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[ Querstreber ]

Autos, Sex und Pubertät

Trotzen lernen mit Wolf D. Prix

Roland Stimpel

Die dummen Chinesen „setzen nur auf Autos, die mit Benzin angetrieben werden, ohne an die Folgen für die Umwelt zu denken“. Das konnte Wolf D. Prix von „Coop Himmelb(l)au“ vor zwei Jahren ganz entspannt anprangern, denn seine Münchener BMW-Welt war fast fertig. So grundsätzlich, wie er Benzinautos ablehnt, verweigert Prix das Bauen in China. Jedenfalls, seit er 2005 den Wettbewerb ums Pekinger Stadion nicht gewann. In Dubai baut er ebenfalls nicht, denn das ist die „dümmste und hässlichste Stadt, die ich kenne“.

Da ist er gleichermaßen konsequent – auf jeden Fall, solange sein „Horizontal Sky“-Entwurf für Dubai finanzkrisenbedingt keinen Scheich interessiert. Auch im autoritären Russland baut er nicht, schon gar nicht die Gazprom-Zentrale in Sankt Petersburg. „Zu dem Wettbewerb waren wir leider nicht eingeladen.“

„Leider“ deshalb nicht, weil es ein Turm werden sollte. „Und Türme stehen für Selbstbewusstsein, Überblick und auch für Erotik.“ Erotik! Ein Thema, über das Prix so gern plaudert wie über seine Widerstandshaltung. Architektur müsse nicht nur bluten, stechen und fetzen, sondern solle auch „obszön“ und „geil“ sein, lässt er sich vom „Spiegel“ zitieren. Denn „ohne Geilheit kommt man im Leben nicht weiter“. Gerade erst attackierte Prix „Telefonsex-Architekturen“ und gab ein Pröbchen seines Wiener Witzes: „Bleistifte und Frauen werden nicht verliehen.

“Starke Worte, gern ein kleiner Biss in die Hand unwilliger Ernährer und immer wieder Sex: Wolf D. Prix, laut Pass 66 Jahre alt, ist mental so jung geblieben, wie er bei seiner Bürogründung war. Die fand 1968 statt und war von schneidender Sozialkritik: Coop Himmelb(l)au mit den hyperfrechen K(l)ammern war als Gegenpo(l) zu Wüstenrot gemeint. Auch seine Bauten haben es gern auffällig, vermeiden spießige rechte Bausparerwinkel und sind natürlich erotisch aufgeladen – dekonstruktivistisch-schräg, mit Spitzen die Luft penetrierend oder schwellend wie die BMW-Welt. Sie ist nach Prix’ vorsichtiger Einschätzung ein öffentlicher Raum „wie die Akropolis oder die Passage Vittorio Emanuele in Mailand“. Und wir haben noch viel mehr zu erwarten. Über sein Reifestadium als Architekt sagt Prix bescheiden: „Ich bin jetzt gerade 25.“