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Deutscher Innenarchitektur-Preis 2026 kürt ungewöhnliche Lernorte

Schalelemente als Baumaterial, ein ehemaliges Kaufhaus als Bibliothek: Vier Projekte zeigen, wie viel Potenzial wirklich im Bestand für neue Lernorte steckt.

Swantje Rüschen
21.07.2026 7min
„Collage aus sieben Architekturaufnahmen auf weißem Hintergrund. Sie zeigt den Eingang und Innenräume der Neuen Bibliothek Gummersbach mit Glasfront, gelben Schränken, Bücherregalen und Sitzbereichen sowie Räume einer Kindereinrichtung mit hellen Holzeinbauten, grünen Möbeln und einem Flur mit Garderobenfächern. Ergänzt wird die Collage durch Detailaufnahmen einer Holzfassade und eines geschwungenen Holzinnenraums.“
© Jens Kirchner, Achim Birnbaum, Markus Guhl

Kann man die perfekte Bildungseinrichtung auf dem Reißbrett planen?

Wo früher einfach „nur“ gelernt wurde, sollen sich heute Bildungseinrichtungen an die Bedürfnisse der Lernenden anpassen. Anhand aktueller pädagogischer Konzepte könnten so soziale Lebensräume entstehen, die gesellschaftlichen Wandel, ökologische Veränderungen und Wissensvermittlung unter einem Dach vereinen. Neue Erkenntnisse, neu entworfen, neu gebaut? Entsteht so die bestmögliche Bildungseinrichtung? Oder könnten diese auch in bereits bestehenden Gebäuden und Materialien schlummern? 

Durch Umgestaltung, Sanierung oder Recycling können aus Bestandsgebäuden neue Orte für Bildung entstehen. Vier nominierte Projekte zeigen, wie das gelingen kann. 

Über den Deutschen Innenarchitektur-Preis

Der Deutsche Innenarchitektur-Preis des Bundes Deutscher Innenarchitektinnen und Innenarchitekten (bdia) gilt als wichtigste Auszeichnung für Innenarchitektur in Deutschland. Aus knapp 250 Einreichungen hat die unabhängige Jury insgesamt 35 Projekte nominiert. Sie zeigen, wie Innenarchitektur in den Bereichen Arbeiten, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Kultur und öffentlicher Raum auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagiert. 

Weitere Informationen zu den nominierten Projekten des Deutschen Innenarchitektur-Preises 2026 gibt es unter deutscher-innenarchitektur-preis.de.

