Während KI-Anwendungen digitale Perfektion zur Massenware machen, könnte ausgerechnet menschliches Scheitern, Irren und Abweichen zum wertvollsten Rohstoff der Zukunft werden.
Künstliche Intelligenz – die neue Normalität am Bau?
Wer im März dieses Jahres durch die Gänge der digitalBAU 2026 lief, konnte es spüren: Der Staub von Skepsis und Unwissenheit hatte sich gelegt: Erschien die künstliche Intelligenz (KI) noch vor zwei Jahren wie ein vages Versprechen aus dem Silicon Valley – das in den deutschen Architekturbüros eher Stirnrunzeln denn Begeisterung auslöste –, ist sie längst zum Bestandteil in der Wertschöpfungskette Bau gereift. Wenn auch mit Einschränkungen. Denn nicht jeder Prozess, der sich vollmundig mal eben mit KI-Tools automatisieren lassen sollte, ist dies bereits. Wir blicken dennoch nicht mehr nur in eine trübe, magische Glaskugel und erraten die Zukunft – wir programmieren sie bereits. Denn irgendwie prompten kann jede oder jeder von uns!
"KI ist weder Heilsversprechen noch existenzielle Bedrohung. Sie ist ein Strukturverstärker."
Christoph Wagener studierte Architektur sowie Wirtschaftswissenschaften. Als Architekt AKBW SIA und promovierter Ökonom verbindet er gestalterische, technische und ökonomische Perspektiven. In seinem Beitrag erklärt er, wie sich KI in der Architektur zwischen Werkzeug, Wettbewerbsfaktor und Systembruch bewegt.
Künstliche Intelligenz im Architekturbüro: Warum Abwarten die teuerste Option ist
29 %. Nicht einmal jeder dritte Architekt und jede dritte Architektin in Deutschland nutzt heute KI-Tools im Büroalltag – und die meisten davon befinden sich noch in der Erprobungsphase. Das ergab die Architektenbefragung 2025 der Bundesarchitektenkammer, an der sich über 15.600 Kammermitglieder beteiligten. Gleichzeitig wünschen sich 77 % der Befragten Fortbildungsangebote zum Thema. Der Wille ist da. Was fehlt, ist Orientierung.