DABonline | Deutsches Architektenblatt
Menü schließen

Rubriken

Services

Menü schließen

Rubriken

Services

Zurück
[ Empirische Daten ]

Holzbau und Massivbau im Vergleich: Beispiel Kindergärten

Holzbau oder Massivbau, was ist bei der gleichen Bauaufgabe flächensparsamer, günstiger und schneller? Die vom BKI gesammelten Daten realisierter Projekte erlauben einen fundierten Vergleich

Kita mit gelben Treppen und Holzfassade
Diese Kita von werk.um architekten im Landkreis Bergstraße wurde als Holzbau errichtet. Foto: Thomas Ott

Von Wolfdietrich Kalusche

Die Datenbanken des Baukosteninformationszentrums Deutscher Architektenkammern (BKI) umfassen mehrere tausend abgerechnete Objekte. Das erlaubt es, für bestimmte Bauaufgaben verschiedene Konstruktionsweisen im Hinblick auf Bauzeiten oder Baukosten zu vergleichen. So können zum Beispiel ausgewählte Eigenschaften des Holzbaus gegenüber dem weit verbreiteten Massivbau (Beton, Mauerwerk) fundiert dargestellt werden. Grundlage hierfür sind ausschließlich die zur Verfügung stehenden BKI-Objektdaten und -beschreibungen. Der Vergleich wurde an einer Gebäudeart durchgeführt, für die zahlreiche Vergleichsobjekte zur Verfügung stehen: nicht unterkellerte Kindergärten.

1. Anteile von Holz, Mauerwerk, Beton (und Stahl) an den Kosten des Tragwerks

Die am häufigsten verwendeten Baustoffe für die Herstellung von Tragwerken sind Mauerwerk, Beton, Holz und Stahl. In Bezug auf die Konstruktionsweise werden Massivbau (Mauerwerk und Beton), Holzbau und Stahlbau unterschieden. Bei der Leistungsbeschreibung werden die entsprechenden Leistungspositionen nach dem Standardleistungsbuch im Bauwesen (STLB-Bau) in Leistungsbereiche (LB) unterschieden: Mauerarbeiten (LB 012), Betonarbeiten (LB 013), Zimmer- und Holzbauarbeiten (LB 016) sowie Stahlbauarbeiten (LB 017).

Viele Kindergartengebäude sind herkömmliche Massivbauten, in den letzten Jahren aber auch vermehrt Holzbauten. Unabhängig davon besteht fast jedes Bauwerk zu einem Teil aus Beton, dabei handelt es sich um Kellerwände, Bodenplatten und Fundamente. Das gilt auch für Holz- und Stahlbauten. Andererseits bestehen Dachtragwerke, auch die von Massivbauten, aus Holz. Insofern bestehen Tragwerke – erst recht Gebäude – nur in Ausnahmefällen aus nur einem einzigen Material. Damit stellt sich die Frage: Wie groß ist der Anteil von Holz bei einem Gebäude, das als Holzbau bezeichnetet werden kann? Dabei konzentriert sich der Vergleich des Tragwerks im engeren Sinne auf die genannten Leistungsbereiche (LB).

Tabelle Vergleich Holzbau mit Massivbau
Tabelle 1: Kindergärten, Holzbau, nicht unterkellert, 39 Vergleichsobjekte. Aus: BKI, Baukosten Gebäude Neubau 2022. Statistische Kostenkennwerte, S. 284
Tabelle Vergleich Holzbau mit Massivbau
Tabelle 2: Kindergärten, Massivbau, nicht unterkellert, mittlerer Standard, 52 Vergleichsobjekte. Aus: BKI, Baukosten Gebäude Neubau 2022. Statistische Kostenkennwerte, S. 256

Bei den untersuchten Objekten sind die Anteile von Holz sowie Mauerwerk und Beton am Tragwerk sehr unterschiedlich. Elemente des Stahlbaus machen einen sehr geringen Teil aus. Stahlbauten kommen in der Datensammlung bisher nicht vor. Der Anteil der Zimmer- und Holzbauarbeiten an den Tragwerkskosten beträgt bei den Holzbauten im Mittel rund 82 Prozent. Den anderen Teil, vor allem Bodenplatten beziehungsweise Fundamente machen Betonarbeiten aus. Der Kostenanteil der Zimmer- und Holzbauarbeiten liegt bei der Mehrzahl der Kindergärten als Massivbau (mittlerer Standard) durchschnittlich etwas über 30 Prozent. Das trifft im Übrigen auch auf nicht unterkellerte Kindergärten mit hohem Standard zu. Bei gleicher Gebäudeart mit einfachem Standard beträgt der Anteil rund 50 Prozent. Die Anzahl solcher Objekte ist allerdings gering.

