Internationale Bauausstellung: Was kann dieses Format heute noch leisten?
Das Format der Internationalen Bauausstellung IBA ist vielen vertraut. Offen bleibt jedoch die zentrale Frage, was eine IBA heute leistet: Schafft sie selbst Innovation – oder verstärkt sie Entwicklungen, die sowieso andernorts schon entstehen?
Die IBA ist kein neues Instrument. Ihr Anspruch hat sich jedoch mehrfach verändert: von der architektonischen Leistungsschau (1901–1957) über die stadträumliche und regionale Erneuerung (1957–1979) – exemplarisch etwa bei der IBA Emscher Park – hin zu einem Format, das heute unter deutlich komplexeren Bedingungen arbeiten muss. Unabhängig von diesem Wandel ist die IBA bis heute ein zeitlich begrenztes Sonderformat der Stadt- und Regionalentwicklung. Sie schafft einen Ausnahmezustand im Planungsalltag. Eigenständige Organisationen, thematische Zuspitzung und öffentliche Aufmerksamkeit eröffnen Spielräume, die im Regelbetrieb kaum entstehen. Dieses Selbstverständnis zieht sich durch die Geschichte der IBAs und wurde zuletzt im „Memorandum zur Zukunft Internationaler Bauausstellungen des Bundes“ von 2017 präzisiert.
Zwischen Anspruch und Umsetzung
Gleichzeitig benennt das genannte Memorandum eine zentrale Herausforderung: Eine IBA verfügt weder über eigene Umsetzungsmittel noch über formale Entscheidungskompetenz. Sie entscheidet nicht über Projekte und setzt sie auch nicht selbst um. Ihre Aufgabe besteht darin, Themen zu schärfen, Projekte früh zu qualifizieren und Anforderungen an Planung und Umsetzung zu formulieren, an denen sich andere Akteure messen lassen müssen. IBA-Projekte bewegen sich im Rahmen kommunaler Prioritäten, politischer Mehrheiten, Eigentumsfragen und Förderlogiken, doch Blockaden kann sie selbst nur selten auflösen. Auch der Innovationsanspruch bewegt sich in einem Spannungsfeld. Von IBAs wird erwartet, neue Wege aufzuzeigen. Und das, obwohl sie unter realen rechtlichen, finanziellen und politischen Bedingungen arbeiten. Experimente finden nicht im Schutzraum, sondern im laufenden Betrieb statt. Scheitern kann zwar Erkenntnisse liefern, lässt sich politisch jedoch nur begrenzt vermitteln. Im Arbeitsheft „IBA im Wandel“ (BBSR, 2019) wird deshalb gewarnt, den Anspruch einer radikalen Neuerfindung des Formats IBA zu überschätzen. Die Stärke der IBA liege weniger im Erfinden des Neuen als im Sichtbarmachen, Verdichten und Weitertragen innovativer Ansätze.
Wirkung mit Verzögerung
Der ExWoSt-Endbericht „IBA als Katalysator für Exzellenz in der Stadt- und Regionalentwicklung“ aus dem Jahr 2023 beschreibt die IBA in erster Linie als Verstärker bestehender Prozesse. Das unterscheidet den heutigen Anspruch deutlich von den frühen Bauausstellungen, die darauf zielten, architektonische Innovationen sichtbar zu machen und als abgeschlossene Ergebnisse zu präsentieren. Wirksam wird das Format heute dort, wo es Entwicklungen beschleunigt, priorisiert und in einen größeren Zusammenhang stellt. Die Studie versteht IBAs daher als Verstärker, nicht als steuernde Instanzen. Innovation zeigt sich demnach häufiger in Verfahren, Kooperationen und institutionellen Verschiebungen als in einzelnen Bauwerken. Hinzu kommt ein struktureller blinder Fleck, den der Endbericht klar benennt: die Zeit nach der Ausstellung. Mit dem formalen Ende der IBA lösen sich häufig genau jene Strukturen auf, die über Jahre hinweg aufgebaut wurden. Wo IBA-Strukturen über die Ausstellung hinaus wirken, etwa bei der IBA Hamburg oder in Form der Baukulturstiftung nach der IBA Thüringen, gelingt der Übergang der Projekte in den Alltag. Netzwerke bleiben bestehen, Wissen geht nicht verloren. Trotz guter Beispiele bleibt die Post-IBA-Phase – auch aufgrund der strukturellen, organisatorischen und finanziellen Ausstattung der Nachfolgeorganisation – eines der ungelösten Themen des Formats.
Vor diesem Hintergrund ist die IBA weder ein Erfolgsgarant noch ein gescheitertes Großformat. Sie ist ein Arbeitsrahmen mit offenem Ausgang. Hier stellen sich konkrete Fragen: Trägt der Anspruch der Internationalen Bauausstellung auch heute noch? Wo begrenzen Abhängigkeiten ihre Wirkung? Und was bleibt über die Ausstellung hinaus bestehen?
Die IBA’27 StadtRegion Stuttgart und die IBA-M für die Metropolregion München bearbeiten zwar unterschiedliche Themen, deren Erkenntnisse jedoch für die Planungspraxis weit über den jeweiligen regionalen Kontext hinaus relevant sind. Aus diesem Grund greift das DAB die aktuellen Entwicklungen in unregelmäßigen Abständen auf.
2017–2027
IBA’27 StadtRegion Stuttgart
2017–2027
IBA’27 StadtRegion Stuttgart
Mit klugen und mutigen Bauprojekten will die Internationale Bauausstellung zeigen, wie das Zusammenleben, Wohnen und Arbeiten in der Region Stuttgart zukünftig funktioniert.
2024–2034
IBA-M Metropolregion München
2024–2034
IBA-M Metropolregion München
Die IBA-M, Internationale Bauausstellung der Metropolregion München, ist eine IBA der neuen Wege. Mit dem Schwerpunkt Mobilität widmen wir uns den zentralen Fragen unserer Zeit: Wie gestalten wir Lebensräume der Zukunft? Wie werden wir den unterschiedlichen Bedürfnissen im Stadt-Land-Raum gerecht?