„Architektur ist eine Mischpalette für Unterricht“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Gehört Architektur in die Schule? Architektur, Stadtplanung, Landschafts- und Innenarchitektur sind allgegenwärtig. Aber muss Architektur in der Schule unterrichtet werden?
Architektur, besser gesagt Baukultur, umgibt uns überall, jedoch nehmen wir sie meist nur unbewusst wahr. Dabei hat die Qualität der Raumgestaltung einen enormen Einfluss auf unser Zusammenleben und auf unser Glücks- und Wohlfühlbarometer.
Bevor wir selbst aktiv an Raumgestaltung mitwirken oder entscheiden, müssen wir unsere gebaute Umwelt zunächst mit allen Sinnen begreifen lernen, Zusammenhänge verstehen und bewusst den Blick über den Tellerrand werfen. Hierfür bietet die baukulturelle Bildung einen schier unerschöpflichen Fundus an Impulsen und man kann damit gar nicht früh genug anfangen.
Baukultur ist Zeugnis von Geschichte, Ausdruck von Gesellschaftssystemen und selbst ständig im Wandel. Sie erzählt uns über regionaltypische Bauweisen aus natürlichen Ressourcen, reagiert auf die jeweils charakteristischen klimatischen und geografischen Bedingungen und soziokulturellen Aspekte. Architektur ist Baukunst und damit selbst eine künstlerische Ausdrucksform im dreidimensionalen Raum, oft an Schnittstellen zu anderen bildnerischen Künsten.
Diese Vielfalt baukultureller Themen bietet wie von selbst einen wahren Fundus für fächerübergreifendes, selbstbestimmtes Lernen. Architektur bietet wie kaum eine andere Fachrichtung theoretische Wissensaneignung und praktische Wissensanwendung gleichermaßen durch experimentelles Entdecken, praktische Selbsterfahrung, die Verbindung von Kunst und Technik, von Naturwissenschaften und Ästhetik. Und ganz nebenbei schult eine gute baukulturelle Bildung auch Kompetenzen in Handwerk, Sprachen, Ethik, Debattenkultur und Demokratie.
Fazit
Zusammen mit Gleichgesinnten setzen wir uns dafür ein, dass Pädagogen mutiger werden, baukulturelle Themen am besten fächerübergreifend und in großer methodischer Bandbreite im Unterricht, in Projektarbeit oder beim Lernen am anderen Ort anzuwenden. Unsere Kinder sehnen sich danach, in der Schule praktischer und ohne Leistungsdruck zu arbeiten, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich spielerisch-künstlerisch ausdrücken zu können. Geben wir ihnen den hierfür nötigen Freiraum und fangen bei baukultureller Bildung an!
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
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