„Baukultur zu vermitteln, beginnt im Kleinen.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Warum denn mitmachen beim Tag der Architektur?
Stimmen von Kammermitgliedern aus den drei mitteldeutschen Bundesländern, warum sie den Termin als Chance sehen.
Alljährlich am letzten Juni-Wochenende ergibt sich die wunderbare Möglichkeit, das eigene Wirken einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. So ist es für mich nun schon gute Tradition geworden, gemeinsam mit dem Verein „Schwemme e.V.“ die Tore der über 300 Jahre alten, denkmalgeschützten Brauerei in Halle (Saale) zum Tag der Architektur weit zu öffnen.
Nach einem verheerenden Brand konnte das historische Fachwerkgebäude nur durch unermüdliches bürgerschaftliches Engagement und mit finanzieller Unterstützung der Stadt vor dem Verfall bewahrt werden. Im Rahmen einer Förderung des Neuen Europäischen Bauhauses entsteht hier am Ufer der Saale nun seit Frühjahr 2025 ein offener Ort für Bildung, Handwerk und Gemeinschaft rund um das Thema „Bauen mit Lehm“. Der Tag der Architektur bietet die Chance, über die geplante Lehmbau Fach- und Laienbildungsstätte zu berichten. Wie entsteht ein Ort, an dem Handwerk, Kultur und Nachhaltigkeit zusammenfinden? Bei Führungen über die sonst nicht frei zugängliche Baustelle können sich Besucher:innen ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten machen, Wissenswertes zu nachhaltigem Bauen oder zur Wiederverwendung von Baustoffen erfahren, selbst einen Lehmstein formen oder das Gewicht von Leichtlehm als Dämmung schätzen. Immer ergibt sich ein ungezwungener Austausch zwischen ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern, Architekturinteressierten und mir als Planendem. Ein Austausch, wie er heute nur selten vorkommt, der aber unverzichtbar ist, um mit Vielfalt gemeinsam zu bauen.
Fazit
Baukultur zu vermitteln, beginnt im Kleinen: Ein gutes Gespräch, eine persönliche Erfahrung an einem interessanten Ort, das Wahrnehmen von Raum und Material, Verstehen von Notwendigkeiten und Zusammenhängen, miteinander auf Augenhöhe über Architektur diskutieren. So kann die Begeisterung für zeitgemäßes Bauen in die Gesellschaft getragen werden – ausgehend von einem Ort in eine ganze Region. All dies ist möglich am letzten Juni-Wochenende, dem Tag der Architektur.
Dieses Meinungsstück aus der Rubrik „Eine Frage – mehrere Meinungen” stammt aus der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für die Region Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
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