Modulare Systeme von Architekt:innen entwickelt
Der Modulbau braucht architektonische Mitgestaltung nicht nur im Entwurf, sondern auch bereits im System
Modulares Bauen gilt als Antwort auf Zeitdruck, Kostensteigerungen und Kapazitätsengpässe im Bauwesen. Die Stärken liegen in Standardisierung, Vorfertigung und Wiederholbarkeit. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass sich Architekt:innen aktiv in die Entwicklung modularer Systeme einbringen – nicht erst bei der Planung einzelner Gebäude, sondern bereits auf Systemebene. Ohne planerische Beteiligung droht der Modulbau auf rein logistische Aufgaben reduziert zu werden. Grundrisslogiken, Raumproportionen oder Belichtung werden dann primär von Produktionsraster und Transportmaßen bestimmt. Architektur entsteht nachträglich – als Hülle um ein technisches Produkt. Dabei entscheidet sich die Qualität modularer Gebäude genau an diesen Schnittstellen: in der Beziehung von Raum und Konstruktion, in der Nutzungsflexibilität und der langfristigen Verwendbarkeit. Architekt:innen bringen hier eine andere Perspektive ein. Sie verstehen Modularität als räumliches Ordnungsprinzip, das Variation, Erweiterung und Umnutzung zulässt. Die vorgestellten Ansätze spiegeln dabei unterschiedliche Entwicklungsstände wider: von ersten Prototypen über Systeme auf dem Weg zum marktfähigen Produkt bis hin zu etablierten Baukastensystemen, die kontinuierlich weiterentwickelt werden.
BetaPort – Systemlogik aus wiederverwendbaren Baukomponenten
Mit BetaPort verfolgt das Innovationsstudio Urban Beta einen Ansatz, der sich bewusst von klassischen Modulbausystemen absetzt. Statt vordefinierter Gebäudetypen oder Nutzungsszenarien ist BetaPort als offenes Gebäudesystem konzipiert. Im Mittelpunkt steht nicht der einzelne Modultyp, sondern eine übergeordnete Systemlogik aus wiederverwendbaren Baukomponenten. Das System funktioniert damit als Framework, das unterschiedliche Gebäudeausprägungen zulässt und auf Wiederverwendung, Anpassbarkeit und Weiterentwicklung ausgelegt ist. Die Elemente sind für industrielle Fertigung und montagefreundliche Prozesse konzipiert. Entwickelt wird BetaPort von einem interdisziplinären Team an der Schnittstelle von Architektur, Baupraxis und Produktdenken. Urban Beta wurde im Jahr 2021 als Start-up gegründet; im selben Jahr entstand mit BetaPort One der erste Prototyp. Konkrete Anwendungen finden seither unter anderem im Büro- und Schulbau statt, auch erste Wohnungsbauten sind in Planung. Hier wird BetaPort als serielles Gebäudesystem eingesetzt, das abschnittsweise realisiert, erweitert oder angepasst werden kann, ohne die grundlegende Konstruktion zu verändern.
Zusammenfassung
Zusammenfassung
System: BetaPort
Studio: Urban Beta
Prinzip: systembasierter Holzbau
Status: seit 2021 in Entwicklung und prototypisch erprobt
Weitere Informationen unter: betaport.systems
ENDO – reversibles Innenausbausystem für Wohnmodule
Der Verein Adapter e. V. entwickelt Konzepte zur temporären Nutzung von Bestandsgebäuden für Wohnzwecke. In diesem Kontext entstand das reversible Innenausbausystem Endo, das für den zeitlich begrenzten Umbau leer stehender Büroflächen und Produktionshallen konzipiert ist. Ziel ist es, Wohnnutzungen zu ermöglichen, ohne dauerhaft in die bauliche Substanz einzugreifen. ENDO basiert auf vorgefertigten Holzpaneelen, die über ein zum Patent angemeldetes Stecksystem reversibel verbunden werden. Die frei konfigurierbaren Raum-in-Raum-Module gliedern große Flächen und bilden akustisch sowie thermisch getrennte Einheiten. Technische Installationen sind integriert, der konstruktive Aufbau ist auf geringes Eigengewicht und gute Schalldämmung ausgelegt. Die reduzierte Anzahl an Paneeltypen ermöglicht flexible Anwendungen bei gleichzeitig niedrigen Produktionskosten. Nach Ende der Nutzung kann das System vollständig demontiert und an anderer Stelle neu aufgebaut werden. Ein erstes Modellprojekt wurde 2024 im Neckarspinnerei Quartier in Wendlingen umgesetzt. Derzeit werden weitere Bürostandorte gesucht, um mit ENDO dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Zusammenfassung
Zusammenfassung
System: ENDO / Innenausbau
Studio: Adapter e. V.
