige Geschäftsführer, Tim Beerens, startet bereits zum 1. April, sodass genug Zeit bleibt, ihm die Besonderheiten der HAK nahezubringen.
Sie arbeiten seit 1995 in der HAK. Was hat sich verändert?
Nur ein Punkt: Der bürokratische Aufwand der Planungsbüros war früher viel geringer. Die rechtlichen Themen nehmen heute viel breiteren Raum ein. Schon Mitte der 1990er-Jahre veränderte sich vieles. Zum Beispiel gab es bei Architektenverträgen nicht mehr den bis dahin durchaus noch üblichen Vertragsschluss per Handschlag, weil die Bauherren nun schriftliche Verträge wollten. Auch dadurch waren Planende gezwungen, sich stärker mit rechtlichen Fragen zu beschäftigen. Und auch in der Kammer sind rechtliche Fragen immer wichtiger geworden.
Ist das Planungs- und Baurecht immer komplexer geworden?
Ja, und das hängt mit stetig zunehmenden Regularien zusammen, aber auch mit steigenden Wünschen und Ansprüchen der vielen Interessensgruppen. Es lastet ein großer Druck auf den Planenden, ausgewogene Lösungen zu finden. Hinzu kommen rechtliche Verschärfungen, beispielsweise bei den anerkannten Regeln der Technik. Sie wurden ausgebaut in einem exorbitanten Maße – und sind dennoch für die Planenden von essenzieller Bedeutung im Hinblick auf Haftungs- und Gewährleistungspflichten.
Was sind aus Ihrer Sicht die nächsten berufspolitischen Herausforderungen?
Zentral ist die Frage nach dem künftigen Berufsbild. Wofür werden Architektinnen und Architekten zuständig sein? Bleiben sie als Generalist:innen für alle Leistungsphasen verantwortlich? Die Bedrohung durch Bauträger sowie Total- und Generalunternehmer nimmt zu. Es gilt, die Bedeutung der Trennung von Planung und Ausführung für die Qualität des Bauens hochzuhalten und dafür zu kämpfen. Das heißt aber auch, dass die Planenden sich neuen Aufgabenfeldern stellen und Planungsmethoden klug nutzen müssen. Ihre guten Ideen werden mehr denn je gebraucht in einer rasant sich transformierenden Gesellschaft.
Das ganze Interview in den Blauen Seiten.
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