Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

New Learning Spaces: Die Zukunft ruft

Beim Wettbewerb „New Learning Spaces“ soll ein reales Hochschulgebäude in einen zukunftsweisenden Lern- und Arbeitsort verwandelt werden.

 

Johanna Lentzkow
19.11.2025 4min
Das 5.OG des Gebäudes R12R (hinten im Bild) in Essen soll zum Lernort der Zukunft werden.
© Andreas Endermann

Begriffe wie „New Learning“ hinterfragen die bisherige Auffassung des Lernens. Sie geben uns Anstoß, sie neu zu denken, sie zu transformieren. Daraus ergibt sich, dass wir auch „New Learning Spaces“ brauchen. Schaut man beispielsweise in die Schulen, ist der einstige Frontalunterricht inzwischen meist von alternativen Konzepten abgelöst worden, die auf Selbstständigkeit, Gruppenarbeit und individualisiertes Lernen abzielen. Diese Konzepte lassen sich auch direkt architektonisch ablesen, zum Beispiel in sogenannten Marktplätzen, die als Mitte eines Klassenclusters als zentraler Kommunikations- und Begegnungsort fungieren.

Ausgelöst durch fortschreitende Technologien und den Einzug von KI wandelt sich das Verständnis des Lernens – braucht es auch eine daran angepasste Antwort der Architektur? Auf ebendiese Antworten zielt der Hochschulwettbewerb „New Learning Spaces“ ab, der vom Düsseldorfer Büro für Architektur, Innenarchitektur und Consulting bkp und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW ausgelobt wurde.

„Old“ Spaces für „New Learning Spaces“

„Wie lernen wir heute und wie können wir unsere Bestandsgebäude entsprechend transformieren?“, bringt Ute Nieskens, Bereichsleiterin Strategisches Immobilienmanagement an der Universität Duisburg-Essen die Fragestellung auf den Punkt. Der Wettbewerb „New Learning Spaces“ verbindet innovative Raumgestaltung mit einer konkreten Bauaufgabe: Im Zentrum steht das Gebäude R12 der Universität Duisburg-Essen auf dem Campus Essen.

Es handelt sich dabei um ein ZPL-Gebäude aus den Siebzigerjahren (ZPL = Zentrale Planungsstelle für die Rationalisierung von Landesbauten). Solche Gebäude wurden damals für den steigenden Hochschulbedarf entwickelt. Sie bieten durch ihre modulare Struktur und flexible Flächenaufteilung gute Voraussetzungen, müssen aber weg von einer linearen Aufteilung und Zellenstruktur neu gedacht werden.

Das Ziel des Wettbewerbs „New Learning Spaces“ ist es, Konzepte zu finden, die dieses Potenzial der Bestandsstruktur im Sinne der Prinzipien von „New Learning“ weiterentwickeln und zukunftsfähige Lern- und Arbeitsräume zu schaffen.

ANZEIGE
ANZEIGE

Von der Forschung zur Gestaltung

Gefragt sind nicht nur Architektur- oder Innenarchitekturschaffende, sondern auch Studierende der Soziologie. Dem Wettbewerb vorangegangen ist eine einsemestrige soziologische Forschung, deren Ergebnisse die Basis der nun zweiten, gestalterischen Phase bilden. Unter wissenschaftlicher Begleitung von Alexandra Scheele (Universität Bielefeld) wurden verschiedene Lernlandschaften untersucht und Erkenntnisse abgeleitet.

Ein zentrales Ergebnis: Es gibt nicht den einen Arbeitsplatz oder Lernort der Zukunft. Lernräume brauchen Vielfalt statt Standardlösungen. Ästhetisch gestaltete Räume wirken sich positiv auf Produktivität, Zufriedenheit und Motivation aus. Räume müssen so gestaltet sein, dass sowohl konzentriertes Arbeiten und Lernen als auch Zusammenkommen (wie im Open-Space oder beim Desk-Sharing) gelingt.

Jetzt wird es mit den „New Learning Spaces“ konkret

Bis zum 1. März 2026 ist nun Zeit, die Forschungsergebnisse in konkrete räumliche Visionen zu übersetzen und dabei gestalterische und funktionale Anforderungen zu berücksichtigen. Der Wettbewerb „New Learning Spaces“ bietet die Chance, eine Lösung zu entwickeln, die als Vorbild für weitere Bestandsgebäude im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und Nutzung vorherrschender Ressourcen fungieren kann.