2. Anteil der Konstruktions-Grundfläche an der Brutto-Grundfläche

Die Flächenwirtschaftlichkeit kann sich im Bauwesen zum einen auf die Bebauung und zum anderen auf ein Gebäude beziehen. Bei der Flächenwirtschaftlichkeit einer Bebauung geht es um die möglichst hohe Ausnutzung eines Grundstücks.

Die Flächenwirtschaftlichkeit eines Gebäudes hat das Verhältnis von deren Grundflächen zum Gegenstand. Grundlagen der Ermittlungen sind die DIN 277:2021-08 „Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau“.

Es gibt bei Gebäuden zahlreiche Einflüsse, die auf die Flächenwirtschaftlichkeit wirken. Dazu zählen die Geometrie des Baukörpers, die Nutzung, das Raumkonzept, die Anzahl und Anordnung der Geschosse, der Standard des Gebäudes oder dessen Konstruktion. Die Flächenwirtschaftlichkeit der Konstruktion kann über das Verhältnis Konstruktions-Grundfläche (KGF) zur Brutto-Grundfläche (BGF) ermittelt und in Prozent aufgezeigt werden.

Je kleiner der Anteil der Konstruktions-Grundfläche ausfällt, desto größer ist die Netto-Raumfläche (NRF) des Gebäudes und damit die Flächenwirtschaftlichkeit. Die Netto-Raumfläche wird weiter in die Nutzungsfläche (NUF), die Verkehrsfläche (VF) und die Technikfläche (TF) aufgeteilt. Während die Nutzungsfläche in Form des Raumprogramms vom Auftraggebenden vorgegeben wird, resultieren die sonstigen Grundflächen aus dem Entwurf.

Tabelle Vergleich Holzbau mit Massivbau
Tabelle 3: Verhältnis von Konstruktions-Grundfläche (KGF) zu Brutto-Grundfläche (BGF) in Prozent. Aus: BKI, Baukosten Gebäude Neubau 2022. Statistische Kostenkennwerte, S. 249-285

Für nicht unterkellerte Kindergärten kann festgestellt werden: Die geringsten KGF/BGF-Kennwerte sind bei nicht unterkellerten Kindergärten mit Werten im Mittel von rund 14 bis 16 Prozent anzutreffen. Ursächlich ist hierbei vermutlich die Nutzung als Kindergarten mit eher größeren Räumen im Vergleich zu Wohngebäuden. Dabei liegen die Holzbauten im unteren Bereich neben Massivbauten mit einfachem Standard. Ein einzelner Holzbau kommt sogar mit nur rund 12 Prozent aus.

Untersuchungen unter Berücksichtigung weiterer Gebäudearten zeigen, dass Holzbauten im Allgemeinen eine etwas geringere Konstruktions-Grundfläche als Massivbauten benötigen. KGF/BGF-Kennwerte unter 20 Prozent sollten immer erreicht werden können, auch geringere Werte sind auf jeden Fall möglich.

3. Bauwerkskosten bezogen auf die Brutto-Grundfläche

Unter Bauwerkskosten (BWK) sind die Kosten zu verstehen, die „sich als Summe der Kostengruppen 300 und 400 ergeben.“ (vgl. DIN 276:2018-12, S. 6) Die Brutto-Grundfläche (BGF) ist die „Gesamtheit der Grundflächen aller Geschosse oder eines Teilbereichs des Bauwerks, die sich in Netto-Raumfläche (NRF) und Konstruktions-Grundfläche (KGF) gliedert.“ (vgl. DIN 277:2021-08, S. 4) Das Verhältnis der Bauwerkskosten zur Brutto-Grundfläche zählt zu den ältesten Kostenkennwerten in der Geschichte der Kostenplanung. Entsprechende Kostenkennwerte (KKW) stehen in der BKI-Datensammlung für alle Gebäudearten zur Verfügung. Sie sind für den Kostenvergleich im Vorfeld der Objektplanung gut geeignet.

