Acht Regionen. Acht Antworten.
Wie und wo entsteht heute Baukultur? In einem ehemaligen Spielsalon in der Kölner Altstadt. In einem leer stehenden Ladengeschäft in einer mecklenburgischen Kleinstadt. Im nüchternen Flur eines bayerischen Staatsministeriums. Oder auf der Baustelle eines Parks in Riad, der fünfmal größer werden soll als der New Yorker Central Park.
Die Studiobesuche der ersten Heftausgabe stammen aus sehr unterschiedlichen Kontexten. Wito Tröschel hat sein Büro Studiobauland bewusst in Wesenberg angesiedelt, einer Kleinstadt in der Mecklenburgischen Seenplatte mit knapp 3.000 Einwohnern. Über Jahre hat er dort die Transformation einer historischen Brennerei zur Genossenschaftsaufgabe begleitet – mal als Planer, mal als Moderator, mal als Bauherr. Gerber Architekten aus Dortmund zeichnen hingegen für den King Salman Park in Riad verantwortlich. Auf 17 Quadratkilometern entsteht dort innerstädtisches Grün, das mit aufbereitetem Abwasser bewässert wird. Das Ziel ist es, die Stadttemperatur um bis zu zwölf Grad zu senken.
Zwischen diesen Polen bewegen sich Büros, die ihre Arbeit auf sehr unterschiedliche Weise ausrichten. AndOffice aus Stuttgart hat mit seinen seriellen „Hoffnungshäusern“ eine Holzbautypologie entwickelt, die mittlerweile 50 realisierte Bauten umfasst und weit über Baden-Württemberg hinaus Aufmerksamkeit erregt: integrierter Wohnungsbau mit hohem Vorfertigungsgrad, der zugleich ökologisch und wirtschaftlich ist. Praeger Richter Architekten in Berlin betrachten Wohnen als Gemeinschaftsaufgabe: Ihre Ausbauhäuser entstehen als veredelte Rohbauten, die von den Bewohner:innen selbst nach Bedarf, Budget und Geschick fertiggestellt werden.
Das 2018 direkt nach dem Studium gegründete Hannoveraner Büro Studiomauer verfolgt einen verwandten Ansatz: Nachhaltigkeit soll keine abzuarbeitende Checkliste sein, sondern von Anfang an jeden Entwurf prägen: Es gibt keine Tiefgarage, wenn ein Mobilitätskonzept sie erspart, Fassaden stammen aus dem Abbruchmaterial des Nachbargebäudes, Grundrisse, die sich teilen lassen. Staubach + Partner aus Fulda sind da schon einige Jahrzehnte weiter. Das 1953 gegründete Büro hat in den vergangenen fünf Jahren ein neues Arbeitsfeld entwickelt: die strategische Bewertung von Bestandsimmobilien in enger Kooperation mit der ESG-Beratungsfirma EnviroSustain. Manchmal empfehlen sie, auf Eingriffe ganz zu verzichten. Fenster werden nicht ausgetauscht, nur weil sie alt sind. Ganze Gebäude werden aus einem Portfolio herausgelöst, wenn die Investition anderswo mehr bewirkt.
Merkla Architektur aus Radebeul hat sich auf Nachhaltigkeitszertifizierung spezialisiert und begleitet Projekte über alle Leistungsphasen – von der frühen Planung bis zur Übergabe der Plakette. Das Büro Aretz Dürr Architektur aus Köln versteht sich als konstruktives Labor, in dem Entwurf, Lehre und Forschung ineinandergreifen. Der Fokus liegt auf einfachen, materialeffizienten Konstruktionen und dem Grundsatz, dass gute Architektur keine aufwendige Haustechnik benötigt. Und dann wäre da noch das Referat 27 im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr: Drei Architekt:innen koordinieren dort den Gebäudetyp E, begleiten 19 Pilotprojekte und übersetzen die gewonnenen Erkenntnisse direkt in die Gesetzgebung und in die Verwaltungspraxis. Dabei geht es nicht darum, einfach nur Dinge wegzulassen, sondern darum, bessere Lösungen zu finden, auch wenn diese von der Vorschrift abweichen.
Die Studiobesuche erscheinen in den nächsten Wochen auf dabonline.de und sind dann für alle Leserinnen und Leser zugänglich, nicht nur für die jeweilige Region.
DAB Redaktion
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