Ausstellung zu O.M. Ungers: Architektur aus dem Geist der Idee
Anlässlich des 100. Geburtstags des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers (1926–2007) widmet das Museum für Angewandte Kunst in Köln dem Werk des international einflussreichen Architekten die Ausstellung „O.M. Ungers – Architektur als Idee“.
100. Geburtstag von Oswald Mathias Ungers. Gefeiert und gewürdigt wird der Kölner Architekt zuallererst natürlich in seiner Heimatstadt, seinem wichtigsten Wirkungsort. Im Museum für Angewandte Kunst zu Köln ist Ende Mai eine von Tochter Sophia Ungers und der stellvertretenden Direktorin des Ungers Archivs Anja Sieber-Albers kuratierte Ausstellung (Ausstellungsgestaltung: Bernd Grimm) eröffnet worden unter dem Titel „Architektur als Idee“.
Neben ausgewählten Architekturprojekten aus verschiedenen Epochen präsentiert „Architektur als Idee“ auch einige Designobjekte von der Hand des Architekten (von Sitzmöbeln bis zum Teeservice) sowie Werke der zeitgenössischen Kunst aus dessen Sammlung und sucht derart, das Werk Oswald Mathias Ungers’ als Gesamtkunstwerk in Szene zu setzen. Am eigentlichen Geburtstag, dem 12. Juli, wird rund um die Villa Glashütte in der Eifel (Haus Ungers II) gefeiert, einen ikonischen Bau aus dem Jahr 1998, der unterstreicht, dass der Kern seines baulichen Schaffens im Haus- bzw. Villenbau zu sehen ist, weil hier am reinsten die Idee von Architektur als nach formalen Kriterien beurteilbares künstlerisches Werk in der Tradition der Renaissance zum Tragen kommen konnte.
Gewürdigt wird schließlich auch der Hochschulprofessor Ungers am Ort der Lehre, der Berliner TU, wo Ungers 1963 die Nachfolge von Hans Scharoun antrat. Hier wird am 3. Juli ein Kongress unter dem Titel „Fragen an die Zeit. Architekturtheorie heute“ stattfinden. In der Tat – in einer Zeit, in der ökonomische und ökologische Anforderungen die Arbeit von Architekten und Architektinnen dominieren, erscheint es angebracht, nach der Rolle von Architekturtheorie zu fragen, die Entwurfsfragen beispielsweise auf gesellschaftliche Bedingungen zurückzubeziehen sucht.
Einspruch gegen den Bauwirtschaftsfunktionalismus
Vielleicht wird bei einer solchen Tagung auch dem Umstand nachgegangen, dass in Ungers langem, von den ersten Wohnhäusern in den 1950er-Jahren (die manchmal fast expressionistisch anmuten) bis zu den strengen, dem Quadrat huldigenden Projekten der 1980er-Jahre noch immer manche Fragen der Zuordnung offen sind: Wie viel Postmoderne steckt – Beispiel Frankfurter Messetorhaus – im strengen und flächigen Neorationalismus von Ungers? Auch wenn manchen diese Frage akademisch anmuten mag, so erscheint es doch wichtig, daran zu erinnern, dass der 1926 geborene Ungers (auch Joachim Schürmanns 100. Geburtstag jährt sich übrigens in diesem Jahr zum 100. Mal) zur ersten echten Nachkriegsgeneration gehörte, die die Moderne der Nachkriegszeit nicht mehr wie die Vorgänger nur oder in erster Linie als Befreiung empfanden.
Ungers gehörte zu denjenigen, die Zweifel an dieser zweiten Moderne hegten und mit ihrem Werk Einspruch gegen die zunehmende Tendenz zum Funktionalismus („Bauwirtschaftsfunktionalismus“) erhoben. In O.M. Ungers’ Fall erfolgte dieser durch die Hinwendung zu einem puristischen Klassizismus, die in manchen Fällen zu Bauten von hoher Ausgewogenheit und Eleganz führte, manchmal (wie im Fall der Botschafterresidenz in Washington) eine allzu würdevoll-steife Manier nicht vermied.
Informationen zur Ausstellung
Informationen zur Ausstellung
„O.M. Ungers – Architektur als Idee“
bis 27. September im Museum für Angewandte Kunst Köln
Weitere Informationen gibt es auf der Website des MAKK.
Das Werk als Gesamtkunstwerk lesen
Die Ausstellung in Köln thematisiert solche Fragen nicht explizit. Ihr Anliegen ist es, so die beiden Kuratorinnen im Gespräch, an einigen ausgewählten Projekten zu veranschaulichen, dass Ungers’ Werk – sei es durch Kunst-am-Bau-Arbeiten, sei es durch die Ausstattung mit den eigenen Möbelentwürfen, in einigen Fällen auch durch den hinzugezogenen Landschaftsarchitekten Bernhard Korte (wie im Fall der Villa Glashütte) – am ehesten als ein Gesamtkunstwerk zu begreifen sei. „Wir haben sieben Objekte ausgewählt, bei denen dieser Gedanke besonders sichtbar wird.“ Die Idee des Gesamtkunstwerks sei, so Sophia Ungers, immer das Ziel des Vaters gewesen, auch wenn es aufgrund der Bauherren oder der Bauaufgabe manchmal nicht umsetzbar gewesen sei.
Sanierungsfall im Jubiläumsjahr
Zu dieser Realität gehört allerdings heute auch, dass ausgerechnet im Ungers-Jubiläumsjahr eines seiner Hauptwerke, das 2001 eröffnete Wallraf-Richartz-Museum, für eine Generalsanierung geschlossen wird. An diesem Bau ließe sich im Übrigen zeigen, dass Ungers zumindest in zahlreichen Details durchaus auf den städtischen Kontext Bezug nahm. Zwei Jahre werden die Baumaßnahmen dauern, heißt es in Köln.
Die Kölner Ausstellung zeigt O.M. Ungers als Architekten des konsequent durchkomponierten Gesamtkunstwerks. Zum 100. Geburtstag rückt sie einen Entwerfer in den Fokus, der Architektur, Kunst und Design zu einer eigenständigen Welt verband. Zugleich erinnert das Jubiläum daran, wie aktuell sein theoretischer Einspruch gegen den bloßen Funktionalismus bis heute geblieben ist.
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