City in the Cloud: Data on the Ground
Die Ausstellung im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne in München zeigt noch bis 8. März 2026 die radikale Architektur der Cloud – und wie sie Landschaften und Städte neu formt.
„City in the Cloud: Data on the Ground“, kuratiert von Damjan Kokalevski, Architekturmuseum der Technischen Universität München (TUM), macht sichtbar, was im digitalen Alltag meist unsichtbar bleibt: die materiellen und räumlichen Infrastrukturen, die unsere datengetriebene Gegenwart prägen. Schon im Eingang wird deutlich, dass die Cloud keineswegs immateriell ist, sondern ein weit verzweigtes System aus Unterseekabeln, Serverfarmen und globalen Lieferketten. Sie ist ein Netzwerk, das, wie durch die wissenschaftliche Begleitung von Marina Otero Verzier herausarbeitet wurde, enorme soziale und ökologische Kosten verursacht.
Drei Dimensionen der Datenwelt
Der kuratorische Zugang entfaltet sich in den drei Themenbereichen Elementar, Räumlich und Zeitlich. „Elementar“ legt die physischen Grundlagen der Cloud offen: Unterseekabel, kritische Rohstoffe und die globalen Materialflüsse, die den Datenverkehr erst ermöglichen. „Räumlich“ wendet sich den Orten der Datenproduktion und -verarbeitung zu – von Rechenzentren wie dem Leibniz-Rechenzentrum in Garching bis zu urbanen Steuerungsräumen. Hier wird sichtbar, dass digitale Infrastrukturen territoriale Ansprüche formulieren, Landschaften formen und städtische Räume neu strukturieren. „Zeitlich“ schließlich untersucht, welche Daten wir speichern, löschen oder bewahren möchten, und wie Datenarchive, KI und digitale Tools unseren Umgang mit Daten, aber auch der Architekturproduktion, prägen.
Reale Architektur an den Rändern des Vorstellbaren
Die Ausstellung präsentiert Rechenzentren als weltumspannende Bautypologie, deren räumliche Ausprägungen kaum heterogener sein könnten. Gerade die nüchterne, fast archivierende Präsentationsweise lässt den Innovationsgrad der gezeigten Projekte umso deutlicher hervortreten: Viele dieser real existierenden Rechenzentren wirken in ihren Standorten und architektonischen Konzepten so futuristisch und utopisch, dass sie beinahe aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. Gezeigt werden Zentren, die in extremen Umgebungen angesiedelt sind oder bestehende Bauten vollkommen neu codieren: Anlagen unter der Meeresoberfläche, Datencenter in verlassenen Bergwerken oder tiefen Felskammern, Rechenzentren in ehemaligen militärischen Schutzräumen, ebenso wie Hochleistungsserver, die in sakralen Innenräumen untergebracht sind. Hinzu kommen Studien zu orbitalen Rechenzentren, die Datenverarbeitung in den erdnahen Raum verlagern – ernsthafte Forschungsansätze, die die räumliche Logik von Dateninfrastrukturen radikal weiterdenken.
Die Zukunft der Cloud ist räumlich
In ihrer Gesamtheit zeigt die Ausstellung, wie sehr Datenarchitekturen heute physische Territorien formen, Infrastrukturen überlagern und bestehende Räume neu definieren. Rechenzentren erscheinen nicht mehr als neutrale technische Anlagen, sondern als globale räumliche Akteure, die Landschaften verändern, städtische Entwicklungslogiken verschieben und Fragen von Energie, Ressourcen und politischer Kontrolle untrennbar berühren. „City in the Cloud: Data on the Ground“ verdeutlicht, dass Daten nie ortlos sind: Sie entstehen, zirkulieren und werden verarbeitet in konkreten räumlichen Strukturen – in Rechenzentren, Leitungsnetzen, Serverhallen oder Steuerungsräumen. Indem die Ausstellung die Materialität dieser Infrastrukturen offenlegt und die physischen Orte des Datenflusses sichtbar macht, wird deutlich, dass digitale Systeme immer auch räumlich verortet sind. Die Zukunft dieser Infrastrukturen ist daher nicht nur eine technologische, sondern auch eine architektonische Aufgabe: Wie lassen sie sich so gestalten, steuern und verankern, dass sie mit einer gerechten, ökologisch verantwortungsvollen Entwicklung vereinbar sind?