„Die Weichen werden früh gestellt!“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Wie entsteht Baukultur? Politischer Wille, Diskurs oder Bildung – was sind Zutaten für eine erfolgreiche baukulturelle Praxis?
Eine lokale Tageszeitung rief kürzlich dazu auf, die „hässlichsten Gebäude“ im Erscheinungsgebiet zu benennen. Unter den TOP 5 waren neben klassischen „lost places“ drei in der Nachkriegszeit errichtete und unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Ein Leserbrief kritisierte, dass „Gestaltungen der frühen 70er-Jahre“ und von großen Teilen der Bevölkerung als hässlich empfundene Gebäude unter Denkmalschutz fallen, obwohl dieses Privileg „Fachwerkhäusern oder Kirchengebäuden“ zustehe.
Hier zeigt sich die zunehmende Diskrepanz zwischen der allgemeinen Wahrnehmung gebauter Umwelt und diskutierten Fachmeinungen. Warum sehen große Teile der Gesellschaft nicht (mehr) den Wert und die Daseinsberechtigung zeitgenössischer Architektur, und wann haben wir die Ebene einer wertschätzenden Auseinandersetzung verlassen?
Niedrigschwellige Möglichkeiten der individuellen Meinungsäußerung rücken die Konflikte ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung und werden verbreitet, ohne echten fachlichen Austausch anzustreben.
In der Vorbereitung und Planung öffentlicher Vorhaben gab es in den letzten Jahren erhebliche Verbesserungen in Beteiligungs- und Kommunikationsprozessen. Wer interessiert ist, kann sich einbringen! Das ist mühsam für die Vorhabenträger – aber auch für die Gesellschaft. Es braucht eine faire Debattenkultur, die diese Bezeichnung verdient. Und eine differenzierte Auseinandersetzung setzt solides Basiswissen voraus. Architektur und Ingenieurbau finden zu selten Eingang in die Bildungspraxis unserer Schulen; im Bildungsbereich wird die gesellschaftliche Bedeutung von Baukultur unterschätzt!
Fazit
Wir sollten viel mehr erklären, aufklären und auch auf das hören, was uns zugerufen wird! Und wir müssen kommende Generationen mit Wissen über und Fähigkeiten für eine differenzierte Betrachtung der gebauten Umwelt fit machen. Die Bundesstiftung Baukultur bietet einen vielversprechenden Lösungsvorschlag: Das „Schulbuch Baukultur“ ist ein wunderbares Instrument zur frühen Wissensvermittlung. So kann zu einem interessierten und kundigen (Fachkräfte-) Nachwuchs beigetragen werden.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein
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