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Ein Wochenende öffnet Türen – und den Blick aufs Bauen

Tag der Architektur: Bundesweit sind am letzten Juniwochenende mehr als tausend Projekte zu besichtigen – und man kann erleben, wie vielfältig heute in Deutschland gebaut und weitergebaut wird.

Barbara Hallmann
04.06.2026 3min
Besucher:innen beim Tag der Architektur, die mit ihrem Handy Fotos machen
Mehr als 400.000 Besucher:innen hatten die Architektouren der Bayerischen Architektenkammer in ihrer 30-jährigen Geschichte. Im Jahr 2026 können am letzten Juniwochenende 199 Projekte in ganz Bayern besichtigt werden.
© Ulrich Gebert

Es ist ein wahres Fest der Architektur: Bundesweit sind am letzten Juniwochenende mehr als 1.000 Gebäude und Freiräume zu besichtigen. Sie zeigen, wie vielfältig in Deutschland gebaut und vor allem weitergebaut wird. Der „Tag der Architektur“ versteht sich als ein Format, das das Reale selbst zur Ausstellung macht: Häuser, Höfe, Schulen, Umnutzungen, schon abgeschlossen oder noch in Realisierung – Baustellen im besten Sinne des Wortes. 

Unter unterschiedlichen Namen, mit unterschiedlichen Akzenten, aber einem gemeinsamen Prinzip laden die Architektenkammern in allen Bundesländern dazu ein, Architektur dort zu erleben, wo sie sonst dem Auge des unbeteiligten Beobachters entzogen ist – im Gebrauch oder im noch nicht abgeschlossenen Zustand. Was normalerweise hinter Fassaden verschwindet, wird ein Wochenende lang öffentlich: Räume, die ihrer Funktion gerecht werden müssen und nicht nur für kurze Zeit wirken sollen. Die DAB-Redaktion stellt mehrere Projekte gesondert vor und gibt Raum für Meinungen zum "Tag der Architektur" – im besten Falle entsteht daraus Inspiration für die Planung eigener Touren. 

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Das Spektrum reicht vom umgebauten Einfamilienhaus im Bestand bis zum großmaßstäblichen Quartier, von der behutsamen Sanierung bis zum radikalen Umbau. Dazwischen liegen Schulen, Kitas, Wohnprojekte, Infrastrukturen – und es lohnt an allen Orten ein Blick auf die Frage: Was bedeutet eigentlich „neu“? Vor allem, wenn das Alte noch da ist? Und was vom Neuen werden unsere Nachfahren in 50 oder 100 Jahren erhaltenswert finden? 

Der Reiz liegt weniger im einzelnen Objekt als solchem als vielmehr in der Summe dessen, was zu sehen ist. Da kann man eine Kaserne besichtigen – wie in Leipzig. Oder hinter die Kulissen eines Konzerthauses schauen – wie in Kiel. Architektur wird an diesem Wochenende nicht mit Bildern, Texten und Plänen erklärt, sondern betreten. Türen stehen offen, hier und da knarren bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Bestandsbaus vielleicht Treppen. Damit leistet der Tag der Architektur für das Vermitteln und Verstehen mehr als jedes Hochglanzmagazin. Architektinnen, Architekten und Bauherrschaften führen durch Räume, berichten von Entscheidungen und Kompromissen, von Hindernissen und Erfolgen. 

Modernes Gebäude „Eckbaum“ von anw.architekten mit verschachtelter Fassade
Südöstlich von Stuttgart ist am letzten Juniwochenende das Gebäude „Eckbaum“ von anw.architekten geöffnet – ein Stück Schweden in Kirchheim unter Teck, von der Architektenkammer Baden-Württemberg als „beispielhaft“ ausgezeichnet.
© Thoma Holz

Je nach Bundesland verschiebt sich beim Tag der Architektur der Schwerpunkt: hier Transformation industrieller Landschaften, dort Sanierung von Bestandsbauten im ländlichen Raum, anderswo Neubau in der Innenstadt oder gemeinschaftliche, experimentelle Wohnformen. Wer eine Region konzentriert erkundet, sieht vielleicht eine regionale Handschrift. Wer Grenzen überschreitet, erkennt das größere Muster: ein Land im permanenten Umbau.

Auch viele Architekturbüros laden in ihre Räumlichkeiten ein: Kleine Ateliers und große Büros zeigen, wo und wie sie arbeiten. Besucher und Besucherinnen sehen Modelle, Pläne und Wettbewerbsbeiträge aus nächster Nähe. Architektinnen und Architekten erklären ihre Arbeit und beantworten Fragen direkt vor Ort. So zeigt der Tag der Architektur auch den Weg hin zu dem, was uns täglich umgibt. 

Maschinenzentralstation als ein besonderes Beispiel für Stadtreparatur im UNESCO-Weltkulturerbe Speicherstadt Hamburg
Ebenfalls zu erkunden am Tag der Architektur: die Maschinenzentralstation als ein besonderes Beispiel für Stadtreparatur im UNESCO-Weltkulturerbe Speicherstadt Hamburg, saniert von BIWERMAU Architekten.
© Jochen Stüber

Barbara Hallmann

DAB Redaktion

Nach ihrem Kulturwissenschaftsstudium in Lyon und Weimar ließ sich Barbara Hallmann in der ARD zur Radio- und Fernsehjournalistin ausbilden. Seit knapp 20 Jahren schreibt sie hauptsächlich über Architektur und Design. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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