Digitaler Zwilling Saarland
Das Umweltministerium und das Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung haben das Projekt „Saarland 3D“ vorgestellt. Doch welchen Nutzen hat der digitale Zwilling für Planende der Fachrichtungen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur? Ein Gespräch mit der saarländischen Umweltministerin Petra Berg.
Kim Ahrend: Frau Ministerin, was genau ist ein digitaler Zwilling?
Petra Berg: Ein digitaler Zwilling ist eine virtuelle Repräsentation der realen Welt. Durch die Abgleichung von Daten entsteht eine realitätsnahe und interaktive Abbildung – beispielsweise von Städten oder ländlichen Räumen –, die dabei hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen. Man kann sich digitale Zwillinge wie ein Baukastensystem vorstellen: Je nach Bedarf werden unterschiedliche Bausteine kombiniert. Dazu zählen unter anderem Daten, Analysewerkzeuge oder auch komplexe Softwareanwendungen, die gemeinsam den digitalen Zwilling bilden.
Wofür wurde das Projekt „Saarland 3D“ konzipiert?
Saarland 3D wurde konzipiert, um solch einen digitalen Zwilling des Saarlandes bereitzustellen. Die Anwendung ermöglicht Simulationen und Analysen, etwa zu Stadtklima, Hochwasser oder Infrastruktur, unterstützt Fachanwendungen in Verwaltung, Planung und Katastrophenschutz und bietet Bürgerinnen und Bürgern gleichzeitig Informationen, um eigene Entscheidungen zu treffen.
Saarland 3D“ kann in der Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur umfassend unterstützen.
Petra Berg
Und was kann der digitale Zwilling leisten?
Der digitale Zwilling des Saarlandes stellt die Region realitätsnah und interaktiv dar und bietet damit vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Einsatzkräfte können ihn zur Vorbereitung, Erkundung, Lagebeurteilung und Einsatzplanung nutzen oder für Übungen und Ausbildungen in Form von Planspielen. Im Bereich Risikomanagement lassen sich Gefährdungsbereiche wie Überschwemmungsgebiete präzise analysieren, darstellen und dokumentieren. Auch Hochwasser- und Starkregenkarten können direkt im digitalen Zwilling angezeigt werden. „Saarland 3D“ ermöglicht zudem eine realitätsnahe Visualisierung von Bauprojekten und deren Auswirkungen, zum Beispiel bei der Integration neuer Gebäude oder Infrastrukturmaßnahmen. Szenarien wie Verkehrsumleitungen, Schattenwurf, Hochwassersimulationen oder die Wirkung von Grünflächen können effizient getestet und simuliert werden. Darüber hinaus fördern realistische Darstellungen die transparente Bürgerbeteiligung, indem sie Planungsprozesse nachvollziehbar machen und die Akzeptanz von Projekten erhöhen.
Der digitale Zwilling des Saarlandes stellt die Region realitätsnah und interaktiv dar und bietet damit vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.
Petra Berg
Inwieweit kann das Projekt die Arbeit von Planenden der Fachrichtungen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur unterstützen?
„Saarland 3D“ kann in der Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur umfassend unterstützen. Gebäudehöhen, Entfernungen und Flächen lassen sich direkt im Modell ermitteln, wodurch sich städtische Freiräume effizient planen lassen, zum Beispiel schattige Orte für Spielplätze oder Sitzgelegenheiten – besonders relevant für Hitzeschutz und eine bürgerfreundliche Gestaltung. Zudem können Sonnenstand und Schattenwurf von Gebäuden oder Windrädern simuliert werden, um mögliche Beeinträchtigungen für bewohnte Gebiete frühzeitig abzuschätzen. Auch die Planung von Photovoltaikanlagen wird erleichtert, da sichtbar wird, ob ein Gebäude genügend Sonne erhält. Gleichzeitig ermöglichen Schatten- und Sichtanalysen es, bereits am Bildschirm zu erkennen, wie sich Neubauten in das bestehende Stadtbild einfügen.
Kim Ahrend
Team Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitDas könnte Sie auch interessieren
Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen
Entdecken Sie die Welt der Architektur –
jetzt im exklusiven Newsletter!