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[ Vorfertigung ]

Modulbau macht Schule: mit System und in Serie

Serielles und modulares Bauen beschleunigt den Bau neuer Schulen. In Berlin entstehen so nicht nur Provisorien, sondern auch dauerhafte Gebäude – inzwischen auch aus Holzmodulen

Sitzinseln aus Holz und Holzwände
Die Berliner Bernhard-Grzimek-Schule ist ein Holzmodulbau. Einige Module wurden als offene Kommunikationsräume mit Sitzinseln gestaltet. Foto: SenBJF

Von Leila Haidar

Die Bevölkerung in den Städten wächst kontinuierlich und mit ihr die Schülerzahlen. Daher steht der Bedarf nach modernen Schulräumen im Fokus vieler politischer Diskussionen. In Berlin sollen im Rahmen einer Schulbauoffensive bis 2026 mehr als 60 neue Schulgebäude gebaut werden, teilweise mit Sporthallen. Um Bauzeiten zu beschleunigen, werden viele von ihnen modular und seriell errichtet. Bis vor einigen Jahren lediglich als Interimslösung wahrgenommen, haben sich Modul-Gebäude inzwischen etabliert – als gleichwertige Alternative zu konventionell errichteten Bauten.

Schule als Modulbau
Das neue (provisorische) Schulgebäude der Berliner Modersohn-Grundschule. Foto: Goldbeck

Serielles Bauen als schnelle Abhilfe

Seit einigen Jahren setzt die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bei der Erweiterung von Bestandsschulen auf ein zweistufiges Konzept. In einem Submissionsverfahren werden zunächst Aufträge für standardisierte Modulbauten als Erweiterung bestehender Schulstandorten an einen Generalunternehmer vergeben. Mittels eines Rahmenvertrages kann der Auftraggeber dann innerhalb einer definierten Frist mehrere Standorte beauftragen.

An den Ausschreibungen beteiligt hat sich auch der Bielefelder Bauspezialist Goldbeck und innerhalb einzelner Vergabeverfahren für 68 Schulen den Zuschlag erhalten. Durch in eigenen Werken gefertigte Systembauteile aus Stahl und Beton, die direkt auf der Baustelle zusammengesetzt werden, ist es möglich, dass Gebäude bereits nach siebenmonatiger Bauzeit übergeben werden können.

Clusterschulen auch in Serie

Vier Gebäudetypen hat Goldbeck realisiert, mit zwölf, 16 oder 24 Klassenräumen. Sowie einen Schultyp, der nach spezifischen Anforderungen für Schülerinnen und Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung” entworfen wurde und zusätzlich etwa Therapie- und Pflegeräume berücksichtigt. Serielles Bauen und innovative pädagogische Raumkonzepte schließen sich nicht aus, findet Michael Burkhardt, Niederlassungsleiter des Bereichs Schulgebäude national bei Goldbeck.

Auch moderne pädagogische Raumkonzepte, wie zum Beispiel Clusterlösungen, seien umsetzbar. Mit „Cluster“ wird im modernen Schulbau die Zusammenfassung von drei bis sechs Klassenräumen zu einer räumlichen Einheit bezeichnet. Die Flurzone wird dabei als offene gemeinsame Mitte ausgeweitet und ist pädagogisch nutzbar. Aufgrund der Bauweise mit Systemelementen sind zukünftige Um- und Ausbauten und schließlich auch der Rückbau jederzeit ohne große Komplikationen möglich.

Sonderprogramm für Schulen als Holz-Modulbau

In den kommenden vier Jahren sollen an Berliner Schulen außerdem 32 Holzmodul-Erweiterungsbauten, sogenannte HOMEB entstehen. Realisiert werden die Bauvorhaben durch das Generalplaner-Team der ARGE HOMEB, die aus den Architekturbüros NKBAK (Frankfurt am Main), pcb-Architekten (Berlin), ecotec Ingenieure (Bremen) und schöne aussichten landschaftsarchitektur (Kassel/Hamburg) besteht sowie dem Generalunternehmer Kaufmann Bausysteme aus Reuthe/Vorarlberg. In Berlin-Lichtenberg am Standort der Bernhard-Grzimek-Grundschule entstand der erste Rohbau innerhalb von elf Tagen Montage.

Der dreigeschossige Erweiterungsbau besteht aus 96 Holzmodulen, die größtenteils in Berlin-Köpenick vorproduziert und in einer Taktung von bis zu zehn Modulen täglich auf die Baustelle geliefert wurden. Zum Beginn des neuen Schuljahres 2021/22 war das neue Schulgebäude bezugsbereit. Dieses Planerteam hatte bereits mit drei Modellvorhaben, der integrierten Sekundarschule Mahlsdorf (hier ein Video auf der Website von NKBAK), einer Grundschule an der Konrad-Wolf-Straße und einer weiteren Grundschule an der Sewanstraße bewiesen, dass modulares Bauen und gute Architektur kein Widerspruch sein müssen.

