Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Ausstellung zu O.M. Ungers: Architektur aus dem Geist der Idee

Anlässlich des 100. Geburtstags des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers (1926–2007) widmet das Museum für Angewandte Kunst in Köln dem Werk des international einflussreichen Architekten die Ausstellung „O.M. Ungers – Architektur als Idee“. 

Frank Maier-Solgk
18.06.2026 6min
"Modernes Backsteingebäude mit Satteldach an einer Straßenecke. Rote Backsteinmauern, Gartenmauer aus Backstein, kahle Bäume. Ein dunkler Quader-Anbau mit verglaster Fassade auf der linken Seite. Klarer Himmel."
O.M. Ungers: Haus Belvederestraße, Köln 1990 © Dieter Leistner

100. Geburtstag von Oswald Mathias Ungers. Gefeiert und gewürdigt wird der Kölner Architekt zuallererst natürlich in seiner Heimatstadt, seinem wichtigsten Wirkungsort. Im Museum für Angewandte Kunst zu Köln ist Ende Mai eine von Tochter Sophia Ungers und der stellvertretenden Direktorin des Ungers Archivs Anja Sieber-Albers kuratierte Ausstellung (Ausstellungsgestaltung: Bernd Grimm) eröffnet worden unter dem Titel „Architektur als Idee“.

Neben ausgewählten Architekturprojekten aus verschiedenen Epochen präsentiert „Architektur als Idee“ auch einige Designobjekte von der Hand des Architekten (von Sitzmöbeln bis zum Teeservice) sowie Werke der zeitgenössischen Kunst aus dessen Sammlung und sucht derart, das Werk Oswald Mathias Ungers’ als Gesamtkunstwerk in Szene zu setzen. Am eigentlichen Geburtstag, dem 12. Juli, wird rund um die Villa Glashütte in der Eifel (Haus Ungers II) gefeiert, einen ikonischen Bau aus dem Jahr 1998, der unterstreicht, dass der Kern seines baulichen Schaffens im Haus- bzw. Villenbau zu sehen ist, weil hier am reinsten die Idee von Architektur als nach formalen Kriterien beurteilbares künstlerisches Werk in der Tradition der Renaissance zum Tragen kommen konnte. 

Gewürdigt wird schließlich auch der Hochschulprofessor Ungers am Ort der Lehre, der Berliner TU, wo Ungers 1963 die Nachfolge von Hans Scharoun antrat. Hier wird am 3. Juli ein Kongress unter dem Titel „Fragen an die Zeit. Architekturtheorie heute“ stattfinden. In der Tat – in einer Zeit, in der ökonomische und ökologische Anforderungen die Arbeit von Architekten und Architektinnen dominieren, erscheint es angebracht, nach der Rolle von Architekturtheorie zu fragen, die Entwurfsfragen beispielsweise auf gesellschaftliche Bedingungen zurückzubeziehen sucht. 

"Weißes quadratisches Betongebäude mit flachem Dach in ländlicher Waldlandschaft. Große rechteckige Fensteröffnungen auf der sichtbaren Seite. Umgeben von Wiesen und dichten grünen Wald. Klarer Himmel mit Wolken."
O.M. Ungers: Haus Glashütte, Eifel 1986–1988 © Stefan Müller

Einspruch gegen den Bauwirtschaftsfunktionalismus

Vielleicht wird bei einer solchen Tagung auch dem Umstand nachgegangen, dass in Ungers langem, von den ersten Wohnhäusern in den 1950er-Jahren (die manchmal fast expressionistisch anmuten) bis zu den strengen, dem Quadrat huldigenden Projekten der 1980er-Jahre noch immer manche Fragen der Zuordnung offen sind: Wie viel Postmoderne steckt – Beispiel Frankfurter Messetorhaus – im strengen und flächigen Neorationalismus von Ungers? Auch wenn manchen diese Frage akademisch anmuten mag, so erscheint es doch wichtig, daran zu erinnern, dass der 1926 geborene Ungers (auch Joachim Schürmanns 100. Geburtstag jährt sich übrigens in diesem Jahr zum 100. Mal) zur ersten echten Nachkriegsgeneration gehörte, die die Moderne der Nachkriegszeit nicht mehr wie die Vorgänger nur oder in erster Linie als Befreiung empfanden. 