"Eingangsbereich einer modernen Bibliothek. Große Glasschiebetüren mit weißem Text "Neue Bibliothek Gummersbach". Dahinter Innenraum mit gelber Deckenakzent und weißen Kugelleuchten. Links ein gelber Sessel. Rechts durch die Glasfront sichtbar: Regale und Möbel. Dunkler Bodenbelag vor dem Eingang. Eine Person in dunkler Kleidung steht rechts neben der Tür."
Früher wie heute Schaufenster – damals kommerziell genutzt, heute kulturell: der Haupteingang der Stadtbibliothek Gummersbach mitten im Einkaufszentrum „Bergischer Hof“. 
© Jens Kirchner
"Moderner Bibliotheks-Ausleihbereich. Großer geschwungener Tresen aus Holz und Dunkelblau mit weißem Logo "Neue Bibliothek Gummersbach" und integrierten Bücherregalen. Zwei Computer-Arbeitsplätze hinter dem Tresen. Links ein Serviceschalter mit Symbol. Heller Bodenbelag mit dunkelblauen Zonen. Mehrere weiße Deckenleuchten. Im Hintergrund Bücherregale und Zugangsbereiche."
Die zentrale Theke als Orientierungspunkt und erste Anlaufstelle. 
© Jens Kirchner
"Großzügiges modernes Bibliotheksfoyer. Gelbe Deckenzone mit weißen Kugelleuchten. Beidseitig Holzregale in Natur- und Dunkelblau mit offenen Fächern. Zentral ein helles Holz-Sitzelement. Dunkelblaue Bodenzone mit hellgrauem Teppichstreifen. Links ein Serviceschalter mit Monitor. Rechts weiße Wandelemente und blaue Türen. Moderne Spot-Beleuchtung."
Die raumhohen Einbauten aus Weißtanne integrieren im Eingangsbereich die Servicebereiche wie Garderobe, Schließfächer und Rückgabe. In den farbig abgesetzten Nischen sind Selbstverbucher und Kopierstationen untergebracht.
© Jens Kirchner
"Geräumige Erwachsenenbibliothek. Dunkelblaue Bodenzone mit hellen Teppichstreifen als Wegeführung. Links Bücherregale und Lesetische mit schwarzen und gelben Sesseln. Zentral mehrere Sessel (gelb, schwarz, grau) um eine kleine Teppichzone. Rechts gelbes Wandregal mit Bücherausstellung und "Lesecafé"-Bereich. Oben gelb gestrichene Nische mit Glasfront. Mehrere Bücherregale im Hintergrund. Weiße Decke mit linearer Beleuchtung. Großzügige, helle Atmosphäre."
Knalliges Gelb markiert das Lesecafé und lädt zum Sitzen, Austauschen und Schmökern ein.
© Jens Kirchner
"Farbenfroher Kinderbibliotheksbereich. Wände mit gelben Akzenten und dunkelblauen Paneelen. Rechts großes gelbes Wandregal mit Bücherausstellung und "Lesecafé"-Schriftzug. Zentral ein kreatives Raumdesign mit: roten Sitzbänken als Regalelemente mit Büchern, dahinter ein Holzhaus-ähnliches Element mit Rundöffnungen und roten Bäumen-Grafikelementen. Blaue und orange Teppichzonen. Mehrere Sessel in Gelb und Anthrazit. Dunkelblaue Fensterfront."
Im Kinderbereich verwandelt sich die Bibliothek in eine Bühne für Bildung, Kultur und Begegnung – ein Ort, an dem Veranstaltungen stattfinden und die Kinder spielen, entdecken und staunen dürfen.
© Jens Kirchner

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Damals Shopping, heute lesen

Im Herzen von Gummersbach wurde in einer ehemaligen Karstadt-Filiale eine Stadtbibliothek eröffnet. Wo früher Ladenfläche war, ist heute Platz für Begegnung, Neugier und Bildung. Die Hauptachse der Bibliothek verbindet den Eingang mit der zentralen Theke und dem gelb akzentuierten Lesecafé. Die mehrstufige Kinderbühne bildet am Ende der Achse einen räumlichen Schwerpunkt.  

Die einzelnen Abteilungen werden jeweils durch Deckenfarben markiert und durch mäandrierende Teppiche miteinander verbunden. Durch die klaren Linien der Regalblöcke, Einbauten und die Farbführung wird die Fläche strukturiert, ohne ihre Offenheit zu verlieren. Dabei diente das Stützenraster als Grundlage für die Unterteilung beziehungsweise Zonierung der Bibliothekslandschaft.

Neben Lesen und Lernen ist hier in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule ein Ort für Kurse und Veranstaltungen entstanden – ein neuer „Dritter Ort“ für Groß und Klein.

Ort: Gummersbach
Bauherr: EGG Entwicklungsgesellschaft Gummersbach
Innenarchitektur: Martin Klein-Wiele, Elena Janzen, Kristina Brüns / UKW Innenarchitekten
Fertigstellung: Oktober 2025

 

