Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

36 Grad und es wird noch heißer

Nachwuchs-Kolumne: Warum es mir auch im Nachgang der Hitzewelle im Juni schwerfällt, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Karen Schäfer
15.09.2026 4min
„Ein Holzregal vor einer senfgelben Wand, bestückt mit einer großen grünen Glasflasche auf einer Schachtel, einer Kerze, modernen Deko-Objekten und einer Zimmerpflanze.“
Symbolbild: Noch lange sichtbare Nachfolgen der Hitzewelle im Juni dieses Jahres.
© Karen Schäfer

Die Hitzewelle in diesem Juni bleibt in Erinnerung. Am 27. Juni 2026 wurden in Deutschland an verschiedenen Stationen mit Temperaturen bis knapp unter 42°C erneut die allzeitlichen Temperaturrekorde gebrochen. Auch an meinem Standort Hannover erreichte die Lufttemperatur an diesem Tag 38,8 °C – die gefühlte Temperatur lag mit bis zu 44,6 °C weit darüber.

Von mehr als „sich aufhalten“ kann kaum die Rede sein. Ich verbrachte den Tag im schummrigen Licht meiner Wohnung, im 3. Obergeschoss eines Gründerzeithauses. Alle nach Süden ausgerichteten Fenster waren mangels außenliegenden Sonnenschutzes mit Gardinen von innen bestmöglich zugezogen. Gegen die Hitze half das erwartungsgemäß – wenig.

Produktivität? Unmöglich!

Meine vorrangige Beschäftigung an diesem Tag: darauf zu warten, dass er vorbeiging. Ich fühlte mich unkonzentriert und müde von den nur wenig erholsamen Tropennächten der vergangenen Tage. Die Hitze raubte mir sämtliche körperliche und geistige Kraft. Glücklicherweise konnte ich mir diese Trägheit und Unproduktivität an jenem freien Samstag erlauben. Ich dachte an all diejenigen, die trotz Hitze im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit zur produktiven Arbeit angehalten waren, um unseren geordneten Alltag aufrechtzuerhalten. Dass jene Produktivität mit zunehmender Hitze massiv sinkt, lässt sich längst in Zahlen darstellen: Eine Analyse der Prognos AG beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten der Hitzewelle vom 17. bis 30. Juni 2026 in Deutschland auf rund 6,3 Milliarden Euro, allein bedingt durch Produktivitätsverluste, hitzebedingte Arbeitsausfälle oder Unfälle.

ANZEIGE
ANZEIGE

Hitze: Risiko für Leben und Gesundheit

Beim Versuch, seine Temperatur aufrechtzuerhalten, half sich mein Körper erwartungsgemäß mit Schwitzen. Der Schweiß lief, selbst wenn ich mich nichts tuend flach auf den Boden legte – an den wohl kühlsten Ort meiner Wohnung.

Gesunde Meschen haben eine Körpertemperatur zwischen 36 und 37 °C. Schon bei Körpertemperaturen ab 37,5 °C sprechen medizinische Fachleute üblicherweise von „erhöhter Temperatur“, ab 38 °C von Fieber, zwischen 40 und 42 °C von „sehr hohem Fieber“. Warum die Skala dort endet, muss ich wohl nicht weiter ausführen.

Das Robert Koch-Institut schätzt die Anzahl der hitzebedingten Sterbefälle in diesem Sommer bis Mitte August auf ca. 15.800 bundesweit, etwa die Hälfte davon in der Altersklasse 85+. Um diese Zahl ins Verhältnis zu setzen: 14.000 Hitzetote eines Sommers entsprechen dem fast Fünffachen der jährlich im Straßenverkehr Verunglückten (2.832 in 2025) oder gut 80 abgestürzten, durchschnittlich besetzten Passagierfliegern. Ein weiteres Beispiel: 14.000 Hitzeopfer entsprechen dem nahezu 50-fachen der jährlichen Brandtoten in Deutschland. Im Jahr 2023 seien 283 Personen durch Exposition von Rauch, Feuer und Flammen ums Leben gekommen – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Jahr 1991 mit 834 Brandtoten. An letzterem Beispiel lässt sich erkennen, dass Brandschutzmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten offensichtlich erfolgreich dazu beitragen konnten, Todesfälle zu verhindern.

Doch wie ist es zu erklären, dass Maßnahmen des Hitzeschutzes dagegen bis heute kaum Beachtung finden in unserem öffentlichen Baurecht, wenn ohne sie doch offensichtlich Leben und Gesundheit in weit stärkerem Maße gefährdet sind?

