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[ Architektur für unterwegs ]

Häuser in der ­Hosentasche

Handliche Bücher, Pläne und Apps für die Architektur-Reise

Wer hat dieses Haus gebaut? Mit Architektur-Apps ist diese Frage schnell beantwortet. Aber ein Architekturführer in Buchform weiß es meistens auch.

Text: Cornelia Dörries

Die Zeiten sind vorbei, in denen der architekturinteressierte Städtetourist vor einem Gebäude stand und erst mal eine Weile im schwergewichtigen Architekturlexikon blättern musste, bis er die Angaben zu Baumeister, Jahreszahl und Epoche parat hatte. Heute können Architekturreisende unter einer Reihe von Medien wählen, die ihnen die wichtigen, schönen, neuen und interessanten Bauwerke eines Ortes nahebringen – das klassische Kompendium in Buchform ist nur eines davon. Pünktlich zu Beginn der Feriensaison haben wir einen Blick auf die Vielzahl der Angebote geworfen, mit denen sich Architektur in nah und fern erkunden lässt.

Alles drin: Die Architekturführer von DOM Publishers sind von Architekten für Architekten gemacht und widmen sich auch gern mal etwas entlegeneren Destinationen.

Der Klassiker: Architekturführer zum Blättern

Das touristische Interesse an Baukunst bedienen mittlerweile viele Verlage mit einem schier unüberschaubaren Angebot. Allein Amazon führt derzeit gut 2.400 lieferbare Architekturführer. Während sie sich im Aufbau ähneln – meist ein Foto des Bauwerks mit Angaben zu Baumeister, Entstehungszeit und Nutzung sowie ein Kurztext – ist die fachliche Körnung der Informationen durchaus unterschiedlich. Verlässliche Qualität bieten einschlägige Verlage wie Reimer, Birkhäuser, Prestel oder Jovis – nicht nur mit ihren Städtereihen, sondern auch mit ihren wie Lesebücher gehaltenen Führern durch Kulturräume und -landschaften. Dass sich die kompakte Aufbereitung von Informationen im Reiseführerformat durchaus mit tiefer gehenden stadt- und bauhistorischen Ausführungen vereinen lässt, zeigen die ambitionierten Architekturführer aus dem Berliner Verlag DOM Publishers. Sie heben sich schon durch die recht exotische Auswahl der Destinationen, darunter Taschkent, Taiwan und Pjöngjang, vom Rest ab, aber auch dadurch, dass sie von Architekten zusammengestellt, verfasst und herausgegeben werden. So vereint der Band über Moskau neben architekturhistorischen Fachbeiträgen auch Abhandlungen über die gegenwärtigen Rahmenbedingungen, unter denen in der russischen Hauptstadt neue Architektur entsteht – analysiert von ausgewiesenen Kennern der Moskauer Baugeschehens. Die besten Architekturführer sind eben mehr als die Summe der in ihnen versammelten Bauwerke.

Die Praktischen: Architekturstadtpläne

Ganz neu ist die Idee zwar nicht, ein Erfolg ist sie dennoch: Architekturstadtpläne. Mit ihrem Straßenregister, das um eine Feinsortierung nach Epoche, Architekten und Gebäudetypen ergänzt wurde, bieten sie dem architekturinteressierten Stadtwanderer praktische Orientierung, angereichert um bauhistorische Basisinformationen über – je nach Stadtgröße – bis zu 2.000 Adressen. Wer will, kann sich mit so einem Plan zielgerichtet auf die Suche nach Gebäuden eines bestimmten Architekten begeben, alle Barockkirchen eines Ortes suchen oder sich spazierenderweise ein Urteil über das baukünstlerische Schaffen aus einem bestimmten Zeitraum bilden. Die besten Architekturstadtpläne sind vom Verlagshaus Braun aufgelegt, das mittlerweile alle großen deutschen Städte im Programm hat und in den Neuauflagen vorbildlich auch das aktuelle Baugeschehen berücksichtigt.

Weltarchitektur: Auf der Plattform von openbuildings arbeitet die globale Netzgemeinde mithilfe einer Website und dazugehöriger App an einer kollektiven Bestandsaufnahme der internationalen Baukultur der Gegenwart.

