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City in the Cloud: Data on the Ground

Die Ausstellung im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne in München zeigt noch bis 8. März 2026 die radikale Architektur der Cloud – und wie sie Landschaften und Städte neu formt.

Bettina Sigmund
06.01.2026 6min
Ausstellung Bundesweit
Eine Wand ist vollständig mit gerahmten Fotografien in einem klaren Raster bedeckt. Die Bilder zeigen weite Landschaften: Salzflächen, Wüsten, künstliche Wasserbecken und Menschen bei der Arbeit. Die Farben sind hell, staubig und von Blau- und Beigetönen geprägt. Die Serie dokumentiert Orte des Rohstoffabbaus. Sie macht sichtbar, welche physischen Landschaften und menschlichen Arbeiten hinter digitaler Technologie und Energiespeicherung stehen.
Fotoserie „Lithiumabbau in der Atacama-Wüste“ von Catherine Hyland, 2018 © Bettina Sigmund

„City in the Cloud: Data on the Ground“, kuratiert von Damjan Kokalevski, Architekturmuseum der Technischen Universität München (TUM), macht sichtbar, was im digitalen Alltag meist unsichtbar bleibt: die materiellen und räumlichen Infrastrukturen, die unsere datengetriebene Gegenwart prägen. Schon im Eingang wird deutlich, dass die Cloud keineswegs immateriell ist, sondern ein weit verzweigtes System aus Unterseekabeln, Serverfarmen und globalen Lieferketten. Sie ist ein Netzwerk, das, wie durch die wissenschaftliche Begleitung von Marina Otero Verzier herausarbeitet wurde, enorme soziale und ökologische Kosten verursacht. 

Ein großer, heller Raum mit langen Reihen schwarzer Server-Schränke. Auf einigen Schränken sind Grafiken und Schriftzüge angebracht, etwa zu Hochleistungsrechnen, KI oder Physik. Die Anordnung ist streng symmetrisch. Das Bild zeigt ein modernes Hochleistungsrechenzentrum. Es steht für enorme Rechenkapazitäten, wissenschaftliche Simulationen und datengetriebene Forschung.
Mit über 364.000 Rechenkernen und mehr als 55 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde unterstützt der Höchstleistungsrechner SuperMUC-NG großangelegte Simulationen. © Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025

Drei Dimensionen der Datenwelt

Der kuratorische Zugang entfaltet sich in den drei Themenbereichen Elementar, Räumlich und Zeitlich. „Elementar“ legt die physischen Grundlagen der Cloud offen: Unterseekabel, kritische Rohstoffe und die globalen Materialflüsse, die den Datenverkehr erst ermöglichen. „Räumlich“ wendet sich den Orten der Datenproduktion und -verarbeitung zu – von Rechenzentren wie dem Leibniz-Rechenzentrum in Garching bis zu urbanen Steuerungsräumen. Hier wird sichtbar, dass digitale Infrastrukturen territoriale Ansprüche formulieren, Landschaften formen und städtische Räume neu strukturieren. „Zeitlich“ schließlich untersucht, welche Daten wir speichern, löschen oder bewahren möchten, und wie Datenarchive, KI und digitale Tools unseren Umgang mit Daten, aber auch der Architekturproduktion, prägen. 

Man sieht eine Glasfassade von außen. Hinter dem Fenster hängen mehrere Fotografien und Texttafeln an metallischen Trägern. Spiegelungen von Bäumen und Gebäuden überlagern die Ausstellungsinhalte. Das Bild vermittelt, dass die Ausstellung auch nach außen sichtbar ist. Innen- und Außenraum, Realität und Reflexion überlagern sich – ähnlich wie physische Welt und digitale Sphäre.
Ein Blick ins Innere: Hinter der klaren, zurückhaltenden Ausstellungsgestaltung entfaltet sich eine vielschichtige Themenwelt rund um Datenräume und globale Infrastrukturen. © Bettina Sigmund
Ein heller Innenraum mit hohen Decken und gleichmäßigem, industriellem Licht. In der Mitte stehen mehrere schmale, senkrechte Metallrahmen mit Lochprofilen, an denen Texttafeln und Bilder befestigt sind. Die Stellwände bilden einen offenen Parcours, durch den Besucher hindurchgehen können. Das Bild zeigt die räumliche Gestaltung einer Ausstellung. Die modulare Konstruktion erinnert an technische Infrastruktur und verweist auf Ordnung, Systematik und Datenstrukturen.
Rechenzentren weltweit – die gebaute Infrastruktur digitaler Netze. © Bettina Sigmund
Ein großer Bildschirm zeigt eine extreme Nahaufnahme von dicht gestapelten Datenträgern oder Kassetten in Blau- und Schwarztönen. Daneben hängt ein Kopfhörer. Das Bild verweist auf digitale Speicherung und Archivierung. Der Kopfhörer deutet darauf hin, dass es sich um eine audiovisuelle Arbeit handelt, die zusätzlich hörbare Informationen vermittelt.
„Encoded Matter“ – Film von Giulia Bruno, gedreht am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ), über die materielle Seite digitaler Infrastruktur. © Bettina Sigmund
Mehrere Fotografien hängen einzeln mit Abstand an einer Wand. Zu sehen sind historische und moderne Technikräume: Rechenzentren, Schaltschränke, Kabelbündel und alte Computersysteme. Die Bilder wirken kühl, dunkel und komplex. Die Installation macht die sonst verborgene Infrastruktur des Internets sichtbar und erfahrbar.
Fotoinstallation „Leibniz-Rechenzentrum“ von Giulia Bruno, entstanden an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) ©Bettina Sigmund
Mehrere Fotografien hängen einzeln mit Abstand an einer Wand. Zu sehen sind historische und moderne Technikräume: Rechenzentren, Schaltschränke, Kabelbündel und alte Computersysteme. Das Bild zeigt eine visuelle Erzählung der Entwicklung von Rechen- und Speichertechnologien. Es verdeutlicht die materielle Seite digitaler Systeme.
Fotoinstallation „Leibniz-Rechenzentrum“ von Giulia Bruno, entstanden an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) © Bettina Sigmund

