Wenn Architektur Land und Leute gestaltet – mit Lehm, Holz und Herzblut
Studiobesuch: In der Altmark, im dünn besiedelten Norden von Sachsen-Anhalt, planen Sinn & Spillner für Menschen, die sie kennen. Und ganz häufig auch für ihren eigenen, unmittelbaren Alltag.
Die Altmark. Mittendrin liegt Seehausen: Hansestadt, 875 Jahre alt, knapp 4.500 Einwohner, eingebettet in eine der traditionsreichsten Kulturlandschaften Deutschlands. Eine Region, die oft unterschätzt wird, in der vieles langsamer zu gehen scheint. In der zugleich Menschen mit Ideen und Engagement dafür sorgen, dass Orte lebendig bleiben.
Hier arbeiten Greta Sinn und Tobias Spillner. Mit ihrem Büro „Sinn & Spillner PartGmbB Architektin und Architekt“ übernehmen sie viele Aufgaben, die vor Ort gebraucht werden: einen Bauantrag für eine Autowaschanlage, einen Spielplatz in Seehausen, Stadtmöbel im nahegelegenen Wittenberge, Sanierungen im Denkmalbereich und von historischen Fachwerkbauten, Einfamilienhäuser oder sogar mobile Hühnerställe. Die Bandbreite ist groß.
Das Studio
Das Studio
Sinn & Spillner PartGmbB Architektin und Architekt, Seehausen (Altmark), wird seit 2022 von Greta Sinn und Tobias Spillner gemeinsam geführt. Zu den Schwerpunkten zählen Umbauten und denkmalgerechte Sanierungen, u. a. die Kirche Beuster, ein Fachwerkhaus in Werben, die Friedhofsmauer in Steinfelde sowie die energetische Sanierung des Jugendwaldheims Arendsee.
Dass der 1984 Geborene heute in der Altmark plant und baut, ist kein Zufall. Er ist hier aufgewachsen, machte in der Region Abitur und kehrte nach dem Architekturstudium an der Technischen Universität (TU) Dresden bewusst in seine Heimat zurück. Zuvor sammelte Tobias Spillner Erfahrungen in Architekturbüros in Dresden und Frankfurt am Main, bevor er 2015 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.
Der Süden kommt in den Norden
Greta Sinn kam auf einem anderen Weg in die Altmark. Die gebürtige Heidelbergerin absolvierte ihr Studium ebenso an der TU Dresden, hier kreuzten sich die Wege der beiden. Berufliche Stationen führten die heute 40-Jährige zunächst in Architekturbüros nach Berlin, Frankfurt am Main und Dresden, später in die Bauverwaltung der Verbandsgemeinde Seehausen. Dort begleitete sie Hoch- und Tiefbaumaßnahmen aus öffentlicher Perspektive – Erfahrungen, die heute die Zusammenarbeit mit Kommunen und Bauherren erleichtern.
Seit 2022 führen Greta Sinn und Tobias Spillner ihr Büro gemeinsam. Der Arbeitsalltag ist klar strukturiert und wird geprägt von einer guten Organisation zwischen beruflichen Anforderungen und Familienleben.
Ihre enge Verbundenheit mit dem Norden Sachsen-Anhalts prägt auch die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort. Gerade auf dem Land entstehen gute Projekte im Schulterschluss mit Handwerksbetrieben, Landschaftsarchitektinnen und -architekten, Fachplanenden, Denkmalschützern und den ausführenden Gewerken. Man kennt sich, begegnet sich auf Augenhöhe und sucht nach Lösungen.
Das gilt besonders dann, wenn neue Wege beschritten werden müssen – etwa beim Einsatz naturnaher Baustoffe wie Lehm oder Holz. Nicht jeder Handwerksbetrieb bringt dafür bereits Erfahrungen mit. Dann wird ausprobiert, diskutiert und nach praktikablen Lösungen gesucht. Genau darin liegt für Sinn & Spillner die Stärke der Zusammenarbeit. Sie können ihre Einstellung zum nachhaltigen Bauen einbringen und erleben, dass diese von den Beteiligten mitgetragen wird. Das verbindet.
Wie gut dieses Miteinander funktioniert, zeigt ein Projekt, das sich gerade im Bau befindet: Die neue Trauerhalle auf dem Friedhof im rund 40 km entfernten Arneburg. Die alte Halle war baufällig geworden. Im Rahmen eines Konzepts zur Neugestaltung des Friedhofs wurde ein neuer Standort festgelegt und anschließend das Büro Sinn & Spillner mit der Planung beauftragt.
