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„Architektur gehört in die Schule, weil sie zu unserem Alltag gehört“

Eine Frage – mehrere Meinungen: Gehört Architektur in die Schule? Architektur, Stadtplanung, Landschafts- und Innenarchitektur sind allgegenwärtig. Aber muss Architektur in der Schule unterrichtet werden?

© Ben Gierig

Saskia Remmler

Architektin

Sie ist Freie Architektin, Leiterin des Arbeitskreises Architekturvermittlung der Architektenkammer Sachsen und leitet als Geschäftsführerin der Stiftung Sächsischer Architekten u.a. das Projekt „Architektur macht Schule“. 

25.06.2026 2min

Die Zukunft unserer Städte und Gemeinden entscheidet sich auch im Klassenzimmer. Wenn junge Menschen früh lernen, ihre gebaute Umwelt bewusst wahrzunehmen und mitzugestalten, entsteht ein grundlegendes Verständnis für Baukultur und damit für die Qualität unseres Zusammenlebens. Schule ist der ideale Ort, um diese Sensibilität zu fördern: Hier entdecken Kinder und Jugendliche, wie Architektur ihren Alltag prägt, und erfahren, dass sie selbst Teil von Gestaltungsprozessen sein können.

Das Projekt „Architektur macht Schule“ zeigt in Sachsen seit 2013, wie erfolgreich dieser Ansatz ist. Über 70 Projekte belegen, wie durch das Prinzip „sehen, verstehen, zeigen“ ein neuer Blick auf den eigenen Lebensraum entsteht. In Zusammenarbeit mit Architekt:innen, Landschaftsarchitekt:innen und Stadtplaner:innen sowie Kommunen und weiteren Partnern setzen sich Schüler:innen mit Fragen auseinander, die sie unmittelbar betreffen: Was macht meine Region lebenswert? Wie entsteht Identität durch gebaute Umwelt?

Dabei geht es nicht nur um Theorie, sondern vor allem um Praxis: eigene Ideen entwickeln, Räume analysieren, Visionen entwerfen. Die Jugendlichen werden aktiv beteiligt, bringen ihre Perspektiven ein und erleben Selbstwirksamkeit. So entstehen nicht nur kreative Ergebnisse im Schulalltag, sondern auch wertvolle Impulse für die Stadt- und Regionalentwicklung. Zugleich machen die Projekte sichtbar, dass die Bedürfnisse junger Menschen sich oft deutlich von denen Erwachsener unterscheiden – ein wichtiger Beitrag für zukunftsfähige Planungen.

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Gerade im ländlichen Raum zeigt sich, wie bedeutsam Baukultur für Identität und Zusammenhalt ist. Historische Ortsbilder und gewachsene Strukturen stiften Zugehörigkeit. Wer ihren Wert erkennt, setzt sich auch für Erhalt und Weiterentwicklung ein. Architektur in der Schule schafft dafür die Grundlage: niedrigschwellig, integrativ und nachhaltig.

Fazit

Architektur gehört in die Schule, weil sie zu unserem Alltag gehört. Sie prägt Identität, Lebensqualität und Zukunftschancen. Früh vermittelte baukulturelle Bildung stärkt das Verantwortungsbewusstsein junger Menschen und befähigt sie, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten. Projekte wie „Architektur macht Schule“ zeigen, dass dies praxisnah gelingt. Wer Räume versteht, kann die Zukunft unserer Städte und Dörfer bewusst gestalten.

 


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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