Man blickt in einen langen, engen Gang zwischen zwei hohen Wänden aus dicht gestapelten Servermodulen. Tausende identische Elemente erzeugen ein starkes Gefühl von Tiefe und Wiederholung. Das Bild macht die enorme Dichte und Materialität digitaler Infrastruktur deutlich. Es vermittelt Größe, Komplexität und Energieaufwand moderner Datenverarbeitung.
Automatisierte Bandbibliothek am LRZ, genutzt für die Langzeitarchivierung von Daten. Robotersysteme verwalten Tausende von Magnetbändern, um wissenschaftliche Daten über Jahrzehnte zuverlässig und energieeffizient zu sichern. © Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025

Reale Architektur an den Rändern des Vorstellbaren

Die Ausstellung präsentiert Rechenzentren als weltumspannende Bautypologie, deren räumliche Ausprägungen kaum heterogener sein könnten. Gerade die nüchterne, fast archivierende Präsentationsweise lässt den Innovationsgrad der gezeigten Projekte umso deutlicher hervortreten: Viele dieser real existierenden Rechenzentren wirken in ihren Standorten und architektonischen Konzepten so futuristisch und utopisch, dass sie beinahe aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. Gezeigt werden Zentren, die in extremen Umgebungen angesiedelt sind oder bestehende Bauten vollkommen neu codieren: Anlagen unter der Meeresoberfläche, Datencenter in verlassenen Bergwerken oder tiefen Felskammern, Rechenzentren in ehemaligen militärischen Schutzräumen, ebenso wie Hochleistungsserver, die in sakralen Innenräumen untergebracht sind. Hinzu kommen Studien zu orbitalen Rechenzentren, die Datenverarbeitung in den erdnahen Raum verlagern – ernsthafte Forschungsansätze, die die räumliche Logik von Dateninfrastrukturen radikal weiterdenken. 

 

Die Zukunft der Cloud ist räumlich

In ihrer Gesamtheit zeigt die Ausstellung, wie sehr Datenarchitekturen heute physische Territorien formen, Infrastrukturen überlagern und bestehende Räume neu definieren. Rechenzentren erscheinen nicht mehr als neutrale technische Anlagen, sondern als globale räumliche Akteure, die Landschaften verändern, städtische Entwicklungslogiken verschieben und Fragen von Energie, Ressourcen und politischer Kontrolle untrennbar berühren. „City in the Cloud: Data on the Ground“ verdeutlicht, dass Daten nie ortlos sind: Sie entstehen, zirkulieren und werden verarbeitet in konkreten räumlichen Strukturen – in Rechenzentren, Leitungsnetzen, Serverhallen oder Steuerungsräumen. Indem die Ausstellung die Materialität dieser Infrastrukturen offenlegt und die physischen Orte des Datenflusses sichtbar macht, wird deutlich, dass digitale Systeme immer auch räumlich verortet sind. Die Zukunft dieser Infrastrukturen ist daher nicht nur eine technologische, sondern auch eine architektonische Aufgabe: Wie lassen sie sich so gestalten, steuern und verankern, dass sie mit einer gerechten, ökologisch verantwortungsvollen Entwicklung vereinbar sind?

Bettina Sigmund

Spezialistin für Architekturkommunikation München

Bettina Sigmund ist Spezialistin für Architekturkommunikation. Sie ist Inhaberin von „aboutarchitecture“ und Partnerin der „ARGE Kommunikation“. Ihre Tätigkeit umfasst Redaktion, PR und strategische Beratung für alle Akteure der Baubranche.