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Architektur­kooperative ARKO

Eine eigene digitale Infrastruktur soll Datensouveränität, Urheberrechte und Know-how schützen und die freien Berufe für das KI-Zeitalter rüsten.

Eva Maria Herrmann
07.09.2026 5min
"Schwarz-Weiß-Fotografie eines modernen Architekturbüros. Mehrere Mitarbeiter arbeiten an verschiedenen Stationen: Im Vordergrund liegt Baupläne aufgerollt auf einem Tisch, im Hintergrund sitzen Personen an Computern mit großen Bildschirmen. Eine Gruppe bespricht sich in der Raummitte. Betonwände, schwarze Deckenträger, große Fenster mit Blick nach außen."
© AKH / Generiert mit KI

Mit jedem Projekt entstehen nicht nur Pläne und digitale Gebäudemodelle, sondern Materialinformationen, Raumbücher und Betriebsdaten. Diese Daten verschwinden nach der Fertigstellung nicht im Archiv. Im Gegenteil: Sie begleiten Bauwerke oft über Jahrzehnte, werden für Umbauten genutzt, fließen in den Gebäudebetrieb ein oder dienen als Grundlage neuer Auswertungen. Die Planung endet irgendwann, doch die Daten arbeiten weiter. 

Mit dieser Entwicklung rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die lange kaum gestellt wurde: Wem gehören diese Daten eigentlich? Wer entscheidet über ihre Nutzung? Und wer profitiert davon, wenn aus ihnen neue digitale Dienstleistungen oder Anwendungen mit künstlicher Intelligenz entstehen? Ebenso entscheidend wie der Zugang zu diesen Informationen ist ihre Qualität. Erst wenn Daten nachvollziehbar strukturiert, einheitlich beschrieben und verlässlich gepflegt werden, können sie projektübergreifend genutzt, ausgewertet oder für KI-Anwendungen sinnvoll eingesetzt werden.

Unsere ­Projektdaten gehören nicht ins Internet – sie brauchen Schutz und ­Verantwortung.

Carsten Nielsen

Architekt, Stadtplaner, Brandschutzplaner

Mit diesen Fragen setzen sich längst nicht mehr nur die Planungsbüros auseinander. Auch auf europäischer Ebene wird darüber diskutiert, wie Daten, Urheberrechte und KI künftig zusammenwirken sollen. Für den Europaabgeordneten Axel Voss, der als Berichterstatter einen Initiativbericht des Europäischen Parlaments zu Urheberrechten und generativer KI verantwortet, entwickeln sich Daten zu einem eigenständigen Wirtschaftsgut. Gleichzeitig verändern generative KI und Plattformökonomie die bisherigen Regeln der Wertschöpfung. 

Große Unternehmen können ihre Interessen gegenüber Plattformbetreibern und KI-Anbietern selbst vertreten. Kleinere Akteure hingegen benötigen gemeinsame Strukturen. Genau darin sieht Voss eine Aufgabe für Berufsstände und ihre Organisationen: Sie sollen Standards entwickeln, Interessen bündeln und dort gemeinsam handeln, wo Einzelne an Grenzen stoßen. Auf den ersten Blick scheint diese Debatte mit Architektur wenig zu tun zu haben. In Planungsbüros entstehen schließlich weder soziale Netzwerke noch Sprachmodelle. Tatsächlich verändert sich dort aber gerade die Grundlage des Arbeitens. 

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"Zehn Personen stehen nebeneinander auf einer Bühne vor klassischer Architektur mit Säulen und goldenen Verzierungen. Hinter der Gruppe ist eine Präsentationsfläche sichtbar. Die meisten tragen weiße oder helle Oberteile, viele mit bunten Anstecknadeln. Eine Frau trägt ein Muster-Shirt. Formale Veranstaltungsatmosphäre."
Der ARKO Aufsichtsrat (v. l. n. r.): Dr. Martin Kraushaar, Vorsitzender; Manfred Sautter, Schriftführer; Eva Holdenried, stellvertretende Vorsitzende; Fabian P. Dahinten; Thomas Eckert; Magdalena Schwalke; Christoph Schild; Carsten Nielsen, stellvertretender Vorsitzender
© Andreas Henn
"Nahaufnahme von acht Personen in einer Reihe auf einer Bühne. Klassische Architektur mit Säulen und ornamentalen Details im Hintergrund. Eine Präsentationsfläche ist links sichtbar. Die Personen tragen überwiegend weiße oder helle Kleidung und einige bunte Anstecknadeln. Formales Gruppenfoto."
© Andreas Henn

Wettbewerbsfaktor Daten  

Lange Zeit war Software vor allem ein Werkzeug. Programme wurden gekauft, auf dem eigenen Rechner installiert und regelmäßig aktualisiert. Heute wandern Anwendungen, Daten und Rechenleistung jedoch zunehmend in die Cloud. Damit verändert sich auch das Verhältnis zwischen Planungsbüros und Softwareanbietern. Wer die Plattform betreibt, entscheidet immer häufiger darüber, wie Informationen gespeichert, miteinander verknüpft oder weiterverarbeitet werden. Künstliche Intelligenz beschleunigt diese Entwicklung. Sie lebt von großen Mengen hochwertiger, strukturierter Daten. Genau diese entstehen tagtäglich in den Planungsbüros. Damit wächst ihr Wert – nicht nur für die Planung selbst, sondern auch für neue digitale Geschäftsmodelle. Deshalb beginnen viele Büros, ihre Projektdaten mit anderen Augen zu betrachten: nicht mehr nur als Arbeitsgrundlage eines einzelnen Projekts, sondern als Ressource, deren Nutzung langfristig über Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit entscheiden kann.

