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Zurück Nachwuchs-Kolumne #283

Kammerguide: Der Nachwuchs zeigt, wie Wandel geht

Erstmals entsteht ein Kammerguide, der die Eintragungsvoraussetzungen aller 16 Landesarchitektenkammern bündelt. Erstellt wird er vom neuen Ausschuss der Juniormitglieder. Ein starkes Zeichen – und ein Auftrag.

Von: Fabian P. Dahinten
Fabian P. Dahinten schreibt über den Einstieg ins Berufsleben, über...

28.11.20253 Min. Kommentar schreiben
Junge Frau mit Landkarte freut sich über Orientierung und zeigt zur Seite

Ah, auf diesem Weg komme ich also in die Architektenkammer!
wayhome.studio/stock.adobe.com

Seit Jahren ringen die Architektenkammern um Nachwuchs. Die Strukturen sind gewachsen, die Verfahren komplex, der Zugang oft unübersichtlich. Nun kommt ein Projekt, das vieles anders macht: Ein Kammerguide, der erstmals alle Eintragungsvoraussetzungen der 16 Länderkammern in einem Heft zusammenführt – übersichtlich, verständlich, bundesweit vergleichbar.

Erarbeitet wurde der Kammerguide nicht von Geschäftsstellen oder Präsidien, sondern vom neu gegründeten Ausschuss der Juniormitglieder. Ein Gremium, das es vor einem Jahr noch gar nicht gab – und das jetzt ein Produkt vorlegt, das jede Architektenkammer seit Jahrzehnten hätte erstellen können. Das allein ist bemerkenswert.

Der Kammerguide: ein starkes Signal

Was nach Bürokratie klingt, ist in Wahrheit ein Wendepunkt: Der Nachwuchs ist nicht mehr nur dabei, sondern er gestaltet mit. Die jungen Kammermitglieder zeigen, dass sie nicht nur neue Themen einfordern – Digitalisierung, Sichtbarkeit, Berufseinstieg –, sondern selbst Lösungen liefern können. Das Projekt Kammerguide ist also mehr als eine Informationsbroschüre. Es ist ein Symbol für Bewegung in einem System, das sich lange schwertat, Veränderung zuzulassen.

Vom Überblick zu einheitlichen Regeln

Gleichzeitig macht der Kammerguide auch sichtbar, wie unterschiedlich die Kammern arbeiten: Eintragungsfristen, Praxiszeiten, Anerkennungen, Nachweise – fast jede Landesarchitektenkammer hat eigene Regeln. Dass man diesen Flickenteppich nun offenlegt, ist ein wichtiger Schritt. Aber es darf nicht beim Zeigen bleiben: Der nächste Schritt muss sein, Unterschiede abzubauen.

Denn solange jede Architektenkammer ihre Sonderwege verteidigt, bleibt das System schwer verständlich – gerade für Studierende, Quereinsteiger:innen oder Angestellte, die überlegen, ob sich eine Mitgliedschaft überhaupt lohnt. Wer die Zukunft des Berufs sichern will, muss Zugänge vereinfachen, nicht erschweren.

Von der Idee zur Bewegung

Die Idee, die Eintragung bundesweit vergleichbar zu machen, ist nicht neu. Vor rund fünf Jahren hatte der unabhängige Nachwuchsverein Nexture+ erstmals gefordert, die Hürden und Unterschiede zwischen den Architektenkammern sichtbar zu machen. Damals schien das noch utopisch. Heute zeigt der Kammerguide, dass genau daraus eine Bewegung entstehen kann – aus jungen Netzwerken, die den Mut haben, Themen anzustoßen, bevor sie offiziell „erlaubt“ sind.

Eine Kammer, viele Stimmen

Der Kammerguide erscheint im nächsten Jahr. Bis dahin sollten wir ihn nicht nur als Projekt des Nachwuchses begreifen, sondern als Einladung an alle. Wenn 16 Landesarchitektenkammern künftig stärker gemeinsam handeln, wenn sie weniger Energie in Abgrenzung und mehr in Zusammenarbeit stecken, dann wächst daraus mehr als Verwaltung – dann entsteht Haltung.

Denn in den Nachbarkammern sitzen ja keine Gegner. Dort kämpfen sie auch dagegen, dass Baukultur vernachlässigt, Planung unter Druck gesetzt und das Berufsbild entwertet wird. Dem kann eine Architektenkammer – im umfassenden Sinn – etwas entgegensetzen: vereint, sichtbar, mutig.

Der neue Kammerguide mag klein wirken. Aber vielleicht ist er genau das: der Anfang einer großen Verständigung.


Die Nachwuchs-Kolumnen des DAB schreibt ein junges Team im wöchentlichen Wechsel. Unsere Autor:innen sind Johanna Lentzkow, Fabian P. Dahinten, Luisa Richter-Wolf und Lorenz Hahnheiser.

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