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Mehr Kompetenz

Architekten brauchen ein kompetentes Gegenüber. In den Bauverwaltungen müssen ausreichend Stellen bereitgestellt und fachspezifisch besetzt werden

Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz

Wie entstehen Bauwerke, Städte, Infrastrukturen? Menschen mit Fachkompetenz setzen sich zusammen und lösen in einer Mannschaftsleistung Fragestellungen. Jeder und jede auf ihrem Gebiet. Geschieht das auf Augenhöhe und in gutem Zusammenwirken, entwickelt sich ein erfolgreiches Werk. Dabei hat sich das Feld geweitet. Projektentwickler in der „Phase Null“, Projektsteuerinnen, Abstecker hoheitlicher Aufgaben, Stadtplanerinnen als „Spezialisten fürs Ganze“, Partner mit Auftraggeberfunktionen, Bauherrenaufgaben sowie Planungs- und Realisierungsleistungen, Beraterinnen und Prüfer, Immobilienmanagerinnen, Gutachter, Sachverständige – die Liste ist lang.

Komplexe Zusammenhänge überblicken, Schnittstellen lokalisieren, Synergien herausarbeiten, Interessen und Akteure bündeln, Menschen führen – das ist jetzt die Aufgabe. Die wachsende Vielschichtigkeit verlangt fachkompetente Partnerinnen und Partner im freien Beruf wie in den öffentlichen Bauverwaltungen. Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz hat sich mit einem Positionspapier dazu zu Wort gemeldet. Nicht, um Zustände zu bejammern. Sie verweist auf den Respekt gegenüber Fachkolleginnen und -kollegen, aber auch auf den spürbaren Fachkräftemangel und auf die sich rasch verändernden Anforderungen im Hinblick auf gesetzliche Vorgaben, Nutzungsansprüche und Digitalisierungsprozesse.

Stadt- und Projektentwicklung sind Schlüssel für die Zukunft von Städten und Gemeinden, hier werden Weichen für Jahrzehnte gestellt. Fachliche Weitsicht von Architektinnen und Planern, Wissen um Konsequenzen einzelner Entscheidungsschritte, siedlungs- und sozialräum­liches Vorstellungsvermögen – und Kreativität – sind gefragt. Nur so kann Baukultur entstehen. Gut ausgebildete Architekten und Stadtplanerinnen in freien Büros kennen im Zusammenspiel mit gut ausgebildeten Architektinnen und Planern im öffentlichen Dienst diese Verfahren. Sie leisten dadurch ihren wertvollen Beitrag zur Baukultur.

Zügige und rechtssichere Baugenehmigungsverfahren erfordern fundierte Kenntnisse in Planung und Steuerung von Projekten. Ebenso wichtig sind rechtssichere Vergabeverfahren, Controlling und Steuerungen. Fachliches Know-how sichert allen Beteiligten einen Mehrwert. Erfolgreiche Bauprojekte lassen alle Akteure profitieren: Nutzer, Planerinnen, öffentliche wie private Auftraggeber – und auch die Politik, die mit ihren Entscheidungen dafür die Basis legt.

Leider trifft zu: Fachliches Know-how wird zunehmend „ausgedünnt“. Nicht weil die Akteure es nicht mehr können. Nein, sie werden immer weniger. In den Bauverwaltungen werden viele Stellen von „Babyboomern“, die in den nächsten Jahren in den verdienten Ruhestand gehen, aus Kostengründen und auch mangels Nachwuchs nicht mehr adäquat besetzt. Fatal!

Fehlendes Know-how und ein Mangel an gut ausgebildeten Architekten und Stadtplanerinnen in den öffentlichen Verwaltungen können zu empfindlichen Störungen, Kostensteigerungen oder Verzögerungen bei Baumaßnahmen führen. Letztendlich kann der Verlust von Kreativität, Innovation und Baukultur in Städten und Gemeinden die Folge sein. Architektinnen und Planer brauchen im Sinne einer „Gewaltenteilung“ diese Kolleginnen und Kollegen. Will man hoheitliche Aufgaben ordentlich wahrnehmen, Bauherrenaufgaben abwickeln, baufachliche Prüfungen durchführen, öffentliche Förderung lenken, müssen erforderliche Stellen bereitgestellt und fachspezifisch besetzt werden.

Investitionen in Planen und Bauen sind langlebig. Ebenso lassen sich negative Auswirkungen fehlenden Know-hows nur in einem langen Zeitraum kompensieren. Fehlentscheidungen können große Chancen verbauen.

 

Das Positionspapier der Architektenkammer Rheinland-Pfalz „Mehr Kompetenz. Fachspezifische Besetzung von Stellen im öffentlichen Dienst“ kann hier heruntergeladen werden.

 

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