Entwurf für Modulbau Schule
Siegerentwurf für vierzügige modulare Grundschulen von Bruno Fioretti Marquez © Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin

Vorteile durch Vorfertigung

Neben Erweiterungsbauten an bestehenden Schulen, werden innerhalb der Schulbauoffensive auch komplett neue Bildungseinrichtungen realisiert. An bis zu zwölf Standorten sollen etwa vierzügige Grundschulen mit Sporthallen modular errichtet werden. Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs wurde das Berliner Büro Bruno Fioretti Marquez als Generalplaner beauftragt. Den Zuschlag als Generalunternehmer erhielt die Klebl GmbH aus Neumarkt in der Oberpfalz, die vom Abruf der Bauleistung bis zur schlüsselfertigen Übergabe eine Bauzeit von 18 Monaten anstrebt.

Grundlage der Typenentwürfe bildet auch hier eine modulare Bauweise. Wiederkehrende Bauteile, die sowohl für die Schulgebäude als auch für die Sporthallen verwendet werden können, machen eine umfangreiche Vorkonfektionierung möglich. So sind etwa die tragenden Stützen der Schulgebäude alle für einen nahezu identischen Lasteintrag geplant und können daher exakt gleich vorfabriziert werden.

Grundriss einer Schule
Siegerentwurf für vierzügige modulare Grundschulen von Bruno Fioretti Marquez © Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin

Sporthallen in serieller Bauweise

Bei den Sporthallen werden die den Sportflächen zugeordneten Funktionsflächen wie Umkleiden, Aufsichtsräume oder WC-Anlagen grundsätzlich für alle Hallen identisch als Funktionstrakt entwickelt. Aus dieser Vorgehensweise ergibt sich ein hoher Vorfertigungs- und Wiederholungsgrad der zu produzierenden Bauteile wie Wände, Decken, Türen oder Treppen, die für alle Hallen identisch hergestellt werden können. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass bei einer parallelen Ausführung mehrerer Standorte die Bauteile nicht standortspezifisch sind, sondern durch den Generalunternehmer flexibel eingesetzt werden können.

Entwurf für Modulbau Schule
Siegerentwurf für vierzügige modulare Grundschulen von Bruno Fioretti Marquez © Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin

Zertifiziert nachhaltig bauen

Durch die identischen Ausführungen der Treppenhäuser an allen Standorten der Schulen ergibt sich ebenfalls ein hoher Vorfertigungsgrad. Die Gebäude werden so geplant und errichtet, dass sie nach dem Bewertungssystem nachhaltiges Bauen (BNB) mindestens dem Standard Silber entsprechen. Der zu erfüllende Zertifizierungsstandard ist in den „Baufachlichen Standards für den Neubau von Schulen“ des Landes Berlin vorgegeben. Bewertet werden neben baulichen Aspekten und Recyclingmöglichkeiten der verwendeten Materialien auch Planungsprozesse und Energiekonzepte. Alle Schulgebäude verfügen über eine großformatige Photovoltaikanlage auf einem Gründach.

Hausburg-Grundschule: Schickes Provisorium

Ein ökologisch nachhaltiger und gleichermaßen architektonisch anspruchsvoller Schulneubau wurde gerade im Berliner Stadtteil Friedrichshain fertiggestellt. Die Hausburg-Grundschule mit internationaler Ausrichtung ist eine von 18 Grundschulen, in denen der Schwerpunkt von der ersten Klasse an auf dem Erlernen zweier gleichberechtigter Sprachen liegt. Für die Planung zeichneten Frank Ohlmann und Markus Hildebrand von NEMESIS Architekten in Berlin verantwortlich. Realisiert wurde der Neubau von der Firma Kleusberg.

Modulbau soll später umziehen und neu arrangiert werden

Während das rheinland-pfälzische Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten viele Schulprojekte in modularer Stahlskelettbauweise realisiert hat, besteht die Hausburg-Grundschule aus einer Massivholzkonstruktion. Die 75 Module, aus denen das Gebäude entsteht, wurden vorgefertigt, inklusive Einbau der Fenster und einer weitestgehenden Vorrüstung der TGA-Installationen. Entscheidend für diese nachhaltige Bauweise waren für das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg die kurze Bauzeit und die wiederverwendbaren Module. Denn der Bezirk möchte in der Nutzung des versetzbaren Gebäudes flexibel bleiben und dieses später einmal – gemeinsam mit ähnlichen Holzmodulschulen – zu einem neuen großen Schulstandort zusammenfassen. Zunächst soll der Neubau für acht Jahre am jetzigen Standort verbleiben.

Leila Haidar ist freie Wirtschaftsjournalistin für Tageszeitungen und Fachmagazine aus Stuttgart.

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