Hitzeschutz als öffentliche Aufgabe

Die andauernde Hitze in Kombination mit der außergewöhnlichen Dürre weckte bei mir die Erinnerung an ein Szenario, welches das Grünbuch 2020 zur öffentlichen Sicherheit skizziert. Klimawandel und Wetterextreme werden darin als eine von drei wesentlichen Herausforderungen für die öffentliche Sicherheit beschrieben. Die Handlungsempfehlungen zeigen, dass auch die aktuell auf Bundesebene in Sachen Hitzeschutz kontrovers diskutierte Neuordnung von Zuständigkeitskompetenzen 2020 schon auf dem Tisch lag. So lautet eine von zahlreichen Empfehlungen: eine Überprüfung der Sicherheitsarchitektur und Stärkung von Bundeskompetenzen – einschließlich der Einführung eines nationalen Hitzeaktionsplans.

Hitzeschutz ist längst nicht mehr nur eine Frage der Behaglichkeit, sondern eine, die die menschliche Gesundheit existenziell betrifft. Es liegt nahe, dass dies auch neue interdisziplinäre Kooperationen schafft, wie die gemeinsamen Papiere, Veranstaltungen und Handreichungen der Architekten- und Ärztekammern unter anderem in Baden-Württemberg, Berlin und Niedersachsen zeigen.

Appell an die politischen Entscheider:innen

Wie so oft ist auch zu diesem Thema wohl längst alles gesagt und es mangelt nicht an Erkenntnissen. Mögen die diesjährigen Erfahrungen endlich auch auf politischer Ebene die Dinge ins Rollen bringen und in wirksamen Maßnahmenpaketen enden - bevor der Sommer vergessen ist oder sich die nächste Krise auf die Agenda drängt.
 

Schwarz weiß Portrait einer Frau mit kurzen Haaren
© privat

Karen Schäfer

Juniormitglied der Architektenkammer Niedersachsen

Karen Schäfer schreibt über Architektur, Stadt und Gesellschaft im Kontext aktueller ökologischer wie sozialer Herausforderungen. Sie studierte Architektur und Städtebau an der Leibniz Universität Hannover und hat erste Berufserfahrung im Planungsbüro sowie als Lehrbeauftragte gesammelt. Sie engagiert sich bei Architects For Future und setzt sich als Juniormitglied im Vorstand der Architektenkammer Niedersachsen auch auf berufspolitischer Ebene für eine klima- und sozial gerechte Bauwende sowie die Interessen des beruflichen Nachwuchses ein. Seit 2026 ist sie Kolumnistin für dabonline. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Werkstatt/Studio: zwei Personen, eine auf einer Leiter, befestigen Skizzen und Fotos an einer hohen Wand; Holzleisten, Tische und weitere Leitern stehen im Raum.

„Hochschulen bilden einen wichtigen und sehr praxisnahen Nährboden für die Bauwende“

Die Architekturlehre in Deutschland ist noch immer auf den Neubau fixiert – dabei liegt die Zukunft im Fortschreiben des Bestehenden. Prof. Dr.-Ing. Bert Bielefeld, Department Architektur, Lehrgebiet Bauökonomie und Baumanagement der Universität Siegen, über zirkuläres Denken im Entwurf, das Arbeiten mit dem Vorhandenen und Hochschulen als Experimentierfelder der Bauwende.

Nachwuchs Bundesweit
03.02.2026
Natürliche Brücke aus verwobenen Baumwurzeln über einen flachen Waldbach. Der Durchgang wird von mächtigen Baumstämmen und dichtem Blattwerk gerahmt. Graue Felsen liegen im und neben dem Wasser. Personen stehen im Hintergrund auf dem Bachbett unter der Wurzelbrücke.

Mit der Natur entwerfen

Was passiert, wenn Architektur nicht gegen, sondern mit der Natur arbeitet? Ferdinand Ludwig zeigt, warum das Planen die Natur als Prozess begreifen muss – und weshalb die besten Lösungen oft erst nach Jahrzehnten entstehen.

Baukultur Bundesweit
03.08.2026
Podiumsdiskussion zur Geothermie  Ein Veranstaltungsraum mit Publikum im Vordergrund und einem Podium im Hintergrund. Fünf Männer stehen auf der Bühne: einer am Rednerpult, vier an Stehtischen mit Wasserflaschen. Hinter ihnen ist eine Präsentationsfolie mit dem Titel „Rendre possible – Ermöglichen. Geothermie im Saarland – Vertane Chance auf dem Weg zur Energiewende?“ sowie Datum und Uhrzeit der Veranstaltung. Das Bild zeigt eine öffentliche Podiumsdiskussion zu Energiepolitik und Geothermie. Es steht für fachlichen Austausch, politische Debatte und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Energiewende.

Geothermie im Saarland: Vertane Chancen, ungenutztes Potenzial?

Welche Rolle kann Geothermie für Planung, Baukultur und Energiewende ehemaliger Bergbaugebiete spielen? Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft und Architektenschaft ordneten Potenziale, Hürden und Handlungsbedarf ein.

Nachhaltigkeit Saarland
08.01.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.