"Modernes zylindrisches Holzgebäude mit vertikalem Lamellenfassade in hellem Naturton. Das Gebäude steht auf einer grünen Wiese umgeben von alten Laubbäumen. Links ein metallischer Wasserpumpen-Hydranten. Rechts herbstlich gefärbte Bäume in Gelb und Braun. Bewölkter Himmel."
Die ovale Gebäudehülle des Jugendtreffs Ingersheim lässt die Besonderheit des Innenraums nicht erahnen.  
© Bernhard Kahrmann
"Baustelle einer Holzkirche im Grünen. Im Vordergrund eine hölzerne Gewölbestruktur unter Baugerüst und Schutzplanen. Umgeben von dichtem Wald, grünen Wiesen und metallischem Stromleitungsmast. Im Hintergrund eine traditionelle Dorfkirche mit spitzem Turm und rote Dachziegel. Klarer blauer Himmel."
Die aufwendig gefertigten Schalungselemente des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs sollten als Sondermüll verbrannt werden. Doch im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden sie gereinigt und als Bauteile für den Jugendtreff Ingersheim wiederverwendet.
© Forschungsteam Stuttgart 210
"Nahaufnahme einer vertikalen Holzlamellenfassade aus hellen Holzlamellen. Drei horizontale Betongürtel unterbrechen die senkrechte Holzstruktur. Sonnenlicht erzeugt längliche Schattenmuster auf der Oberfläche. Grauer Kiesstreifen am unteren Rand."
Bänke auf der Südseite laden Kinder, Jugendliche, Spaziergänger, Fahrradfahrer und alle anderen zum Verweilen ein.  
© Achim Birnbaum
"Innenansicht einer zylindrischen Holzstruktur mit gebogenem Gewölbe aus verleimtem Sperrholz. Gekrümmte Holzrahmen verlaufen von oben nach unten. Vertikale Lamellen erzeugen Licht- und Schattenmuster. Helles Sperrholz mit natürlichen Astlöchern. Moderne architektonische Details der Holzkonstruktion."
Der Innenraum ist geprägt von der einzigartigen Geometrie der einstigen Schalungselemente. 
 © Achim Birnbaum
"Blick von unten auf die gewölbte Holzdecke einer zylindrischen Struktur. Zwei große gekrümmte Holzrahmen aus verleimtem Sperrholz treffen sich in der Mitte. Das helle Sperrholz zeigt natürliche Astlöcher und Unebenheiten. Schmale vertikale Lamellen trennen die beiden Gewölbehälften. Sonnenlicht fällt durch kleine Öffnungen und erzeugt feine Schattenstreifen auf der Holzoberfläche."
Die Herstellung der Schalungselemente ist durch die Oberflächenstruktur dokumentiert.
© Achim Birnbaum

Von der Schalungstafel zum Jugendtreff

Aus vermeintlichem Abfall einen Jugendtreff bauen – das Forschungsprojekt „Stuttgart 210 – weiterdenken, weiterbauen!“ macht es möglich.

Die Schalungen der Lichtaugen des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs sollten thermisch verwertet werden, stattdessen wurden sie für einen Jugendtreff recycelt.  

Die elliptische Gebäudehülle besteht komplett aus naturbelassenem, reversibel verschraubtem Vollholz und steht auf Stahlbetonsockeln. Durch die Wiederverwendung der aufwendig gefrästen, dreidimensional geschwungenen Schalungen entsteht eine außergewöhnliche Architektur, die durch massives Holz im Innenraum ergänzt wird.

Für dieses Projekt wurde der gemeinschaftliche Aspekt bereits während der Planung berücksichtigt. Hierfür kamen 43 internationale Studierende des Masterstudiengangs Innenarchitektur der HFT Stuttgart zu einem zweiwöchigen Workshop zusammen. Umgesetzt wurde das Projekt mit dem ehrenamtlichen Engagement von Handwerksbetrieben und mit Unterstützung der Gemeinde Ingersheim.

Ort: Ingersheim
Bauherr: Gemeinde Ingersheim / Bürgermeisterin Simone Lehnert
Innenarchitektur: Prof. Andreas Kretzer (HFT) und Prof. Stefan Krötsch (HTWG) / ARGE Andreas Kretzer, Stefan Krötsch, Roman Kreuzer, Katharina Raabe, Maximilian Stemmler / HFT Stuttgart und HTWG Konstanz
Fertigstellung: Oktober 2024 

