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Historisches Viertel: Der Stadtteil Temple Bar ist Dublins touristisches und kulturelles Zentrum. Foto: Thorsten Pohl

Dublins „Umbrella Project“

Ob am Tag oder in der Nacht – der Meeting House Square in Dublin ist immer belebt. Mitten im historischen Stadtviertel Temple Bar mit seinen jahrhundertealten Straßenzügen und engen Gassen gelegen, zieht dieser Platz vor allem Touristen an. Aber sie kommen nicht allein wegen der Geschichtsträchtigkeit des Ortes. Meeting House Square ist Dublins wichtigster öffentlicher Kulturbereich. Hierfür werden vom Temple Bar Cultural Trust (TBCT) zahlreiche Veranstaltungen organisiert.

Noch bis vor wenigen Wochen aber mussten Film- und Theatervorführungen oder Konzerte wegen des wechselhaften irischen Wetters oftmals kurzfristig abgesagt werden. Jetzt schützt die Besucher eine einzigartige Schirm-Installation. Beauftragt hatte der Veranstalter das 2,4 Millionen Euro teure „Umbrella Project“ schon 2011 anlässlich des 20. Jahrestages der Restaurierung von Temple Bar nach einem öffentlichen Wettbewerb. Gewinner waren Seán Harrington Architects mit Tulpenschirmen der Firma MDT. Das Unternehmen mit Standorten in Tägerwilen in der Schweiz und im baden-württembergischen Hardheim ist auf textile Outdoor-Architektur spezialisiert. Um die Überdachung den örtlichen Gegebenheiten anzupassen, wurde der Standard-Tulpenschirm in enger Zusammenarbeit mit den Architekten neu interpretiert. Überspannt wird die Fläche jetzt von vier je 21 Meter hohen Schirmen, deren leicht geknickte Kelche sich zum Zentrum des Platzes neigen. Dieser Kunstgriff bewirkt, dass die je elf mal 14 Meter großen textilen Membranen einander mittig wie Blumenblüten überlappen und so darunter eine durchgängig nutzbare Fläche entsteht. Höhe und Ausrichtung der Schirme passen sich gleichzeitig der umliegenden Bebauung an – ein wichtiger gestalterischer Aspekt, um weitestgehend das Gefühl der Offenheit zu bewahren. Damit in veranstaltungslosen Zeiten Anwohner und Touristen nach wie vor auch den unverbauten Blick auf den Platz genießen können, lassen sich die Schirme binnen sieben Minuten öffnen oder schließen. Im zusammengeklappten Zustand wirken sie wie skulpturale Säulen, die scheinbar bis in den Himmel reichen. Bei abendlichen Veranstaltungen werden die Schirme von oben angestrahlt. Dadurch lassen sich je nach künstlerischem Genre unterschiedlichste Lichtstimmungen erzeugen. Dabei dient das wetterbeständige und strapazierfähige PTFE-Gewebe durch sein optimales Reflexionsverhalten gleichzeitig als Leinwand. Die Montage der Schirme auf dem Meeting House Square erfolgte per Kran über die Häuser in vormontierte Fundamente innerhalb nur eines Tages.

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