Es lassen sich durch den Vergleich der Kostenkennwerte von Holzbauten und Massivbauten Unterschiede in der Kostenwirtschaftlichkeit (Kostenkennwerte Euro/m² BGF) erkennen.

Tabelle Vergleich Holzbau mit Massivbau
Tabelle 4: Verhältnis von Bauwerkskosten (BWK) zu Brutto-Grundfläche (BGF) in €/m². Kostenstand indexiert auf 3. Quartal 2022, Bundesdurchschnitt, inkl. MwSt. Aus: BKI, Baukosten Gebäude Neubau 2022. Statistische Kostenkennwerte, S. 246-282

Der Vergleich der Kostenkennwerte zeigt, dass bei nicht unterkellerten Kindergärten die Bauwerkskosten der Holzbauten rund neun Prozent höher sind als bei den Massivbauten. Auch bei anderen Gebäudearten, zum Beispiel Ein- und Zweifamilienhäusern, unterkellert oder nicht unterkellert, sind es rund zehn Prozent und bei Ein- und Zweifamilienhäusern mit Passivhausstandard sind es rund sechs Prozent höhere Kosten als bei Massivbauten.

4. Vergleich der Bauzeiten von Holzbau und Massivbau

Das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) dokumentiert seit über 20 Jahren nicht nur Kosten- und Planungskennwerte, sondern auch Bauzeiten unterschiedlichster Objekte.

Unter einer Bauzeit wird die Dauer vom Beginn der Bauausführung bis zur Abnahme und Übergabe eines Objekts verstanden. Schon die ersten Vergleiche von Gebäudearten im Jahr 2020 haben deutlich gemacht, dass die Bauzeiten von Holzbauten sehr kurz sein können beziehungsweise im Mittel kürzer als die der Massivbauten sind. Die kürzeren Bauzeiten der Holzbauten sind nicht nur bei den in diesem Jahr untersuchten Kindergärten, sondern auch bei anderen Gebäudearten festzustellen.

Tabelle Vergleich Holzbau mit Massivbau
Tabelle 5: Bauzeiten von Holzbauten und Massivbauten in Wochen. Aus: BKI, Baukosten Gebäude Neubau 2022. Statistische Kostenkennwerte, S. 249, 257, 285

Die Planungs- und Bauzeit (Projektdauer) eines Bauvorhabens hat einen Einfluss auf die Kosten der Finanzierung: „Kosten, die im Zusammenhang mit der Finanzierung des Bauprojekts bis zum Beginn der Nutzung anfallen“ (KG 800 nach DIN 276:2018-12, S. 35). Diese ergeben sich aus der Kapitalbindung, zum Beispiel im Grundstück, in den Planungs- und Bauleistungen, dem Zinssatz für die Bereitstellung des Kapitals und der Dauer der Kapitalbildung. Wird die Bauzeit verkürzt, etwa durch das Bauen mit Holz, verringern sich damit die Finanzierungskosten.

Zusammenfassung: Holzbau und Massivbau im Vergleich

  • Anteile von Holz, Mauerwerk, Beton (und Stahl) an den Kosten des Tragwerks: Die Zimmer- und Holzbauarbeiten (LB 016) machen bei den Holzbauten im Mittel 82 Prozent der Kosten des Tragwerks aus. Bei den Massivbauten – Kindergärten, nicht unterkellert, mittlerer Standard – betragen die Anteile von Holz an den Tragwerkskosten im Mittel 30 Prozent.
  • Anteil der Konstruktions-Grundfläche an der Brutto-Grundfläche: Die Konstruktions-Grundflächen von Holzbauten sind im Vergleich mit den Massivbauten oft gleich oder nur ein bis zwei Prozent geringer und damit die Flächenwirtschaftlichkeit geringfügig höher.
  • Bauwerkskosten bezogen auf die Brutto-Grundfläche: Die Mittelwerte der Bauwerkskosten von Holzbauten liegen über denen der Massivbauten mit einfachem Standard, jedoch deutlich unter denen mit hohem Standard. Insgesamt sind die untersuchten Holzbauten rund sechs Prozent teurer als Massivbauten. Da die Bauwerkskosten oft nur 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten (GK 100-800 nach DIN 276) ausmachen, halbieren sich die Unterschiede in Bezug auf die Investition.
  • Vergleich der Bauzeiten: Die Verkürzung der Bauzeit beträgt bei nicht unterkellerten Kindergärten im Mittel rund 16 Wochen. Damit beträgt die Bauzeit der Holzbauten rund 72 Prozent der Bauzeit von Massivbauten.

