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Geothermie im Saarland: Vertane Chancen, ungenutztes Potenzial?

Welche Rolle kann Geothermie für Planung, Baukultur und Energiewende ehemaliger Bergbaugebiete spielen? Fachleute aus Verwaltung, Wirtschaft und Architektenschaft ordneten Potenziale, Hürden und Handlungsbedarf ein.

Josefine Goertz
08.01.2026 2min
Klimagerecht Energie Saarland
Podiumsdiskussion zur Geothermie  Ein Veranstaltungsraum mit Publikum im Vordergrund und einem Podium im Hintergrund. Fünf Männer stehen auf der Bühne: einer am Rednerpult, vier an Stehtischen mit Wasserflaschen. Hinter ihnen ist eine Präsentationsfolie mit dem Titel „Rendre possible – Ermöglichen. Geothermie im Saarland – Vertane Chance auf dem Weg zur Energiewende?“ sowie Datum und Uhrzeit der Veranstaltung. Das Bild zeigt eine öffentliche Podiumsdiskussion zu Energiepolitik und Geothermie. Es steht für fachlichen Austausch, politische Debatte und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Energiewende.
Podium Geothermie © Josefine Goertz

Am 13. November diskutierten Experten und Fachpublikum über das Potenzial der Geothermie im Saarland. Unter dem Saarland schlummert enorme Wärmeenergie aus ehemaligen Bergbaugebieten, die bisher kaum genutzt wird. Die Veranstaltung der Stiftung Baukultur Saar stand unter dem Motto „Rendre possible – Ermöglichen“ und wollte Ideen für die regionale Energiewende sammeln.

Moderiert von Jürgen Rinner (Mitglied des Stiftungsbeirats), nahmen unter anderem Thomas Neu (Geothermie-Experte), Rainer Heckelmann (Oberbergamt des Saarlandes), Christian Wallmeyer (Betriebsdirektor bei der RAG Aktiengesellschaft – ehemals Ruhrkohle AG) und Jens Stahnke (Architektenkammer des Saarlandes) teil. Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke musste leider absagen.

Thomas Neu hinterfragte gleich zu Beginn den Veranstaltungstitel „Vertane Chance?“ und plädierte dafür, die Chance der Geothermie eher zu betonen. Rainer Heckelmann ergänzte, dass ein Drittel des Saarlands bergbaulich beeinträchtigt sei, mit rund 1.300 dokumentierten Schächten. Studien zum  Wärmepotenzial fehlen jedoch bislang, und Fördermittel werden kaum genutzt. Christian Wallmeyer wies auf die wirtschaftlichen Herausforderungen hin, betonte aber die Bereitschaft der RAG zu Kooperationen.

Das Publikum war aktiv beteiligt: Gemeinden beklagten fehlendes Fachpersonal und komplizierte Förderprozesse, Architektinnen und Architekten betonten die Nischenrolle der Geothermie, die stärker kommuniziert werden müsse. Generell herrschte Einigkeit, dass im Saarland spezialisierte Ansprechpartner fehlen und viel ungenutzte Wärme „verschenkt“ wird. Interessant war auch die Aussage von Thomas Neu, dass niedrige Betriebskosten eine wirtschaftliche Amortisation über Jahre möglich machen.

Insgesamt zeigte die Diskussion: Das geothermale Potenzial des Saarlands ist hoch, die Umsetzung erfordert jedoch Fachwissen, koordinierte Planung und bessere Nutzung von Fördermitteln, um einen spürbaren Beitrag zur Energiewende zu leisten. 

Josefine Goertz

Architektin in Saarbrücken für die Architektenkammer des Saarlandes