Neues aus der Normung: Novelle der DIN zum BBQ-Konzept
Im Herbst 2025 diskutierte eine Fachkonferenz der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau das BBQ-Konzept nach DIN 1045-1000 und seine Folgen für die Praxis. Dipl.-Ing. Univ. Jutta Heinkelmann ordnet ein.
Neues zum BBQ-Konzept? Aber es geht nicht ums Grillen – sondern um Betonbauarbeiten! Zur Qualitätssicherung bei Arbeiten im Betonbau wurde ein spezielles Konzept zu „BetonBauQualitätsklassen“, kurz BBQ-Konzept, entwickelt. Es ist Gegenstand der zum August 2023 novellierten Normenreihe der DIN 1045 „Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton“.
Das BBQ-Konzept findet sich in dem übergeordneten Teil DIN 1045-1000 „Grundlagen und Betonbauqualitätsklassen (BBQ)“. Wesentliche Inhalte sind die Klassifizierung von Qualitätsansprüchen in Abhängigkeit von der Art der Baumaßnahme. Die technischen Festlegungen werden ergänzt mit Vorschriften zur Kommunikation unter allen Baubeteiligten.
Einordnung des BBQ-Konzepts in die DIN 1045
Die BBQ-Klassen richten sich nach der Nutzung, den Einwirkungen, der Konstruktion, den Materialien und den Bauverfahren. Die Anforderungsniveaus werden unterteilt in ein „normales“ (BBQ-N), ein „erhöhtes“ (BBQ-E) und ein „speziell festzulegendes“ (BBQ-S) Niveau. Ergänzend werden noch weitere Planungs-, Beton- und Ausführungsklassen festgelegt. Abhängig von der Klassifizierung wird für die Planungs- und Ausführungsphasen einschnittstellenübergreifendes BBQ-Konzept erstellt. Es beinhaltet Festlegungen für die Planung, die Betonherstellung sowie zum Einbau und zur Nachbehandlung.
Ist ein Vorhaben der BBQ-Niveau E oder S zugeordnet, und das kann bereits bei einem Einfamilienhaus der Fall sein, soll nach dem Willen der Normengeber der gesamte Planungs- und Ausführungsprozess u. a. von sogenannten „Betonfachgesprächen“ flankiert werden. In diesen zu dokumentierenden Gesprächen werden u. a. die Zuständigkeiten zwischen Bauherren, Objektplanern, Tragwerksplanern, fachkundigen Personen, Bauleitern des Unternehmens und dem Betonhersteller jeweils schnittstellenabgestimmt festgelegt. Wie diese Kommunikation und Dokumentation vonstattengehen soll, ist in den Abschnitten 4 und 5 der DIN 1045-1000 sowie in deren Anhang beschrieben.
Neue Kommunikations- und Dokumentationsanforderungen
Wie in allen Bundesländern sind auch in Bayern die Normenteile DIN 1045-1, -2, -3, -4, -100 und eben -1000 mit Datum 2023-08 als Technische Baubestimmungen eingeführt worden. Eingeführt sind jedoch nur die bautechnischen Inhalte, nicht aber die Ausführungen zur qualitätssichernden Kommunikations- und Dokumentationsstrategie, vgl. BayTB Anlage A 1.2.3/1 Nr. 7.
Was heißt das nun für die Praxis?
Werden die in der DIN 1045 definierten technischen Anforderungen und Vorgaben für den Betonbau umgesetzt, so können die Beteiligten davon ausgehen, dass die bauordnungsrechtlichen Mindestanforderungen erfülltsind. Wie aber miteinander kommuniziert wird und wie der Planungs- und Bauablauf dokumentiert werden, überlässt das Bauministerium den an Planung und Bau Beteiligten.
Alle sind sich einig, dass die Planungs- und Bauprozesse schlanker, schneller und transparenter werden müssen. Ob die in der Norm genannten neuen Kommunikationspraktiken ein Beitrag hierzu sind, kann bezweifeltwerden. Schon jetzt werden Lehrgänge für die in der Norm neu geschaffenen Funktionen „Fachkundige Personen“ und „BBQ-Koordinator“ angeboten.
Kritik und Befürchtungen aus der Praxis
Aber es gibt noch eine andere Befürchtung! Auch wenn die Kommunikationsstrategie und die Dokumentationsstrategie der DIN 10045 nicht als Technische Baubestimmung eingeführt sind, könnten diese u. U. zivilrechtlichVerbindlichkeit erlangen und der Verzicht darauf als „Mangel“ angesehen werden.
Um diese Entwicklungen einordnen zu können, fand im Oktober 2025 die Fachkonferenz „Baupraktische Handhabung und Umsetzung des BBQ-Konzepts nach DIN 1045-1000“ statt. Initiator war die BayerischeIngenieurekammer-Bau. Kooperationspartner waren die Bayerische Architektenkammer sowie der Landesverband Bayerischer Bauinnungen, der Verband Bauindustrie Bayern und das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. ByAK-Vorstand Rainer Post stellte die Bedeutung des Themas aus Sicht der Architekten und Architektinnen dar.
Fachkonferenz als Plattform zur Einordnung
Ziel der Fachkonferenz war es, über die Auswirkungen der DIN 1045-1000 zu informieren, die Konsequenzen für Bauschaffende zu identifizieren und diese gemeinsam einzuschätzen. Ferner sollte festgestellt werden, ob mit eigenen Schulungsangeboten reagiert werden muss.
Die Beiträge und Diskussionen ließen schnell erkennen, dass die technischen Festlegungen der DIN 1045 grundsätzlich als sinnvoll erachtet werden, auch wenn einige Vorbehalte zu einzelnen Festlegungen sichtbar wurden. Die Festschreibung der Kommunikationsprozesse wurde aber durchgehend negativ gesehen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass allein aus der Tatsache, dass die normierten Kommunikationsprozesse nichtentsprechend dokumentiert wurden, Mängel im Sinne des § 633 BGB abgeleitet werden. Dies hat hohes Streitpotenzial. Dass die vorgeschlagenen Neuerungen die Bürokratie am Bau mehren werden, darüber besteht Einigkeit.
Das Plenum hielt eine Überarbeitung der Norm für erforderlich. Wesentliche Punkte dabei seien die Herausnahme der Regelungen zur Kommunikation und Dokumentation sowie die Anpassung der Qualitätsklassen, insbesondere bei den Bauteilen für den allgemeinen Hochbau.