Visualisierte Urbanität: Einblick in den “Stadt-Umland-Atlas Hamburg”
Der Atlas visualisiert die Entwicklungsdynamiken zwischen Hamburg und dem Umland – und bietet Einblicke in Mobilitätstrukturen, sozialräumliche Muster und die Auswirkungen des Klimawandels.
Eine dicke blaue Linie zieht sich von Hamburg nach Norderstedt. Sie symbolisiert die über 16.000 Menschen, die diese Strecke täglich pendeln. Neben ihr verlaufen weitere Linien in verschiedenen Farben und Stärken, die sternförmig aus Hamburg herausführen. Diese Karte veranschaulicht im “Stadt-Umland-Atlas Hamburg” die Bewegungen von Verkehrsteilnehmenden, die zwischen Hamburg und seiner Umgebung pendeln. Überraschend: Eine dicke blaue Linie führt in Richtung Berlin und repräsentiert die knapp 8.600 Menschen, die täglich zwischen der Hauptstadt und der Metropole an der Elbe beruflich unterwegs sind.
Die visuelle Übersetzung urbaner Komplexität
Die Komplexität urbaner Räume wird erst durch ihre Visualisierung begreifbar. Doch wie vereinfacht man solche vielschichtigen Zusammenhänge? Eine Antwort auf diese Frage liefert das Stadtentwicklungsbüro Urbanista, das im Auftrag der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen mehr als 150 Datensätze auswertete und die Informationen in über 250 Karten grafisch aufbereitete. Der so entstandene “Stadt-Umland-Atlas Hamburg” umfasst 256 Seiten und ist im Jovis Verlag erschienen.
„Für den Atlas mussten wir Daten aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammenführen – mit unterschiedlichen Strukturen, Detailtiefen und Parametern“, erklärt Urbanista-Geschäftsführer Julian Petrin. Ein erheblicher Teil der Arbeit floss in die Harmonisierung der Datensätze, so der Stadtplaner. Der Atlas untersucht die räumlichen Strukturen und betrachtet je nach Themenfeld die unmittelbare Kernstadt, angrenzende Gemeinden und die gesamte Metropolregion. So verdeutlicht er die Beziehungen zwischen Stadt und Umland anschaulich. Darüber hinaus zeigt er Entwicklungsdynamiken, sozialräumliche Muster und Mobilitätsstrukturen. Der Atlas dient als Grundlage für das neue räumliche Leitbild der künftigen Stadtentwicklung in Hamburg.
Kartografie zwischen Analyse und Narration
Die Bandbreite der dargestellten Informationen beeindruckt: Karten veranschaulichen die Höhe von Bestandsmieten, Preissteigerungen von Wohneigentum, aber auch die Erreichbarkeit von Bushaltestellen und die Bediengebiete für Bikesharing, Lastenräder und E-Scooter. Andere Karten informieren über sommerliche Oberflächentemperaturen und Lärmbelastung. Auch der Klimawandel wird durch die Darstellung von Risikogebieten für Küsten- und Flusshochwasser thematisiert.
Damit aus Daten eine Geschichte wird, reicht es nicht, Informationen übereinanderzulegen. Man muss sich fragen: Warum erstelle ich diese Karte? Was ist mein Erkenntnisinteresse? Und anschließend prüfen: Beantwortet mir die Karte diese Frage – oder bleibt sie ein visuelles Rauschen?
Julian Petrin
Zweieinhalb Jahre arbeitete das Team von Urbanista am Atlas. Mit über 100 Fachleuten aus Hamburg und dem Umland sammelte es Daten und bereitete sie grafisch auf. Der “Stadt-Umland-Atlas Hamburg” steht als Buch in grafisch gelungenen Karten zur Verfügung und ist auch für Laien geeignet.
Subjektive Raumwahrnehmungen und mentale Karten
Im letzten Kapitel des Buches visualisiert Urbanista die persönlichen Kartierungen der Bewohnenden in Hamburg. Aus einer digitalen Umfrage, angelehnt an die „kognitive Karte“ von Kevin Lynch, ermittelten sie von rund 3.000 Teilnehmenden das Bild der Region in den Köpfen der Bewohnenden. Fragen nach der persönlichen Stadtgrenze und den vertrautesten und beliebtesten Orten wurden gestellt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Orte nicht wahrgenommen und nicht entsprechend ihrer Potenziale genutzt werden. Das Team sieht den Atlas als Dialogwerkzeug, das kontinuierlich mit Inhalten gefüllt werden soll. Fachleute können auf die Daten digital zugreifen und sie verwenden. Doch damit endet es nicht: Der Atlas soll zudem als Blaupause für andere Städte dienen.
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