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Friedrichstraße: eine Kritik an der Berliner Symbolpolitik

Nach jahrelangen Debatten steht plötzlich ein neues Konzept für die Berliner Friedrichstraße im Raum. Das sieht gut aus – aber wo ist die Substanz?

 

Luisa Richter-Wolf
28.11.2025 3min
Stadtplanung Nachwuchs-Kolumne Nachhaltigkeit Bundesweit
Die Friedrichstraße in Berlin: Vision … © Nöfer Astigmatic
… und Wirklichkeit. © Maximilian Meisse
Wo bislang Autos parken, … © Maximilian Meisse
… sollen künftig Bäume stehen. © Nöfer Astigmatic
Das Konzept ist simpel: Autos … © Nöfer Architekten
… sollen Bäumen und breiteren Gehwegen weichen. © Nöfer Architekten

Schon seit Jahren ist die Berliner Friedrichstraße ein Politikum. Am 17. November 2025 hat Kai Wegner, der Regierende Bürgermeister von Berlin, ein Konzept zu ihrer Umgestaltung vorgestellt und gewürdigt. Die Fallhöhe ist an diesem Ort beträchtlich.

Es handelt sich bei der Friedrichstraße um eine der wichtigsten Nord-Süd Verbindungen in Berlins Mitte. Entstanden am Ende des 17. Jahrhunderts, war sie nicht nur Kulisse für die Märzrevolution 1848. Sie war auch geteilt durch den Verlauf der Berliner Mauer, noch heute erinnert daran der Checkpoint Charlie. Nach der Wiedervereinigung wurde die Friedrichstraße zu einer „modernen“, also autogerechten, Einkaufs- und Geschäftsstraße entwickelt. Doch die Zeit der autogerechten Stadtplanung ist vorbei.

Die triste Realität

Die Realität auf der Friedrichstraße sieht heute so aus: Sie lässt vor Ort wenig von ihrem großen Namen erfühlen. Die Straßenschlucht ist durch graue moderne Gebäudeklötze begrenzt, bietet wenig Leben und wenig geschäftiges Stadtleben. Sie ist weit davon entfernt, ein urbaner Boulevard zu sein, auch wenn das schon lange ein politischer Traum ist.

Zwei Wochen nach dem Baumentscheid, der Berlin für den Klimawandel wappnen soll, kommt Wegner für einen kleinen Teil der Friedrichstraße mit einem – sagen wir schlichten und wenig innovativen – Entwurf um die Ecke. Einige Aspekte erscheinen auf den ersten Blick ja charmant: breitere Gehwege, weniger Parkplätze, neue Bäume. Doch bei genauerem Hinsehen, kann man skeptisch werden.

Wo sind die qualitativen Maßstäbe?

Gab es einen öffentlichen Wettbewerb für die Friedrichstraße? Fehlanzeige! Eine öffentliche Ausschreibung, Entwürfe einzureichen, um an einem Verhandlungsverfahren teilzunehmen? Fehlanzeige! Wurden in dem Entwurfsprozess ein Landschaftsarchitekturbüro angefragt, einen Beitrag zu leisten? Fehlanzeige! Auf eine Presseanfrage an den Berliner Senat, ob dies nun wenigstens in Zukunft geplant ist, habe ich keine Antwort herhalten.

Solch ein undurchsichtiges Verfahren, bei dem qualitative Maßstäbe nicht erkennbar sind, lässt befürchten, dass es auf eine weitere Straße mit krepelig vor sich hinsterbenden Bäumen hinausläuft. Davon haben wir in Berlin genug. Danke! Stattdessen meine Bitte: Lasst uns in Berlin aufhören, öffentlichkeitswirksame Kurzschlussreaktionen wie hier bei der Friedrichstraße zu produzieren, sondern ernsthaft nachhaltige, zukunftsweisende Entscheidungen auf Grund von Fachwissen treffen!

Die Friedrichstraße als Symptom

Solche Symbolpolitik wie bei der Friedrichstraße übertüncht, worauf es ankommt. Auf der einen Seite kürzt der Senat den Hochschulen die Gelder, sodass an der TU Berlin der Studiengang Landschaftsarchitektur in Gefahr ist. Gleichzeitig sucht die Stadt Fachkräfte, deren Ausbildung verhindert wird. So wird Berlin in Zukunft nicht schöner und kühler, sondern ärmer, heißer und an Lebensqualität verlieren.


Die Nachwuchs-Kolumnen des DAB schreibt ein junges Team im wöchentlichen Wechsel. Unsere Autor:innen sind Johanna Lentzkow, Fabian P. Dahinten, Luisa Richter-Wolf und Lorenz Hahnheiser.

© privat

Luisa Richter-Wolf

Kolumnistin

Luisa Richter-Wolf schreibt über Landschaftsarchitektur an den Unis, im Beruf und im Alltag. Sie absolvierte ihren Bachelor in der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Berlin und studiert dort nun im Master weiter. Sie engagiert sich in der Bundesfachschaft Landschaft. Seit 2023 bringt sie das Thema Landschaftsarchitektur in unsere wöchentlichen Nachwuchs-Kolumnen ein.