Ein Wochenende öffnet Türen – und den Blick aufs Bauen
Tag der Architektur: Bundesweit sind am letzten Juniwochenende mehr als tausend Projekte zu besichtigen – und man kann erleben, wie vielfältig heute in Deutschland gebaut und weitergebaut wird.
Es ist ein wahres Fest der Architektur: Bundesweit sind am letzten Juniwochenende mehr als 1.000 Gebäude und Freiräume zu besichtigen. Sie zeigen, wie vielfältig in Deutschland gebaut und vor allem weitergebaut wird. Der „Tag der Architektur“ versteht sich als ein Format, das das Reale selbst zur Ausstellung macht: Häuser, Höfe, Schulen, Umnutzungen, schon abgeschlossen oder noch in Realisierung – Baustellen im besten Sinne des Wortes.
Unter unterschiedlichen Namen, mit unterschiedlichen Akzenten, aber einem gemeinsamen Prinzip laden die Architektenkammern in allen Bundesländern dazu ein, Architektur dort zu erleben, wo sie sonst dem Auge des unbeteiligten Beobachters entzogen ist – im Gebrauch oder im noch nicht abgeschlossenen Zustand. Was normalerweise hinter Fassaden verschwindet, wird ein Wochenende lang öffentlich: Räume, die ihrer Funktion gerecht werden müssen und nicht nur für kurze Zeit wirken sollen. Die DAB-Redaktion stellt mehrere Projekte gesondert vor und gibt Raum für Meinungen zum "Tag der Architektur" – im besten Falle entsteht daraus Inspiration für die Planung eigener Touren.
Das Spektrum reicht vom umgebauten Einfamilienhaus im Bestand bis zum großmaßstäblichen Quartier, von der behutsamen Sanierung bis zum radikalen Umbau. Dazwischen liegen Schulen, Kitas, Wohnprojekte, Infrastrukturen – und es lohnt an allen Orten ein Blick auf die Frage: Was bedeutet eigentlich „neu“? Vor allem, wenn das Alte noch da ist? Und was vom Neuen werden unsere Nachfahren in 50 oder 100 Jahren erhaltenswert finden?
Der Reiz liegt weniger im einzelnen Objekt als solchem als vielmehr in der Summe dessen, was zu sehen ist. Da kann man eine Kaserne besichtigen – wie in Leipzig. Oder hinter die Kulissen eines Konzerthauses schauen – wie in Kiel. Architektur wird an diesem Wochenende nicht mit Bildern, Texten und Plänen erklärt, sondern betreten. Türen stehen offen, hier und da knarren bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Bestandsbaus vielleicht Treppen. Damit leistet der Tag der Architektur für das Vermitteln und Verstehen mehr als jedes Hochglanzmagazin. Architektinnen, Architekten und Bauherrschaften führen durch Räume, berichten von Entscheidungen und Kompromissen, von Hindernissen und Erfolgen.
Je nach Bundesland verschiebt sich beim Tag der Architektur der Schwerpunkt: hier Transformation industrieller Landschaften, dort Sanierung von Bestandsbauten im ländlichen Raum, anderswo Neubau in der Innenstadt oder gemeinschaftliche, experimentelle Wohnformen. Wer eine Region konzentriert erkundet, sieht vielleicht eine regionale Handschrift. Wer Grenzen überschreitet, erkennt das größere Muster: ein Land im permanenten Umbau.
Auch viele Architekturbüros laden in ihre Räumlichkeiten ein: Kleine Ateliers und große Büros zeigen, wo und wie sie arbeiten. Besucher und Besucherinnen sehen Modelle, Pläne und Wettbewerbsbeiträge aus nächster Nähe. Architektinnen und Architekten erklären ihre Arbeit und beantworten Fragen direkt vor Ort. So zeigt der Tag der Architektur auch den Weg hin zu dem, was uns täglich umgibt.
Barbara Hallmann
DAB RedaktionDas könnte Sie auch interessieren
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