Schulbau in Thailand beginnt mit den Ideen der Menschen vor Ort
Lieblingsort: Gute Architektur darf kein Privileg sein, sagt Jan Glasmeier, Architekt aus Gelsenkirchen. An der Grenze zu Burma baut er mit Bambus, Teakholz und Lehm für geflüchtete Kinder.
Mae Sot, eine Grenzstadt im Nordwesten Thailands, direkt an der Grenze zu Burma: Ein Ort, an dem Menschen aus unterschiedlichen Herkünften, Religionen und Kulturen zusammenkommen. Viele sind vor Kampfhandlungen in Burma geflüchtet. Mae Sot ist eine Transitstadt, aber auch ein Ort, an dem Menschen einander helfen.
Nun sitze ich wieder hier, im Hof der „Ah Yoon Oo“-Schule, einem der besonderen Orte in dieser Stadt, zu dem ich zurückgekehrt bin. Die Schule wurde von der Hilfsorganisation „Help without Frontiers“ errichtet. Auch an dieser Schule sind die Räume mittlerweile zu klein, die Zahl der Flüchtlinge aus Burma wächst stetig. Zum dritten Mal bauen wir mit jungen Planerinnen und Planern aus Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Hands-on-Projekts der Stiftung Deutscher Architekten weitere Schulräume, damit den Kindern die Möglichkeit einer guten Bildung und ein Stück „Normalität“ geboten werden kann. Für geflüchtete Kinder in Mae Sot ist die Schule auch ein geschützter Raum, ein Ort der Stabilität.
In einem partizipativen Prozess mit der örtlichen Gemeinschaft entwickeln wir Räume, die einfach, funktional und kostengünstig sind. Die Menschen hier haben faktisch keinen Zugang zu Architektur. Mit meinem Büro simple architecture habe ich in dieser Region bereits einen Krankenhauscampus und 30 Schulprojekte realisiert, meist in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen. Jedes Projekt ist anders, aber alle folgen derselben Überzeugung: Gute Architektur darf kein Privileg sein.
Die Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen berühren mich bei jedem Besuch. Wir arbeiten eng mit lokalen Arbeitskräften zusammen, und oft sind sie es, von denen wir am meisten lernen. Viele sind über die Jahre zu Freunden geworden. Wir bauen mit Bambus, recyceltem Teakholz und Lehmziegeln. Wenn ich die Kinder sehe, wie sie in diesen geschützten Räumen spielen, lernen und lachen, weiß ich, warum wir all das tun. Sie sind unsere Motivation, weiterzumachen.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für die Region Nordrhein-Westfalen.
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