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Die obsolete Stadt – Wege in die Zirkularität

Das Forschungsmanifest zeigt auf, wie tiefgreifend die großen Megatrends die urbane Infrastruktur verändern und welche bislang ungenutzten räumlichen Potenziale daraus entstehen.

Bettina Sigmund
30.01.2026 5min
Buch Bundesweit
Die Lukaskirche in Hamburg-Sasel wurde aus wirtschaftlichen Gründen Ende 2024 abgerissen. © Nils Soya, 2023

„Die obsolete Stadt – Wege in die Zirkularität“ basiert auf einer klaren These: Die zentrale Herausforderung urbaner Entwicklung liegt nicht mehr im Bauen neuer Strukturen, sondern im Umgang mit einer massiv alternden, ausfransenden und zunehmend dysfunktionalen urbanen Infrastruktur. Parkhäuser, Tankstellen, Bürokomplexe, Produktionshallen, Einkaufszentren, Kirchen und Friedhöfe – sie alle sind Teile eines urbanen Systems, dessen Logik unter dem Druck von Mobilitätswende, Digitalisierung, Klimakrise und gesellschaftlichem Wandel brüchig wird. Die Forschungspublikation zeigt, dass die Zukunft der Stadt nicht darin besteht, immer mehr dieser Strukturen zu ersetzen, sondern ihre verborgenen räumlichen Potenziale als Ausgangspunkt einer zirkulären, gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung zu nutzen. Die Inhalte stützen sich auf das Forschungsprojekt „Obsolete Stadt“ der Universität Kassel sowie auf das BBSR-Forschungsvorhaben „Zirkuläre Typologien“.

Die Publikation rückt die gebaute Infrastruktur als städtisches Rohmaterial in den Mittelpunkt. Stefan Rettich, Professor für Städtebau an der Universität Kassel sowie Gründungspartner und Mitinhaber von Karo* Architekten, und Sabine Tastel, Professorin für Stadt- und Freiraumgestaltung an der Technischen Hochschule Köln, zeigen anhand einer präzisen Taxonomie und Typenmatrix, welche strategischen Transformationsräume aus sogenannten Obsentials (obsolete Typen mit Potenzial zur Transformation) und Nuggets (Agglomerationen von Obsentials) in verschiedenen urbanen Strukturen vom Zentrum bis zu den peripheren Rändern entstehen können. 

Praxisnah stellt die Publikation Instrumente vor, die weit über klassische Einzelplanungen hinausgehen, darunter neue kommunale Bodenpolitiken, ko-produktive Verfahren sowie die eigens entwickelte Obsoleszenz-Cluster-Methode (OCM), die dabei hilft, ganze Funktionssysteme in ihrer „Abschmelzphase“ zu begreifen und gezielt umzunutzen. Damit fordert das Autorenteam eine Stadterneuerung, die in Netzwerken statt in Parzellen denkt. Am Beispiel der Stadt Hamburg wird der Analyseprozess systematisch aufgezeigt und definiert 24 Nuggets mit Transformationspotenzial.  

Über 150 klar gestaltete Grafiken unterstützen die Argumentation und machen das Buch zu einer fundierten Basis für die praktische und systematische Auseinandersetzung mit urbaner Transformation. „Die obsolete Stadt“ liefert einen präzisen Kompass für eine Stadtentwicklung, die die Potenziale des Bestands erkennt und die vorhandene Infrastruktur als Schlüssel einer zirkulären Zukunft begreift.  

© Anna Kraus, Stefan Rettich, Sabine Tastel, 2025
Stadtschema der obsoleten Stadt © Stefan Rettich
Transformationsmatrix der obsoleten Stadt © Stefan Rettich, Sabine Tastel, 2023
Mehr-Ebenen-Perspektive, Bereich Handel © Stefan Rettich, Sabine Tastel, Clemens Brück, Marius Gantert – Forschungsgruppe Obsolete Stadt, 2020, nach: Geels, Frank W.; Schot, Johan, 2007
Sechs der zwölf Grundsätze der zirkulären Stadt © Stefan Rettich, Sabine Tastel, 2025
Die Analyse ergab unzählige potenzielle Obsoleszenzen in Hamburg in unterschiedlichsten Typologien © Stefan Rettich, Sabine Tastel, 2021
Mit der Obsoleszenz-Cluster-Methode wurden in Hamburg 24 sogenannte „Nuggets“ ermittelt © Stefan Rettich, Sabine Tastel, 2022
Die Lukaskirche in Hamburg-Sasel wurde aus wirtschaftlichen Gründen Ende 2024 abgerissen. © Nils Soya, 2023
Modellannahme: Der Parkplatz am Kreuzfahrtterminal Steinwerder wird irgendwann brach liegen © Freie und Hansestadt Hamburg, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung
Hamburgs größter Friedhof in Ohlsdorf muss zukünftig teilweise neue Nutzungen finden © Freie und Hansestadt Hamburg, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung

Weitere Informationen unter:

https://jovis.de/de/book/9783986120429

https://obsolete-stadt.net 

Bettina Sigmund

Spezialistin für Architekturkommunikation München

Bettina Sigmund ist Spezialistin für Architekturkommunikation. Sie ist Inhaberin von „aboutarchitecture“ und Partnerin der „ARGE Kommunikation“. Ihre Tätigkeit umfasst Redaktion, PR und strategische Beratung für alle Akteure der Baubranche.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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