Die ARKO soll die digitale Selbstbestimmung des Berufsstands sichern und durch transparente, standardisierte Datenstrukturen die Qualität des digitalen Planens und Bauens stärken.

Dr. Martin Kraushaar

Hauptgeschäftsführer der AKH

Die Idee hinter ARKO

Vor diesem Hintergrund entstand die Architekturkooperative ARKO. Ihr Ziel ist weder eine neue CAD-Software noch ein weiteres geschlossenes Ökosystem. Die Genossenschaft setzt an einer anderen Stelle an: Sie will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Berufsstand seine Daten künftig selbst organisieren, verwalten und nach eigenen Regeln nutzen kann. Dazu gehören offene Austauschformate, gemeinsame Datenstandards und eine Infrastruktur, die unterschiedliche Softwarelösungen miteinander verbindet, statt neue Abhängigkeiten zu schaffen. Ziel ist, dass Daten auch dann nutzbar bleiben, wenn Projekte, Büros oder Anwendungen wechseln.

Entscheidend ist dabei weniger die Technik als die Organisationsform. ARKO wurde bewusst als Genossenschaft gegründet. Die Mitglieder sollen nicht nur Anwender der Plattform sein, sondern auch über ihre Weiterentwicklung mitentscheiden. Zugleich übernimmt die Genossenschaft die Rolle eines Datentreuhänders: Sie sammelt die Daten nicht selbst, sondern schafft den organisatorischen und technischen Rahmen für ihre sichere Verwaltung und kontrollierte Nutzung. Die Daten bleiben bei ihren Eigentümerinnen und Eigentümern. Standards, Datenmodelle und Regeln für den Datenaustausch werden nicht in den Entwicklungsabteilungen eines Softwareunternehmens erstellt, sondern gemeinsam aus dem Berufsstand heraus entwickelt. Datensouveränität bedeutet somit nicht, Informationen abzuschotten, sondern selbst darüber zu entscheiden, wann, mit wem und zu welchem Zweck sie geteilt werden.

Digitale Souveränität braucht gemeinschaftliche Organisation.

Dr. Ben Brix

Architekt

Für freie Berufe berührt das einen zentralen Punkt ihres Selbstverständnisses. Architekt:innen übernehmen Verantwortung für ihre Planung und beraten unabhängig. Diese Unabhängigkeit endet nicht, wenn die Planung digital wird. Auch im Umgang mit Daten stellt sich die Frage, wer über die entsprechenden fachlichen Grundlagen verfügt, wer ihre Nutzung bestimmt und wer daraus künftig wirtschaftlichen Nutzen zieht. Mit der Gründung ist dafür nun der organisatorische Rahmen geschaffen. In den kommenden Monaten geht es darum, Standards zu entwickeln, die technische Plattform aufzubauen und die ersten Anwendungen auf den Weg zu bringen. Vieles davon wird Zeit brauchen. Die grundlegende Frage bleibt jedoch schon heute aktuell: Wer die digitale Infrastruktur des Planens gestaltet, prägt auch die Spielregeln des Berufsstands der Zukunft. Mit ARKO wird dieser Gestaltungsraum mitgestaltet. 

ARKO auf einen Blick

Was ist ARKO?

Eine bundesweite Genossenschaft für Architekturschaffende und Ingenieure. Sie entwickelt eine gemeinsame digitale Dateninfrastruktur für Architektur-, Innenarchitektur-, Landschaftsarchitektur- und Stadtplanungsbüros.

Warum wurde ARKO gegründet?

Um Planungsdaten langfristig in der Hand des Berufsstands zu halten und ihre sichere, herstellerübergreifende Nutzung zu ermöglichen.

Was entsteht?

Keine neue CAD- oder BIM-Software, sondern eine Plattform für den sicheren Datenaustausch, offene Austauschformate, gemeinsame Datenstandards und künftige digitale Anwendungen.

Wer steht dahinter?

Die Genossenschaft wurde von 84 ordentlichen und 14 investierenden Mitgliedern gegründet. Sie wird von allen 16 Architektenkammern der Länder unterstützt und als gemeinsame Initiative des Berufsstands aufgebaut.

Wie funktioniert das?

ARKO ist als Genossenschaft organisiert. Die Mitglieder entscheiden über die Weiterentwicklung und die Regeln der gemeinsamen Infrastruktur.

Wem gehören die Daten?

Den Mitgliedern. ARKO versteht sich als treuhänderisch organisierte Infrastruktur; Nutzung und Freigabe der Daten bleiben unter der Kontrolle ihrer Eigentümer.

Wie ist der Zeitplan?

Nach der Gründung am 24. Juni 2026 ist die Aufnahme des Betriebs zum 1. Quartalswechsel im Jahr 2027 vorgesehen. Mehr Informationen zur Roadmap: arko-ge.de

Was ist der Initiativbericht des EU-Parlaments?

Der Initiativbericht fordert neue Regeln für das Training generativer KI mit urheberrechtlich geschützten Inhalten. Ziel sind mehr Transparenz, faire Lizenzmodelle und ein wirksamer Schutz geistigen Eigentums.


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026.

© Florian Holzherr

Eva Maria Herrmann

Redaktionsleitung DAB

Eva Maria Herrmann ist Dipl.-Ing. Architektin und freie Journalistin. Architekturstudium in Darmstadt und Graz. 2005 Gründung des Büros für Architekturkommunikation mit dem Schwerpunkt Vermittlung von Baukultur. Veröffentlichungen, Redaktion, Moderationen, Vorträge, Workshops und Ausstellungen zu allen Themen der Baukultur. 2023-2025 Studium Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg mit dem Abschluss MBA Sustainability Management. Seit 1.1.2026 Redaktionsleitung des Deutschen Architekt:innenblatt DAB.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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