Die obsolete Stadt – Wege in die Zirkularität
Das Forschungsmanifest zeigt auf, wie tiefgreifend die großen Megatrends die urbane Infrastruktur verändern und welche bislang ungenutzten räumlichen Potenziale daraus entstehen.
„Die obsolete Stadt – Wege in die Zirkularität“ basiert auf einer klaren These: Die zentrale Herausforderung urbaner Entwicklung liegt nicht mehr im Bauen neuer Strukturen, sondern im Umgang mit einer massiv alternden, ausfransenden und zunehmend dysfunktionalen urbanen Infrastruktur. Parkhäuser, Tankstellen, Bürokomplexe, Produktionshallen, Einkaufszentren, Kirchen und Friedhöfe – sie alle sind Teile eines urbanen Systems, dessen Logik unter dem Druck von Mobilitätswende, Digitalisierung, Klimakrise und gesellschaftlichem Wandel brüchig wird. Die Forschungspublikation zeigt, dass die Zukunft der Stadt nicht darin besteht, immer mehr dieser Strukturen zu ersetzen, sondern ihre verborgenen räumlichen Potenziale als Ausgangspunkt einer zirkulären, gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung zu nutzen. Die Inhalte stützen sich auf das Forschungsprojekt „Obsolete Stadt“ der Universität Kassel sowie auf das BBSR-Forschungsvorhaben „Zirkuläre Typologien“.
Die Publikation rückt die gebaute Infrastruktur als städtisches Rohmaterial in den Mittelpunkt. Stefan Rettich, Professor für Städtebau an der Universität Kassel sowie Gründungspartner und Mitinhaber von Karo* Architekten, und Sabine Tastel, Professorin für Stadt- und Freiraumgestaltung an der Technischen Hochschule Köln, zeigen anhand einer präzisen Taxonomie und Typenmatrix, welche strategischen Transformationsräume aus sogenannten Obsentials (obsolete Typen mit Potenzial zur Transformation) und Nuggets (Agglomerationen von Obsentials) in verschiedenen urbanen Strukturen vom Zentrum bis zu den peripheren Rändern entstehen können.
Praxisnah stellt die Publikation Instrumente vor, die weit über klassische Einzelplanungen hinausgehen, darunter neue kommunale Bodenpolitiken, ko-produktive Verfahren sowie die eigens entwickelte Obsoleszenz-Cluster-Methode (OCM), die dabei hilft, ganze Funktionssysteme in ihrer „Abschmelzphase“ zu begreifen und gezielt umzunutzen. Damit fordert das Autorenteam eine Stadterneuerung, die in Netzwerken statt in Parzellen denkt. Am Beispiel der Stadt Hamburg wird der Analyseprozess systematisch aufgezeigt und definiert 24 Nuggets mit Transformationspotenzial.
Über 150 klar gestaltete Grafiken unterstützen die Argumentation und machen das Buch zu einer fundierten Basis für die praktische und systematische Auseinandersetzung mit urbaner Transformation. „Die obsolete Stadt“ liefert einen präzisen Kompass für eine Stadtentwicklung, die die Potenziale des Bestands erkennt und die vorhandene Infrastruktur als Schlüssel einer zirkulären Zukunft begreift.