Was bewegt die Landschaftsarchitektur in der Zukunft?
Nachwuchs-Kolumne: Am 24. April fand in der Ufa-Fabrik der erste Hochschultag der Landschaftsarchitektur statt. Rund 180 Personen aus den Bereichen Studium, Lehre und Praxis nahmen sich die Zeit, um gemeinsam über die Zukunft der Disziplin zu diskutieren.
Den Tag eröffnete eine Podiumsdiskussion zwischen Stephan Lenzen, dem Präsidenten des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), Elke Mertens, der Präsidentin der Hochschulkonferenz Landschaft, und mir als Vertreterin der „Stimme des Nachwuchses“. Schnell wurde deutlich, wie wertvoll es ist, einen Ort geschaffen zu haben, an dem alle auf Augenhöhe miteinander reden.
Elke Mertens appellierte an die ältere Generation, zuzuhören, statt auf alten Wegen zu beharren. Es wurden Themen wie die mentale Gesundheit von Studierenden, Zukunftsunsicherheiten, aber auch Wünsche und Forderungen angesprochen. Schon früh stand fest: Allein die Schaffung dieses Forums als Ort, an dem verschiedene Perspektiven auf gemeinsame Themen treffen, ist ein großer Erfolg.
Sechs Workshops, ein gemeinsamer Befund
In sechs Workshops diskutierten die Teilnehmenden über die Zukunft der Hochschulstandorte, den Einfluss von KI und Digitalisierung auf Lehre und Arbeitsalltag, das Kompetenzprofil der Disziplin, die Bauwende, den Übergang vom Studium in den Beruf und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis.
Dabei fiel auf: Zu jedem dieser Themen könnte man eine eigene Veranstaltung durchführen, um tiefer in die Materie einzusteigen und konkrete Handlungsansätze zu erarbeiten. Einerseits müssen wir uns stärker mit dem Einfluss von KI auf unsere Arbeit auseinandersetzen und entsprechende Weiterbildungsformate nutzen oder entwickeln, um als Disziplin nicht hinter den aktuellen Wissensstand zurückzufallen.
Andererseits eröffnet die Frage nach unserem Kompetenzprofil eine Vielzahl von Antworten. Auch die Entscheidung, die junge Menschen nach dem Studium treffen – Planungsbüro, Behörde oder Selbstständigkeit –, prägt, in welchen Feldern sie sich vertiefen. Immer wieder wurde betont, wie wichtig ein vertiefender Austausch und gegenseitiges Verständnis zwischen der planenden Landschaftsarchitektur und der ausführenden Seite des Landschaftsbaus ist. Dass an einem einzigen Tag keine konkreten Antworten auf so viele Fragen zu finden sind, war allen bewusst. Umso schneller stand fest: Der Hochschultag wird ein regelmäßiges Format.
Hochschulstandorte sichern, bevor andere den Raum füllen
Wir können aber nicht bis zum nächsten Treffen warten, um dann weiterzumachen. Diese Themen müssen jetzt weitergeführt werden – zunächst in kleineren Runden, aber mit konkretem Ziel.
Die Zukunft unserer Hochschulstandorte entscheidet sich jetzt. Dafür müssen wir mit den entsprechenden politischen Entscheidungsträger:innen zusammenkommen und deutlich machen, dass wir als Disziplin für eine lebenswerte Zukunft in unseren Städten unverzichtbar sind und dass wir mehr Studienstandorte benötigen, insbesondere in Großstädten wie Hamburg oder in Metropolregionen wie dem Ruhrgebiet.
Natürlich sind auch kleinere Hochschulstandorte mit einem stärkeren Fokus auf Landschaftsplanung wichtig. Aber die großen Herausforderungen warten in den Städten. Darauf müssen wir im Studium vorbereitet werden, sonst werden andere Disziplinen diesen Raum einnehmen.
Nicht nur mitreden – von Anfang an mitplanen
Damit sind wir bei einem Punkt, der sich durch den gesamten Tag zog: Wir müssen für unsere Disziplin einstehen und einfordern, von Anfang an in Planungen beteiligt zu werden. Wie Prof. Sebastian Sowa, der den Workshop „Wind of Change“ zur Bauwende leitete, es formulierte: „Wir müssen uns in die gesellschaftlichen Debatten einbringen – nicht nur mit Bild und Wort, sondern auch mit Tat. Und wir müssen Räume schaffen, in denen sich Menschen begegnen.“
Die Aufbruchstimmung dieses Tages sollten wir mitnehmen und direkt weiterarbeiten. Ideen umsetzen, bevor sie im Alltagstrubel versanden. Das reicht von Fortbildungspunkten in der Kammer für Hospitationen zwischen Forschung und Praxis über die Weiterentwicklung unserer Studiengänge bis hin zu politischem Engagement als Disziplin und dem stetigen Einfordern fairer Arbeitsbedingungen.
Aufbruchstimmung braucht Verbindlichkeit
Und wir alle – ob wir an diesem Tag dabei waren oder nicht – sollten mitnehmen: Aus einem ehrlichen Austausch auf Augenhöhe, in dem auch unterschiedliche Meinungen ihren Platz haben, kann etwas wirklich Schönes und Großes entstehen.
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