„Baukultur braucht und schafft Öffentlichkeit.“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Wie entsteht Baukultur? Politischer Wille, Diskurs oder Bildung – was sind Zutaten für eine erfolgreiche baukulturelle Praxis?
Die Frage nach Entstehung von Baukultur impliziert den Prozess ihres Werdens und Wachsens. Im dynamischen Werden leistet sie – seit Menschen bauen – einen maßgeblichen kulturellen Beitrag für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Wie kann eine Zukunft, die sich mit den derzeitigen Herausforderungen unserem Zugriff immer mehr zu entziehen scheint, als heute gestaltbarer Möglichkeitsraum gesehen werden?
Schon 2003 hatte Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland einen Landtagsbeschluss zur Förderung der Baukultur gefasst. Mit Blick auf die Chancen von Baukultur erklärten die Kulturminister Europas 2018 in Davos: „Die gebaute Umwelt muss dringend in einem ganzheitlichen, auf die Kultur ausgerichteten Ansatz betrachtet werden und es braucht eine humanistische Vision, wie wir Orte, in denen wir leben, und das Vermächtnis, das wir hinterlassen, gemeinsam gestalten.“ Das braucht politischen Willen und die Schaffung der Grundlagen für eine Strategie, die Bauen als Teil von Kulturpolitik, Klimaschutz und Daseinsvorsorge begreift.
Ein ganzheitlicher Gestaltungsanspruch gegenüber der gebauten Umwelt umfasst auch Kunst am Bau als eines der Elemente der Baukultur. Ein Beispiel für solch einen gelungenen Dialog zwischen Architektur, Kunst und Ort ist die Kunst-am-Bau-Realisierung eines Farbenlabyrinths vor dem zentralen Neubau der Rostocker Universitätsmedizin mit ihren an das Spektrum von Goethes Farbenkreis angelehnten Glaselementen, zwischen denen Patient:innen, Besuchende und Mitarbeitende durch Positionswechsel Farben selbst mischen. Der Dialog darüber ist lebendige Baukultur.
Fazit
Zwar räumen landes-, bundes- und europapolitische Absichtserklärungen der Baukultur eine wichtige, wenn nicht gar entscheidende Rolle ein. Sie braucht aber zu ihrem Werden und Wachsen gerade in Zeiten haushalterischer Zwänge und politischer Unsicherheiten neben der erforderlichen Unterstützung durch die öffentliche Hand und dem Engagement der planenden, bauenden und künstlerischen Akteurinnen und Akteure eine breite öffentliche Auseinandersetzung. Nur so kann sie den so dringend nötigen ganzheitlichen Gestaltungsanspruch stets aufs Neue umsetzen.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein
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