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Brauchen wir das Büro noch?

Deutscher Innenarchitektur-Preis 2026: Zwischen historischem Bestand und experimenteller Pilotfläche zeigen zwei nominierte Projekte, wie unterschiedlich Innenarchitektur auf diese Frage antworten kann.

Swantje Rüschen
10.07.2026 2min
Collage mit verschiedenen Ansichten moderner Büro- und Aufenthaltsräume, darunter historische Innenräume, minimalistische Küchen sowie helle Arbeitsbereiche mit farbigen Vorhängen und maßgefertigten Möbeln.
© Elias Hassos, Andreas Graf, Lukas Schramm

Die Arbeitswelt verändert sich und mit ihr der Arbeitsplatz: Hybride Arbeitsmodelle, flexible Arbeitszeiten und neue Formen der Zusammenarbeit verändern die Anforderungen an Büros. Sie dienen längst nicht mehr ausschließlich dem konzentrierten Arbeiten, sondern werden zunehmend zu Orten für Begegnung, Austausch und gemeinsame Ideenfindung. Gleichzeitig gilt es, bestehende Gebäude an diese veränderten Bedürfnisse anzupassen.

Wie kann Innenarchitektur diesen Wandel unterstützen? Welche räumlichen Konzepte fördern Zusammenarbeit, Orientierung und flexible Nutzung? Zwei der nominierten Projekte des Deutschen Innenarchitektur-Preises 2026 geben darauf unterschiedliche Antworten. Während eines den historischen Bestand in einen Creative Workspace transformiert, versteht das andere Arbeitsräume als Experimentierfeld für die Verwaltung der Zukunft.

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in heller Konferenzraum verbindet historische Architektur mit modernem Design. Ein langer Holztisch mit Stühlen steht unter einer reich verzierten Kassettendecke, daneben große Fenster, Pflanzen und hohe Regale.
Creative Workspace, München, Julia Schneider / iam interior.architects.munich © Elias Hassos
Ein heller Loungebereich mit modernem Sofa und großen Zimmerpflanzen in einem historischen Saal mit hoher Kassettendecke und großen Fenstern.
Creative Workspace, München, Julia Schneider / iam interior.architects.munich © Elias Hassos
Heller Wohnbereich mit beiger Couch, runden Holztischen und Fischgrätparkett.
Creative Workspace, München, Julia Schneider / iam interior.architects.munich © Elias Hassos
Minimalistische Küche mit grauen Fronten, heller Fliesenrückwand und offenen Holzregalen. Im Vordergrund steht ein runder Holztisch auf einem Fischgrätparkett.
Creative Workspace, München, Julia Schneider / iam interior.architects.munich © Elias Hassos
Gewölbter Durchgang mit Holztreppe und Blick in einen historischen Innenraum.
Creative Workspace, München, Julia Schneider / iam interior.architects.munich © Elias Hassos

 

Historische Wirkung trifft auf Creative Workspace

In einem denkmalgeschützten Stadtpalais mitten in München entstand ein Creative Workspace, der historische Bausubstanz mit zukunftsorientiertem Arbeiten verbindet. Die Herausforderung bestand darin, den historischen Saal als Herzstück des Gebäudes in seiner räumlichen Wirkung zu erhalten und zugleich für neue Nutzungen zu öffnen. 

Statt tiefgreifender Eingriffe setzt das Konzept auf eine sensible Transformation. Historische Details bleiben sichtbar, während Möblierung und Lichtführung den Saal als multifunktionalen Arbeits- und Veranstaltungsraum neu interpretieren. Ergänzend entstanden Bibliothek, Archiv, Küche und ein Ausstellungsdepot. Mit Materialien wie Edelstahl, Holz und Naturtapeten heben sich diese Bereiche bewusst vom historischen Bestand ab und schaffen eine klare Orientierung zwischen Alt und Neu. Der Erhalt der vorhandenen Bausubstanz bildet zugleich die Grundlage des nachhaltigen Entwurfs.

Ort: München
Bauherr: privat
Innenarchitektur: Julia Schneider / iam interior.architects.munich  
Fertigstellung: Februar 2025 

 

Moderner Innenraum mit geschwungener Empfangstheke, integrierter Sitzbank und halbtransparenten Vorhängen. Große Fenster sorgen für viel Tageslicht und eine helle, offene Atmosphäre.
Landratsamt Freising, Freising, Réka Visnyei / INPULS © Andreas Graf, Lukas Schramm
eller Arbeitsbereich mit weißen Schreibtischen, hellen Holzbänken und blauen Vorhängen als Raumteiler vor großen Fenstern.
Landratsamt Freising, Freising, Réka Visnyei / INPULS © Andreas Graf, Lukas Schramm
Heller Arbeitsbereich mit geschwungenem Holztisch, hohem Holzstuhl und großer Zimmerpflanze vor einer schlichten weißen Wand.
Landratsamt Freising, Freising, Réka Visnyei / INPULS © Andreas Graf, Lukas Schramm
Modern gestalteter Sitzbereich mit hellem Podest, integrierter Bank und kleinem Beistelltisch. Ein halbtransparenter Vorhang und sanfte Farbtöne schaffen eine ruhige Atmosphäre.
Landratsamt Freising, Freising, Réka Visnyei / INPULS © Andreas Graf, Lukas Schramm
Landratsamt Freising, Freising, Réka Visnyei / INPULS © Andreas Graf, Lukas Schramm

 

Im Dialog zum Bürgeramt der Zukunft

Einen anderen Ansatz zeigt die Entwicklung einer Arbeits-Pilotfläche für das Landratsamt Freising. In der denkmalgeschützten Stabskaserne soll auf rund 500 qm eine Test-Arbeitsfläche entstehen, in der prozessorientiertes Arbeiten erprobt wird. Nach der Projektauswertung könne das Konzept als Beispiel für zukünftige Neubauten dienen. Alle sechs Monate rotieren die Abteilungen durch verschiedene Test- und Experimentierfelder. Feedbackworkshops begleiten jede Phase und fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung der Arbeitsprozesse ein. Dabei steht der Mensch im Mittelpunkt der räumlichen Gestaltung. Die multifunktionalen, geschwungenen Möbelelemente im Mäandersystem sind farblich an verschiedenen Hauttönen orientiert und sollen so Bürgernähe vermitteln. Nach der Projektphase können die Elemente in öffentlichen Einrichtungen, Schulen und Kindergärten weiterverwendet werden.  

Ort: Freising
Bauherr: Landratsamt Freising, Hochbauabteilung
Innenarchitektur: Réka Visnyei / INPULS, München
Fertigstellung: Juli 2024 

 

Über den Deutschen Innenarchitektur-Preis

Der Deutsche Innenarchitektur-Preis des Bundes Deutscher Innenarchitektinnen und Innenarchitekten (bdia) gilt als wichtigste Auszeichnung für Innenarchitektur in Deutschland. Aus knapp 250 Einreichungen hat die unabhängige Jury insgesamt 35 Projekte nominiert. Sie zeigen, wie Innenarchitektur in den Bereichen Arbeiten, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Kultur und öffentlicher Raum auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagiert. 

Weitere Informationen zu den nominierten Projekten des Deutschen Innenarchitektur-Preises 2026 finden Sie unter deutscher-innenarchitektur-preis.de.

Swantje Rüschen

Swantje Rüschen studiert Medien und Kommunikation an der HAW Hamburg und verfügt über journalistische Erfahrung aus verschiedenen Redaktionen.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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