Statt Standardlösungen zu finden, entsteht in Arneburg ein Gebäude, das konsequent auf natürliche und ressourcenschonende Materialien setzt: ein Holzständerbau mit Holzfaserdämmung, Holzfenstern und einer Lärchenholzfassade, Lehm-Edelputz, einem gestampften Lehmboden sowie einer wasserlosen Trockentrenntoilette, die ohne Spülung auskommt und wertvolle Ressourcen spart. Selbst alte Grabsteine erhalten ein zweites Leben und werden als Sockelbekleidung wiederverwendet.
Dass Bauherrschaft, Landschaftsarchitekten und Handwerker diesen Weg mitgehen, verstehen beide als großes Kompliment. Es zeugt von gegenseitigem Vertrauen.
Wie gut dieses Miteinander funktioniert, zeigt ein Projekt, das sich gerade im Bau befindet: Die neue Trauerhalle auf dem Friedhof im rund 40 km entfernten Arneburg. Die alte Halle war baufällig geworden. Im Rahmen eines Konzepts zur Neugestaltung des Friedhofs wurde ein neuer Standort festgelegt und anschließend das Büro Sinn & Spillner mit der Planung beauftragt. Statt Standardlösungen zu finden, entsteht in Arneburg ein Gebäude, das konsequent auf natürliche und ressourcenschonende Materialien setzt: ein Holzständerbau mit Holzfaserdämmung, Holzfenstern und einer Lärchenholzfassade, Lehm-Edelputz, einem gestampften Lehmboden sowie einer wasserlosen Trockentrenntoilette, die ohne Spülung auskommt und wertvolle Ressourcen spart. Selbst alte Grabsteine erhalten ein zweites Leben und werden als Sockelbekleidung wiederverwendet. Dass Bauherrschaft, Landschaftsarchitekten und Handwerker diesen Weg mitgehen, verstehen beide als großes Kompliment. Es zeugt von gegenseitigem Vertrauen.
Was sie ihren Auftraggebern empfehlen, leben Greta Sinn und Tobias Spillner auch im neuen, eigenen Zuhause. Ihr Wohnhaus am Elbdeich ist ein konsequent ökologisch geplanter Neubau in Holzständerbauweise mit Strohdämmung. Zum Einsatz kommen vor allem natürliche und möglichst regionale Baustoffe.
21,7 kWh/m²a
Effizienzwert des Wohnhauses, das Greta Sinn und Tobias Spillner am Elbdeich gerade für sich selbst bauen
55 km
Radius der Projekte von Sinn & Spillner in der dünn besiedelten Region
Was sie ihren Auftraggebern empfehlen, leben Greta Sinn und Tobias Spillner auch im neuen, eigenen Zuhause. Ihr Wohnhaus am Elbdeich ist ein konsequent ökologisch geplanter Neubau in Holzständerbauweise mit Strohdämmung. Zum Einsatz kommen vor allem natürliche und möglichst regionale Baustoffe.
Engagiert – über den Tellerrand hinaus
Ihre Verbundenheit mit ihrem Berufsstand und Sachsen-Anhalt zeigt sich nicht nur in ihren Projekten, sondern auch in ihrem Engagement. Greta Sinn bringt sich in der Architektenkammer Sachsen-Anhalt aktiv ein: Sie ist Mitglied der Vertreterversammlung, im Sachverständigenausschuss und als Preisrichterin bei der Durchführung von Architektenwettbewerben tätig.
Auch kommunal übernimmt sie Verantwortung, u. a. als sachkundige Einwohnerin im Bauausschuss, im Aufsichtsrat einer Wohnungsbaugesellschaft und als ehrenamtliche Richterin. „Für mich gehört es dazu, mich einzubringen, mitzugestalten und Verantwortung für die Entwicklung des eigenen Umfelds zu übernehmen“, beschreibt sie ihre Haltung. Beide eint diese Überzeugung, deren Spuren in der Altmark vielerorts sichtbar sind
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Jana Halbritter
Presse - und Öffentlichkeitsarbeit Architektenkammer Sachsen-Anhalt DAB Redaktion Sachen-AnhaltDas könnte Sie auch interessieren
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