System: Raum-in-Raum-Module mit Stecksystem
Status: auf dem Markt und zum Patent angemeldet
Auszeichnung: Red Dot Winner 2025
Weitere Informationen unter: adapter-stuttgart.de
Wintergartenprinzip – Gewächshaussystem
Das Wintergartenhausprinzip der Supertype Group basiert auf einem prototypisch entwickelten Bausystem, das innerhalb einer schützenden Gewächshaushülle unterschiedliche Nutzungsszenarien ermöglicht. Es folgt dem Prinzip von Grundstruktur und Ausbau und ist auf Anpassbarkeit ausgelegt. Eine filigrane Primärstruktur aus Holz bildet ein offenes räumliches Gerüst, das mit verschiedenen Füllelementen wie Holzrahmenwänden, Holzbalkendecken oder transparenten Innenfassaden ergänzt werden kann. Die Treppen sind so konzipiert, dass sie durch Hinzufügen oder Entfernen von Stufen an veränderte Konfigurationen angepasst werden können. Die Gewächshausfassade schützt die Holzkonstruktion vor Witterungseinflüssen und schafft zwei Klimazonen. Zum Einsatz kommen überwiegend nachwachsende, wiederverwendbare oder recyclingfähige Materialien. Alle Bauteile sind zerstörungsfrei demontier- oder austauschbar. Das System wurde erstmals als Anbau an ein Gründerzeithaus erprobt und ist auf eine Anwendung in weiteren Projekten ausgelegt.
Zusammenfassung
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System: Wintergartenprinzip
Studio: Supertype Group (Max Becker, Pia Brückner, Tobias Schrammek)
Prinzip: Elemente aus dem Gewächshausbau, Structure & Infill
Status: vom Prototyp auf den Weg zum System
Werk.um – Modulbaukasten für „Wanderschulen“
Seit 2010 konzipieren Werk.um Architekten insbesondere im Bildungsbereich Gebäude in vorgefertigter und demontierbarer Holzbauweise. Ausgangspunkt war ein Interimsbau für eine Schule in Ober-Ramstadt, der während einer Sanierung zusätzlichen Raumbedarf deckte und als „Wanderschule“ inzwischen mehrfach an neuen Orten wieder aufgebaut wurde. In den vergangenen 15 Jahren folgten zahlreiche weitere Projekte. Das Darmstädter Architekturbüro ermittelt anhand eines eigens entwickelten Tools und nach individuellen Vorgaben der Bauherren den passenden Vorfertigungsgrad – Elementbau, Modulbau oder ein Mix aus beidem. Oft wird parallel ein Modulbaukasten erarbeitet, mit dem Kommunen über einen Rahmenvertrag mehrere Schulen ausschreiben können. Beauftragte Unternehmen übernehmen die konstruktive Ausgestaltung, es gilt aber vorgegebene Leitdetails einzuhalten. Alle von Werk.um geplanten Systembauten sind in hohem Maß flexibel, um sich wechselnden Gegebenheiten bei einer „Remontage“ problemlos anzupassen. Die ca. 20 qm großen Raummodule lassen sich statisch im EG wie auch im OG anwenden, als Klassenzimmer oder offene Lernlandschaft. Über die Firma Mobispace können von Werk.um entwickelte Module auch angemietet werden. Auch hier basiert das System auf einem Baukasten, der hinsichtlich unterschiedlicher Bauvorschriften deutschlandweit funktioniert. Gemeinsam mit einem erfahrenen Holzbauunternehmen als Produzent ist damit eine ebenso hohe Flexibilität wie Ausführungsqualität gewährt.
Zusammenfassung
Zusammenfassung
System: „Wanderschulen“ oder Mietmodule
Studio: werk.um architekten u. a. mit Mobispace
Prinzip: demontier- und wiederverwendbare Raummodule
Status: seit mehreren Jahren im Einsatz, bewährt und stetig weiterentwickelt
Weitere Informationen unter:
werkum.de
mobispace.de
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