"Offene Lernküche hinter schwarzen Rahmenschiebetüren. Innenraum mit beige gefliesten Wänden. Orange-braunes Küchenblock-Element mit integrierten Arbeitsplatten und Schränken. Metall-Dunstabzugshaube an der Wand. Drei Kinder in Kostümen beschäftigen sich mit Gemüse und Kochutensilien. Heller Bodenbelag, natürliche und künstliche Beleuchtung."
Die Küche lädt durch ihre Offenheit ein zum Beobachten und Mitmachen.  
© HEJM
"Moderner heller Kinderbereich mit weißer Decke und indirekter Beleuchtung. Zentral ein weißer Pfeiler. Wände teilweise in zartem Grün und Weiß. Mehrere Kinder spielen verteilt im Raum: auf einem grünen runden Sitzelement in der Mitte, auf einem rosa Sitzsack vorne links, auf einem orangen Sitzsack rechts und in der Mitte. Ein weißes Neon-Logo an der grünen Wand. Blaugrauer Bodenbelag."
Ort des Ankommens und Verabschiedens  
© HEJM
"Heller Kreativraum mit großem Fensterfront. Links Arbeitstische mit Stühlen, dahinter offene Holzregale mit Materialien und Boxen. Mitte: mehrere Staffeleien zum Malen mit Kindern. Rechts ein Arbeitstisch mit Stiften und Materialien. Fünf Kinder in verschiedenen Farben gekleidet arbeiten an verschiedenen Stationen. Beige Decke mit Beleuchtung, türkiser Bodenbelag."
Kinderatelier  
© HEJM
"Großzügiger Kinderbetreuungsraum mit offener Raumstruktur. Links grüne Wandregale mit Utensilien, rechts rot-orange Wandregale. Zwei runde Tische mit beige-weißen Stühlen in der Mitte und rechts. Schwarze Rahmentüren mit Blick in angrenzende Bereiche. Mehrere Kinder und eine Betreuungsperson verteilt im Raum bei verschiedenen Aktivitäten. Warme Beleuchtung, dunkeltürkiser Bodenbelag."
Kinderrestaurant mit Blick in die Küche  
© HEJM

Früher Speisekasino, heute Kita  

In einem Speisekasino aus den 1930er-Jahren ist ein Ort zum Spielen, Entdecken und Zurückziehen entstanden. Für den Umbau zur Kita wurde der Mittelteil des denkmalgeschützten Gebäudes abgerissen und durch einen schlichten Neubau ersetzt. Ein dunkelgrüner Linoleumboden leitet durch den gesamten Bereich und setzt einen Kontrast zum ansonsten hellen, sanften Farbkonzept.

Ein zentrales Element der Kita Haveluferquartier bildet die Küche, in der die Kinder beim Kochen mithelfen können. Durch verschieden große Durchbrüche im historischen Bestand entstanden Klettermöglichkeiten, Innenfenster und kleine Rückzugsorte. Die Flure verbinden nicht nur die Gruppenräume miteinander, sondern sind auch als Spielflure konzipiert, um den Bewegungsraum der Kinder zu erweitern.

Ort: Berlin 
Bauherr: PATRIZIA Deutschland GmbH; FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH; KAURI CAB Development Berlin GmbH 
Innenarchitektur: Nathalie Dziobek-Bepler / baukind 
Fertigstellung: März 2024 