Ungers gehörte zu denjenigen, die Zweifel an dieser zweiten Moderne hegten und mit ihrem Werk Einspruch gegen die zunehmende Tendenz zum Funktionalismus („Bauwirtschaftsfunktionalismus“) erhoben. In O.M. Ungers’ Fall erfolgte dieser durch die Hinwendung zu einem puristischen Klassizismus, die in manchen Fällen zu Bauten von hoher Ausgewogenheit und Eleganz führte, manchmal (wie im Fall der Botschafterresidenz in Washington) eine allzu würdevoll-steife Manier nicht vermied.

"Schwarz-Weiß Porträtfoto eines älteren Mannes mit weißem Haar, schwarzer Brille mit rundem Gestell und gestreifter Krawatte. Ernsthafter Blick zur Seite. Heller Hemdkragen sichtbar. Dunkler unscharfer Hintergrund."
Zur Person

Oswald Mathias Ungers

12. Juli 1926 in Kaisersesch (Eifel) geboren. Studium bei Egon Eiermann in Karlsruhe, Diplom 1950. Bürogründung in Köln. Ab 1963 Professor an der TU Berlin, 1969–75 Chairman of Architecture an der Cornell University in Ithaca, New York. 1987 Großer BDA-Preis, 1997 Großes Bundesverdienstkreuz. Gestorben am 30. September 2007 in Köln.

"Moderner Ausstellungsraum mit hochgewölbter Decke und rautenförmigen Oberlichtern in zwei Reihen. Creme-farbene Wände, große dreiteilige Fensterfront mit Ausblick auf herbstliche Vegetation. Vier dekorative Kunstobjekte an den Seitenwänden. Glatte Bodenfliesen mit Mosaikmuster. Zwei schwarze Stühle im Raum."
O.M. Ungers: Residenz des Deutschen Botschafters, Washington, D.C. 1987–1995 © Eduard Hueber / archphoto

Informationen zur Ausstellung

„O.M. Ungers – Architektur als Idee“

bis 27. September im Museum für Angewandte Kunst Köln 

Weitere Informationen gibt es auf der Website des MAKK.

Das Werk als Gesamtkunstwerk lesen

Die Ausstellung in Köln thematisiert solche Fragen nicht explizit. Ihr Anliegen ist es, so die beiden Kuratorinnen im Gespräch, an einigen ausgewählten Projekten zu veranschaulichen, dass Ungers’ Werk – sei es durch Kunst-am-Bau-Arbeiten, sei es durch die Ausstattung mit den eigenen Möbelentwürfen, in einigen Fällen auch durch den hinzugezogenen Landschaftsarchitekten Bernhard Korte (wie im Fall der Villa Glashütte) – am ehesten als ein Gesamtkunstwerk zu begreifen sei. „Wir haben sieben Objekte ausgewählt, bei denen dieser Gedanke besonders sichtbar wird.“ Die Idee des Gesamtkunstwerks sei, so Sophia Ungers, immer das Ziel des Vaters gewesen, auch wenn es aufgrund der Bauherren oder der Bauaufgabe manchmal nicht umsetzbar gewesen sei.

