„Ich will Projekte eigenverantwortlich entwickeln“
Eine Frage – mehrere Meinungen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland: Mehr Selbstständigkeit wagen. Architektin Sarnas Gök aus Saarlouis über ihren Weg zu mehr Unabhängigkeit im eigenen Büro.
Mehr Selbstständigkeit wagen. Viele Architektinnen und Architekten scheuen den Schritt in die Selbstständigkeit. Dabei sprechen gute Gründe dafür.
Meine Selbstständigkeit begann nicht erst mit der Gründung meines Büros in Saarlouis vor vier Jahren. Bereits während des Studiums habe ich erste kleinere Projekte übernommen, später kamen neben meiner Tätigkeit als angestellte Architektin weitere eigene Aufträge hinzu. Mit der Zeit stellte sich die Frage, ob diese Projekte eine Ergänzung bleiben oder die Grundlage für etwas Eigenes werden sollten.
Die Entscheidung für die Selbstständigkeit war für mich vor allem eine Entscheidung für Unabhängigkeit. Ich wollte Projekte eigenverantwortlich entwickeln, Entscheidungen selbst treffen und die Architektur nicht nur planen, sondern auch die wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen meiner Arbeit selbst gestalten. Natürlich bringt dieser Weg Herausforderungen mit sich. Viele Themen wie Akquise, Büroorganisation, Vertragswesen oder wirtschaftliche Entscheidungen lernt man erst in der Praxis. Besonders anspruchsvoll waren für mich anfangs öffentliche Vergabeverfahren.
Gerade für junge Büros sind die Hürden oft hoch. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sich Beharrlichkeit und fachliche Qualität auszahlen. Früh habe ich erkannt, dass Selbstständigkeit nicht bedeutet, alles allein machen zu müssen. Gute Partner, verlässliche Netzwerke und die Fähigkeit, Kompetenzen zu ergänzen, sind wichtige Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg.
Gerade für Architektinnen sehe ich in der Selbstständigkeit große Chancen. Sie ermöglicht, Verantwortung zu übernehmen, die eigene berufliche Entwicklung aktiv zu gestalten und stärker in Entscheidungspositionen sichtbar zu werden. Ich würde mir wünschen, dass mehr Frauen diesen Schritt wagen.
Fazit
Selbstständigkeit bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen und den eigenen beruflichen Weg aktiv zu gestalten. Sie fordert Mut, Ausdauer und die Bereitschaft, ständig dazuzulernen. Gleichzeitig eröffnet sie Freiräume, die in unserem Beruf besonders wertvoll sind. Gerade Architektinnen möchte ich ermutigen, häufiger unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Mehr Frauen in Führungspositionen und als Büroinhaberinnen stärken die Vielfalt und Zukunftsfähigkeit unserer Branche.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland.
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