"Langer Flur einer Kindereinrichtung mit beidseitig angeordneten Holzfächern aus hellem Sperrholz. Links hängt eine schwarze Jacke an einem Haken. Jedes Fachmodul hat mehrere offene Ablageflächen. Grüne Kunststoff-Behälter stehen im hinteren Bereich. Weiße Decke mit indirekter Beleuchtung und ovalen Akzenten in Braun und Creme. Heller Bodenbelag."
Ankommen, ablegen, durchatmen: Der Eingang führt in die multifunktionale „Mitte“. Warme Birkenoberflächen, klare Struktur und kleine Nischen geben Halt und der Flur wird zur Bühne für Begegnung im Alltag.  
© Markus Guhl
"Offener Kinderbereich mit modernem Design. Links an der Fensterfront eine Holzbank mit grünen Untersätzen. Zentral grüne Sitznische mit gelbem Kissen und grünen Kissen. Mehrere türkis-grüne zylindrische Sitzelemente verteilt im Raum. Rechts grüne Wandelemente mit abgerundeten Formen. Helle Holzböden, große Fenster mit Blick nach außen, weiße Decke mit Beleuchtung."
Flexibilität nach Lust und Laune: Weiche Sitzpoufs, eine lange Arena-Bank am Fenster und flexible Module schaffen niedrige Schwellen für Lernen, Dasein, Austausch und Pause. Die „Mitte“ ist der soziale Anker – spontan, robust und immer wieder neu bespielbar. 
 © Markus Guhl
"Großzügiger heller Raum mit vielfältigen Nutzungsbereichen. Links orange-rote Türe und ein Kind in Bewegung. Große gelbe Vorhänge auf beiden Seiten zum Abdunkeln. Fensterfront mit Blick ins Grüne. Holztische mit grünen zylindrischen Sitzelementen. Helle Holzböden, breite weiße Pfeiler, indirektes Licht. Pflanzen in rosa und orangefarbenen Töpfen."
Die multifunktionale „Mitte“ ist das Herz der Lernwerkstatt: Bühne für gemeinsames Essen, Spiel, Feier, Elternabend. Akustikvorhänge zonieren je nach Bedarf und alles lässt sich von Kinderhand schnell verstauen und wieder freiräumen.  
© Markus Guhl
"Gemütlicher Ruheraum mit Fensterfront. Links großer korallrot-farbener Vorhang zum Abdunkeln. Holzbank-Fensterbank mit orangenen Kissen und grauem Kissen. Rechts große Fenster mit Blick nach draußen. Eine grüne Topfpflanze steht auf der Bank. Kleine schwarze Ablage. Weiße Wände, Holzboden, warme natürliche Beleuchtung."
Auch Lehrkräfte brauchen Ruhe: Die Pausenzone bietet Rückzug und Regeneration – mit Re-Use-Möbeln aus dem Fundus von Vector Informatik. Ein stiller Ort im Schulalltag, der Wertschätzung räumlich sichtbar macht.  
© Markus Guhl
"Moderner Schulraum mit klarem Design. Links eine große gelbe Schrankelement-Wand mit integrierten Holzfächern darunter. Mehrere weiße trapezförmige Schülertische mit schwarzen Kunststoffstühlen in Reihen angeordnet. Fensterfront rechts mit Blick nach außen. Weiße Wände, heller Holzboden, weiße Decke mit quadratischer Beleuchtung. Eine grüne Topfpflanze."
Struktur, die trägt: Modulare Tische und großzügiger Stauraum ermöglichen schnelle Umstellungen, vom Unterricht bis zur Projektarbeit. Ordnung ist sichtbar und erreichbar, damit Schüler:innen Materialien selbstständig holen und verstauen können.  
© Markus Guhl

Ankommen und Fördern im ehemaligen Büro  

In Stuttgart-Weilimdorf wurden ehemalige Büroräume zu einem Bildungsort für geflüchtete Jugendliche umgestaltet. Der Eigentümer stellt für fünf Jahre das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss zur Verfügung und übernimmt als Bauherr den Umbau und die Planung. Die Bereiche der „Lernwerkstatt – Fit für die Zukunft“ bieten auf rund 1.200 qm Platz für 80 Schüler:innen und werden der Stadt Stuttgart mietfrei überlassen.

Kernidee der Umgestaltung ist die Vorstellung eines „dritten Raums“: ein sicherer Ort, der geflüchtete Jugendliche mit kaum oder keiner Schulerfahrung willkommen heißt, ankommen lässt und fördert.

Es wurde konsequent auf nachhaltige Lösungen wie Bauen im Bestand, Abbruch nur dort, wo nötig, Re-Use und „Urban Mining“ geachtet. Neue Materialien wurden nur gezielt eingesetzt, beispielsweise europäisches Birkensperrholz oder ein biobasierter Vinylboden. Die Umgestaltung soll ökologisch und gestalterisch die Bildung und Integration fördern und gleichzeitig einen „dritten Raum“ schaffen.

Flexible Nutzungsmöglichkeiten bietet der Raum „Mitte“ mit Bewegungsmöbeln, Sitzlandschaft und akustischem Vorhang. Flure werden zu Aufenthaltszonen, Differenzierungsräume bieten multisensorische Rückzugsorte und der EDV-Raum digitale Angebote. Die Farbpalette ist an die sanften Farben des Regenbogens angelehnt – ein Symbol der Hoffnung.  

Ort: Stuttgart
Bauherr: Vector Informatik GmbH; in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart (Referat Jugend & Bildung – Bildungspartnerschaften) 
Innenarchitektur:  Isabell Ehring, freie Innenarchitektin
Fertigstellung:  September 2024

 

© privat

Swantje Rüschen

Swantje Rüschen studiert Medien und Kommunikation an der HAW Hamburg und verfügt über journalistische Erfahrung aus verschiedenen Redaktionen.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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