ANZEIGE
ANZEIGE
"Zweigeschossiges modernes Wohnhaus mit schneeweißer Fassade. Symmetrisch angeordnete große Fenster in vier Reihen. Breite gepflasterte Terrasse im Vordergrund. Ein großer knorriger Baum mit ausladendem Ast vor der Hausfassade. Grüner Rasen, umgeben von Hecken. Blauer Himmel."
O.M. Ungers: Haus Ungers II, Köln 1994–1996 © Stefan Müller

Sanierungsfall im Jubiläumsjahr

Zu dieser Realität gehört allerdings heute auch, dass ausgerechnet im Ungers-Jubiläumsjahr eines seiner Hauptwerke, das 2001 eröffnete Wallraf-Richartz-Museum, für eine Generalsanierung geschlossen wird. An diesem Bau ließe sich im Übrigen zeigen, dass Ungers zumindest in zahlreichen Details durchaus auf den städtischen Kontext Bezug nahm. Zwei Jahre werden die Baumaßnahmen dauern, heißt es in Köln.

"Modernes Gebäudeensemble mit Wohn- und Geschäftshäusern. Weißes und graubetontes Hochhaus rechts mit regelmäßigen Fensterreihen. Niedrigeres weißes Gebäude mit großflächig verglaster Fassade links. Grüne Bäume im Vordergrund, gepflasterter öffentlicher Platz. Blauer Himmel."
O.M. Ungers: Konzernzentrale des Energieversorgers E.ON, Düsseldorf, 2000 © Thomas Robbin

Die Kölner Ausstellung zeigt O.M. Ungers als Architekten des konsequent durchkomponierten Gesamtkunstwerks. Zum 100. Geburtstag rückt sie einen Entwerfer in den Fokus, der Architektur, Kunst und Design zu einer eigenständigen Welt verband. Zugleich erinnert das Jubiläum daran, wie aktuell sein theoretischer Einspruch gegen den bloßen Funktionalismus bis heute geblieben ist.

Frank Maier-Solgk

Düsseldorf / München

Frank Maier-Solgk ist von der Gartenkunst auf die Architektur gekommen. Er hat Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie in München und Heidelberg studiert und mit einer Arbeit über den Österreicher Robert Musil promoviert. Nach Tätigkeiten als Berater von Institutionen und Unternehmen im kulturellen Bereich schreibt er seit vielen Jahren für überregionale Tageszeitungen sowie für Kunst- und – natürlich und hauptsächlich für Architekturmagazine.

Für das DAB schreibt Frank Maier-Solgk sowohl überregional als auch für den NRW-Teil. Das Spektrum seiner Themen reicht von Städtebau über Landschaftsarchitektur bis zum zirkulären Bauen. Er hat ferner Lehraufträge über journalistisches Arbeiten in Berlin und Düsseldorf wahrgenommen.

Eigentlich hat sich Frank Maier-Solgks Interesse für Architektur aus einer Leidenschaft für die europäische Gartenkunst entwickelt. Mehrere Bücher zum Beispiel über englische Landschaftsgärten in Deutschland, Renaissancegärten in Italien und französische Gärten in und um Paris sind dazu erschienen. Seine jüngste Publikation behandelt Skulpturengärten und Kunst in grünen Umfeldern („Green Fields“). Er lebt und arbeitet in Düsseldorf sowie gelegentlich in München.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Making of – Das Jahrbuch der Architektenkammer Berlin

Seit fast zwei Jahrzehnten begleitet Louis Back das Jahrbuch der Architektenkammer Berlin als Redakteur. Ein Gespräch über Baukultur, Teamarbeit und den Wert eines Buchs im digitalen Zeitalter. 

Meldungen Berlin
27.03.2026
U-Bahnhofsschild „Uhlandstraße“ an einer historischen Wand.

Next Stop – Architektur Galerie Berlin

Kann Verkehrsinfrastruktur mehr sein als nur Technik? Und welche Rolle spielt Architektur dabei, Mobilität als räumliche, kulturelle und gesellschaftliche Aufgabe neu zu denken?

Meldungen Bundesweit
15.01.2026

Spatial AI macht Architektur zum aktiven Kommunikationsmedium

Sensorik, Daten, Algorithmen: In der Szenografie übernimmt künstliche Intelligenz die Regie und verwandelt Ausstellungen in Resonanzräume, die Wissen körperlich erfahrbar machen. 

Büropraxis Bundesweit
11.06.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.