Die Nachwuchs-Kolumnen des DAB schreibt ein junges Team im wöchentlichen Wechsel.

© privat

Johanna Lentzkow

Nachwuchskolumnistin

Johanna Lentzkows Lieblingsthemen sind das Bauen im Bestand, Entwürfe von Studierenden und die Sichtbarkeit von Architektinnen und ihrer Arbeit. Sie hat Architektur in Darmstadt, München und Lissabon studiert. Neben dem Interesse am Entwerfen von Gebäuden, hat sich schon im Studium die Begeisterung für das Schreiben über architektonische Konzepte und die Architekt:innen dahinter herauskristallisiert.

Als Echtzeitreporterin beim Raumwelten Kongress in Ludwigsburg sammelte sie erste praktische Erfahrung, bevor sie nun seit 2022 als Nachwuchskolumnistin für DABonline schreibt.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Plakat für Ringvorlesung "Blickwechsel Bauwende" im Sommersemester 2026 vom 22. April bis 10. Juni. Das Design zeigt großformatig den Text "BAU WENDE" in blauer Schrift auf cremefarbenem Hintergrund mit diagonalen Linien. Oben links: Hochschulnetzwerk gemeinsam für die Bau. Oben rechts: QR-Code und Veranstaltungsinformationen. Unten: Liste von 42 beteiligten Hochschulen und Universitäten sowie das Logo "Architects for Future" und EU-Förderhinweis.

Blickwechsel Bauwende: Dritte Ringvorlesung abgeschlossen

Nachwuchs-Kolumne: Mit der dritten Ringvorlesung des Hochschulnetzwerks „Gemeinsam für die Bauwende“ rückten acht Disziplinen ihre Perspektiven auf die sozialökologische Transformation des Bauens in den Mittelpunkt. Sie erarbeiteten ein differenziertes Bild auf die Herausforderungen und Hebel für Veränderung.

Nachwuchs Bundesweit
22.07.2026
Eine perspektivische Aufnahme eines Ateliers oder Ausstellungsraums, in dem zwei hohe Architekturmodelle auf Sperrholzsockeln vor einer mit Zeichnungen bedeckten Wand stehen. Das linke Modell zeigt eine komplexe, fragmentarische Gebäudestruktur mit Holzkonstruktionen, einem Kamin und einer grünen Dachstütze. Das rechte Modell hat eine rosa Wand und große Fenster. Die gesamte Rückwand ist dicht mit architektonischen Skizzen, Plänen, kleinen Fotos und gefalteten Papiermodellen bedeckt. Die Fülle an Studien vermittelt den Eindruck eines intensiven kreativen Prozesses. Der Boden ist aus dunklem Holz.

Bestand als Co-Autor

Wann ist ein Gebäude fertig? Diese Frage zieht sich durch das Gespräch mit Max Otto Zitzelsberger. Sie führt vom Umbau zur Forschung, vom Handwerk zur Lehre und schließlich zu einer anderen Vorstellung davon, was Architektur überhaupt ist. Denn, so Zitzelsberger, ein Gebäude wird ständig weitergeschrieben.

Nachwuchs Bundesweit
26.08.2026
Foto eines rustikalen Yoga- oder Meditationsraums. Sonnenlicht fällt durch ein verborgenes Fenster auf der linken Seite. Decken und Kissen liegen gefaltet auf dem Boden, und ein Gong mit chinesischen Schriftzeichen hängt an einem Holzbalken in der Mitte. Makramee-Seile hängen auf beiden Seiten.

Greifenhain ist nicht Sylt. Aber manchmal ist das Naheliegendste das Mutigste

Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut verwandeln einen Vierseithof in Sachsen in ein Refugium zwischen Architektur, Landschaft und Gastlichkeit – und entwickeln damit erstmals ein Projekt nicht im Auftrag eines Bauherrn, sondern aus eigenem Antrieb: als Projektentwickler und Gastgeber zugleich.

Baukultur Bundesweit
15.07.2026