Die Trendigen: Apps für Architektur

Wer für seine Architekturerkundungen digitale Endgeräte wie Smartphone oder Tablet nutzen möchte, steht vor einer schwer überschaubaren Fülle von Angeboten. Kurz gesagt: Man muss hier nicht nur wissen, was, sondern auch wo man sucht, wenn man etwas finden will. Denn Architektur als eigene Rubrik gibt es weder im App-Store des Marktführers Apple noch bei der Konkurrenz von Google im Android-Shop. Grundsätzlich gilt: Wer unter der Rubrik „Reise“ nach bestimmten Zielen, Regionen oder Orten sucht, kann fast immer davon ausgehen, dass es einen digitalen Guide gibt. Von Aarhus und Bad Wörishofen über Paderborn bis hin zu Yucatan und dem Zillertal ist alles dabei. Viele davon bieten vorbildlich aufbereitete Architekturinformationen, die sich freilich auf die üblichen Sehenswürdigkeiten konzentrieren.

Aus dem App-Store: Der Architekturführer Berlin bietet für knapp 4 Euro Informatives zu 30 ausgewählten Gebäuden und mehrere Rundgänge durch die Berliner Innenstadt.

Für die schnelle Vor-Ort-Information sind diese Apps eine gute Alternative zu Reiseführern in Buchform. Dank der Technik vereinen sie viele nützliche Funktionen: Mittels GPS lassen sich die Standorte exakt bestimmen, die oftmals verlinkten Fahrpläne des örtlichen Nahverkehrs schlagen den schnellsten Weg zum ausgewählten Objekt vor, und auch Empfehlungen in Sachen Gastronomie, Läden oder Sehenswürdigkeiten am Wegesrand fehlen nicht. Als Anbieter für Architektur-Apps hat sich der Verlag archimappublishers einen Namen gemacht. Er bietet im App-Store Guides durch 12 europäische Großstädte. Für den Preis von je 3,99 Euro kann sich der Nutzer damit individuelle Touren zusammenstellen oder konzipierten Rundgängen folgen. Der Vorteil dieser Apps: Sie verfügen über interne Karten, sodass die Nutzer nach dem Download keine, im Ausland mitunter sehr kostspielige Internet-Verbindung mehr benötigen.

Wer nach architekturspezifischen, ortsunabhängigen Apps sucht, wird irgendwann bei OpenBuildings landen, einem Internet-Projekt, das als Website (www.openbuildings.com) und kostenlose App verfügbar ist. Die mit Fotos und Kurzinfo gelisteten Gebäude sind nach Kontinent, Stadt, Typologie und Architekt sortiert. Das Ganze funktioniert nach dem nichtkommerziellen Mitmach-Prinzip der Netzgemeinde: Wer will, kann sich anmelden und seine architektonischen Entdeckungen einstellen – ganz gleich, ob es sich um eine schöne Bäckerei im australischen Melbourne oder eine außergewöhnliche Fabrikhalle in Ostwestfalen handelt. Die App erlaubt es auch, neue Kategorien zu etablieren – wie die für Reisende nützliche internationale Sammlung architektonisch ambitionierter öffentlicher Toiletten. Bislang sind in dieser basisdemokratischen digitalen Enzyklopädie der globalen Gegenwartsarchitektur mehr als 39.000 Projekte aus der ganzen Welt verzeichnet.

Doch nicht nur die anonyme Schwarmintelligenz ist im Internet aktiv. Auch die Bayerische Architektenkammer hat für ihre „Architektouren“ eine App entwickelt, die erstmals im Jahr 2011 anlässlich des Tags der Architektur an den Start ging und sich über diesen Anlass hinaus als digitaler Impresario des aktuellen Baugeschehens im Freistaat anbietet. Mithilfe dieser Anwendung können sich Interessenten eigene Touren zusammenstellen und neue Projekte in ihrer Nähe abfragen. Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine App, die kostenlos im App-Store oder direkt auf der Seite der Bayerischen Architektenkammer (www.byak.de/start/architektur/architektouren) abrufbar ist. Außerdem arbeitet die Kammer derzeit an der digitalen Aufbereitung der Projekte, die seit 2004 bei den „Architektouren“ zu sehen waren – mit dem Ziel, eine Datenbank der Gegenwartsarchitektur in Bayern zu schaffen.

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