„Man schafft es nicht allein am Markt“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Wie schafft man es auf dem Markt? Matthias Tippe, Architekt aus Niedersachsen, gründete 2022 ein Büro in Hannover. Kooperationen brachten Projekte und Profil.
Wie schafft man es auf dem Markt? Der Schritt in die Selbstständigkeit ist mit Hürden verbunden.
Mit der Bürogründung von Leinau6 begann für uns 2022 ein langsames Hineinwachsen in die Selbstständigkeit. Alexander Frisch und ich arbeiteten parallel an der Universität, unser damaliger Mitgründer Jascha Baumgardt in einem anderen Büro. Dieses zweite Standbein gab Sicherheit, Lernzeit und Raum, Strukturen aufzubauen. Bauvorlageberechtigung, Referenzen, Akquise, Bürokosten und Lebensunterhalt machen den Einstieg jedoch alles andere als niedrigschwellig.
Mit wachsenden Projekten und mehr Verantwortung wurde klar, dass ein Büro nicht dauerhaft nebenbei geführt werden kann. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie sich eigene Ideale mit unternehmerischer Verantwortung und den Risiken der Selbstständigkeit vereinbaren lassen. Kooperationen wurden daher früh für uns wichtig.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Kontur aus Oldenburg konnten wir an realen Projekten mitarbeiten, Kontakte knüpfen und Verantwortung übernehmen. So erschlossen wir uns einen Schwerpunkt, der uns bis heute prägt – Bauen im Bestand. Diese Erfahrungen übersetzen wir im Mentoringprogramm der Architektenkammer mit Tandempartner Felix Rebers in eine eigene Positionierung und verbinden dabei unternehmerische Themen mit Haltung und eigenen Zielen. „Wie schaffe ich es am Markt?“ ist für uns keine rein betriebswirtschaftliche Frage. Entscheidend ist, passende Aufgaben zu finden und verlässliche Partnerschaften aufzubauen. Kleine Büros brauchen Netzwerke und Erfahrung. Zugleich profitieren Projektpartner:innen von digitalen Methoden, konzeptioneller Frische und neuen Perspektiven, die wir einbringen.
Fazit
Nach meiner bisherigen Erfahrung braucht Selbstständigkeit keinen perfekten Plan, sondern ein tragfähiges Umfeld. Wichtig sind Menschen, mit denen man offen über Projekte, Finanzen, Zweifel und Strategie sprechen kann. Gerade am Anfang liegen Aufbruch und Unsicherheit nah beieinander: neue Chancen und Verantwortung, aber auch wirtschaftlicher Druck und offene Fragen. Im Team lässt sich dieser Weg zuversichtlicher bestreiten – weil immer jemand da ist, der den Kopf oben hält.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Bremen, Niedersachsen.
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