KI verändert das Architekturbüro
Künstliche Intelligenz ist in den Architekturbüros angekommen. Die Zahlen des ifo Instituts aus Mai 2026 zeigen, wie schnell sich die Technologie verbreitet, wofür sie eingesetzt wird und welche Auswirkungen das auf Qualifikationen, Arbeit und digitale Selbstbestimmung hat.
Während im Jahr 2023 nur 6,9 % der Architekturbüros KI nutzten, sind es heute bereits 54,2 %. KI unterstützt bei Recherche und Texten, bei Visualisierung, Planung und Dokumentation. Damit verändert sie nicht nur Arbeitsprozesse, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Welche Kompetenzen bleiben unverzichtbar? Wie verändern sich Tätigkeitsprofile? Und wer kontrolliert die Daten und digitalen Werkzeuge, auf denen das Arbeiten künftig beruht? Die aktuelle ifo Konjunkturumfrage zeigt, wie Architekturbüros den Wandel erleben, und liefert damit den Hintergrund für die Debatte um mehr digitale Selbstbestimmung des Berufsstands.
Die Antwort auf die Frage „Wie steht Ihr Unternehmen zu den folgenden digitalen Technologien? – Künstliche Intelligenz“ zeigt sich, dass KI in Architekturbüros inzwischen weitverbreitet ist. 54,2 % setzen sie bereits ein; ein Jahr zuvor waren es erst 34,3 %. Weitere 12,3 % planen den Einsatz und 26,6 % diskutieren darüber. Damit ist der Abstand zum gesamten Dienstleistungssektor, in dem 61,7 % KI nutzen, inzwischen gering. KI ist für Architekturbüros somit kein Zukunftsthema mehr, sondern im Arbeitsalltag angekommen.
Die Antwort auf die Frage „In welcher Form nutzt Ihr Unternehmen derzeit KI?“ zeigt, dass Architekturbüros vor allem auf externe Anwendungen setzen. 65,5 % nutzen kostenfreie KI-Angebote und knapp 59 % kostenpflichtige externe Lösungen. Eigene KI-Systeme spielen dagegen bislang eine geringe Rolle: Weniger als 10 % der Architekturbüros entwickeln eigene Anwendungen. Im Vergleich zum gesamten Dienstleistungssektor sind Architekturbüros bei Eigenentwicklungen damit deutlich zurückhaltender.
In Architekturbüros kommt KI bislang vor allem dort zum Einsatz, wo sie bestehende Arbeitsprozesse unterstützen kann. Auf die Frage „Für welche Tätigkeiten nutzt Ihr Unternehmen derzeit KI?“ werden am häufigsten die Bereiche Recherche und Informationsbeschaffung sowie Text- und Content-Erstellung genannt. Auch für Visualisierung und Bildbearbeitung wird KI häufig genutzt. Auf Rang vier folgen Planung und Entwurf, auf Rang fünf Protokolle, Berichtswesen und Dokumentation.
Können fehlende Qualifikationen oder Berufserfahrung durch KI ausgeglichen werden, wenn die Qualität des Outputs gleich bleibt? Für die große Mehrheit der Architekturbüros, die bereits KI einsetzen, ist das nur schwer vorstellbar. 80 % halten es für schwer oder unmöglich, eine Arbeitskraft mit (Fach-)Hochschulabschluss durch eine KI-unterstützte Arbeitskraft ohne entsprechenden Abschluss zu ersetzen. Lediglich 12 % halten dies für leicht oder sehr leicht möglich. Noch zurückhaltender fällt die Einschätzung bei der Berufserfahrung aus: 86 % sehen es als schwer oder unmöglich an, mindestens fünf Jahre relevante Berufserfahrung durch den Einsatz von KI zu kompensieren; nur 10 % halten dies für leicht oder sehr leicht möglich.
Im Dienstleistungssektor insgesamt wird die Ersetzbarkeit höher eingeschätzt: 19,7 % halten es für leicht oder sehr leicht möglich, einen (Fach-)Hochschulabschluss auf diese Weise zu kompensieren; bei der Berufserfahrung sind es 14,5 %. Auch hier zeigt sich somit: Berufserfahrung lässt sich nach Einschätzung der Unternehmen noch schwerer durch KI ausgleichen als formale Qualifikation.
Welche Auswirkungen hat KI auf die Zahl der Beschäftigten und die benötigten Qualifikationen? Auf die Frage „Inwiefern beeinflusst die Nutzung von KI die Nachfrage nach Arbeitskräften in Ihrem Unternehmen, sowohl bezüglich der Anzahl als auch des Anforderungsprofils?“ berichten Architekturbüros bislang am häufigsten von keinem oder kaum einem Einfluss. An zweiter Stelle stehen Effizienzsteigerungen und Entlastungen, die teilweise mit einem geringeren Bedarf an externen Dienstleistungen einhergehen. Erst danach folgt eine mögliche Reduktion von Arbeitskräften oder Aufgaben, insbesondere im administrativen Bereich. Zugleich zeichnet sich ab, dass sich die Anforderungsprofile an Beschäftigte und die benötigten Qualifikationen verändern könnten.
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Das ifo Institut verbindet wirtschaftswissenschaftliche Forschung mit wirtschaftspolitischer Relevanz und liefert Daten und Analysen für Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit.
Informationen zur Datengrundlage
Seit 2017 befragt das ifo Institut im Auftrag der Bundesarchitektenkammer (BAK) monatlich Architekturbüros zu ihrer Geschäftslage, ihren Aufträgen, ihrem Umsatz und ihrer Beschäftigung sowie zu aktuellen Themen wie KI.
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DAB Redaktion
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