Brauchen wir das Büro noch?
Deutscher Innenarchitektur-Preis 2026: Zwischen historischem Bestand und experimenteller Pilotfläche zeigen zwei nominierte Projekte, wie unterschiedlich Innenarchitektur auf diese Frage antworten kann.
Die Arbeitswelt verändert sich und mit ihr der Arbeitsplatz: Hybride Arbeitsmodelle, flexible Arbeitszeiten und neue Formen der Zusammenarbeit verändern die Anforderungen an Büros. Sie dienen längst nicht mehr ausschließlich dem konzentrierten Arbeiten, sondern werden zunehmend zu Orten für Begegnung, Austausch und gemeinsame Ideenfindung. Gleichzeitig gilt es, bestehende Gebäude an diese veränderten Bedürfnisse anzupassen.
Wie kann Innenarchitektur diesen Wandel unterstützen? Welche räumlichen Konzepte fördern Zusammenarbeit, Orientierung und flexible Nutzung? Zwei der nominierten Projekte des Deutschen Innenarchitektur-Preises 2026 geben darauf unterschiedliche Antworten. Während eines den historischen Bestand in einen Creative Workspace transformiert, versteht das andere Arbeitsräume als Experimentierfeld für die Verwaltung der Zukunft.
Historische Wirkung trifft auf Creative Workspace
In einem denkmalgeschützten Stadtpalais mitten in München entstand ein Creative Workspace, der historische Bausubstanz mit zukunftsorientiertem Arbeiten verbindet. Die Herausforderung bestand darin, den historischen Saal als Herzstück des Gebäudes in seiner räumlichen Wirkung zu erhalten und zugleich für neue Nutzungen zu öffnen.
Statt tiefgreifender Eingriffe setzt das Konzept auf eine sensible Transformation. Historische Details bleiben sichtbar, während Möblierung und Lichtführung den Saal als multifunktionalen Arbeits- und Veranstaltungsraum neu interpretieren. Ergänzend entstanden Bibliothek, Archiv, Küche und ein Ausstellungsdepot. Mit Materialien wie Edelstahl, Holz und Naturtapeten heben sich diese Bereiche bewusst vom historischen Bestand ab und schaffen eine klare Orientierung zwischen Alt und Neu. Der Erhalt der vorhandenen Bausubstanz bildet zugleich die Grundlage des nachhaltigen Entwurfs.
Ort: München
Bauherr: privat
Innenarchitektur: Julia Schneider / iam interior.architects.munich
Fertigstellung: Februar 2025
Im Dialog zum Bürgeramt der Zukunft
Einen anderen Ansatz zeigt die Entwicklung einer Arbeits-Pilotfläche für das Landratsamt Freising. In der denkmalgeschützten Stabskaserne soll auf rund 500 qm eine Test-Arbeitsfläche entstehen, in der prozessorientiertes Arbeiten erprobt wird. Nach der Projektauswertung könne das Konzept als Beispiel für zukünftige Neubauten dienen. Alle sechs Monate rotieren die Abteilungen durch verschiedene Test- und Experimentierfelder. Feedbackworkshops begleiten jede Phase und fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung der Arbeitsprozesse ein. Dabei steht der Mensch im Mittelpunkt der räumlichen Gestaltung. Die multifunktionalen, geschwungenen Möbelelemente im Mäandersystem sind farblich an verschiedenen Hauttönen orientiert und sollen so Bürgernähe vermitteln. Nach der Projektphase können die Elemente in öffentlichen Einrichtungen, Schulen und Kindergärten weiterverwendet werden.
Ort: Freising
Bauherr: Landratsamt Freising, Hochbauabteilung
Innenarchitektur: Réka Visnyei / INPULS, München
Fertigstellung: Juli 2024
Über den Deutschen Innenarchitektur-Preis
Über den Deutschen Innenarchitektur-Preis
Der Deutsche Innenarchitektur-Preis des Bundes Deutscher Innenarchitektinnen und Innenarchitekten (bdia) gilt als wichtigste Auszeichnung für Innenarchitektur in Deutschland. Aus knapp 250 Einreichungen hat die unabhängige Jury insgesamt 35 Projekte nominiert. Sie zeigen, wie Innenarchitektur in den Bereichen Arbeiten, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Kultur und öffentlicher Raum auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagiert.
Weitere Informationen zu den nominierten Projekten des Deutschen Innenarchitektur-Preises 2026 finden Sie unter deutscher-innenarchitektur-preis.de.
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