Cover Buch Objektdaten Holzbau
Foto: BKI

Ausblick

Seit dem Sommer 2022 wird die Konstruktionsweise des Holzbaus neu unterschieden. Der Gliederung folgend, zählen zwei Drittel der dokumentierten Holzbauten zur Kategorie Holzrahmenbau. Vergleichsweise wenige Vergleichsobjekte zählen zum Holzskelettbau, Holztafelbau, Massivholzbau oder zum Holzmodulbau. Sobald die erforderlichen Vergleichsobjekte vorliegen, soll der Einfluss der Konstruktionsweise auf die Grundflächen, die Bauwerkskosten und vor allem die Bauzeiten vom BKI vertieft untersucht werden.

Untersuchungen zu weiteren Gebäudearten, zum Beispiel Mehrfamilienhäuser, Büro- und Verwaltungsgebäude, Sportbauten oder Gewerbegebäude, sind vom BKI beabsichtigt, sobald die erforderlichen Daten zur Verfügung stehen. Ergebnisse zu Ein- und Zweifamilienhäusern liegen bereits im BKI Sonderband S4 Holzbau vor, der Ende November 2022 erstmals erschienen ist.

Literatur zu Baukosten, Grundflächen und Terminplanung

  • BKI (Hrsg.): Baukosten Gebäude Neubau 2022. Statistische Kostenkennwerte. Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern, Stuttgart 2022
  • DIN 276:2018-12, Kosten im Bauwesen
  • DIN 277:2021-08, Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau
  • Kalusche, Wolfdietrich: Vergleich Holzbau und Massivbau – Grundflächen, Bauwerkskosten, Bauzeiten. In: BKI (Hrsg.): Objektdaten S4 – Sonderband Holzbau. Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern, Stuttgart 2022, S. 77-106
  • Kalusche, Wolfdietrich (Hrsg.): BKI Handbuch Terminplanung für Architekten. Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern, Stuttgart 2020

Prof. (em.) Dr.-Ing. Wolfdietrich Kalusche ist Architekt und Diplom-Wirtschaftsingenieur und Mitglied im BKI-Beirat

3 Gedanken zu „Holzbau und Massivbau im Vergleich: Beispiel Kindergärten

  1. Danke für den inormationsreichen Artikel !
    Er könnte noch ergänzt werden mit den Themen
    Brandschutz, Wiederherstellungskosten nach einem Brandschaden

    Horst Hilke

    Antworten
  2. Ich beziehe mich auf den letzten Satz, Vergleich der Bauzeiten.
    Wenn ich den Holzbau mit dem Massivbau mittleren Standards vergleiche, komme ich auf 60% – 76% (Bauzeit Holzbau zu Bauzeit Massivbau). Warum steht in der Zusammenfassung 85%?

    Antworten
    • Sehr geehrte Leserin,
      vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und den wichtigen Hinweis. Bedauerlicherweise ist uns hier tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Im Mittel benötigt der Holzbau 72 % der Bauzeit eines Massivbaus (nicht 85 %). Wir haben den Fehler im Text korrigiert.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Sie wollen schon gehen?

Bleiben Sie informiert mit dem DABnewsletter und lesen Sie alle zwei Wochen das Wichtigste aus Architektur, Bautechnik und Baurecht.

Wir nutzen die von Ihnen angegebenen Daten sowie Ihre E-Mail Adresse, um Ihnen die von Ihnen ausgewählten Newsletter zuzusenden. Dies setzt Ihre Einwilligung voraus, die wir über eine Bestätigungs-E-Mail noch einmal abfragen. Sie können den Bezug des Newsletters jederzeit unter dem Abmeldelink im Newsletter kostenfrei abbestellen. Nähere Angaben zum Umgang mit Ihren personenbezogenen Daten und zu Ihren Rechten finden Sie hier.
Anzeige