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Wo das Internet wohnt

Eigentlich dachten wir, dass mit der Digitalisierung alles nur handlicher, platzsparender würde. Doch gerade die schnell wachsenden Cloud- und KI-Anwendungen sind auf leistungsfähige Rechenzentren angewiesen. Und die fressen richtig Fläche. Über den derzeit einzigen Bauboom im Lande.

Christoph Gunßer
22.12.2025 5min
Innenansicht eines Rechenzentrums
Innenansicht Rechenzentrum Lübbenau © Schwarz Digits
Historische Außenansicht des Hauptgebäudes der Neckermann Versand KG
Historisches Foto des Hauptgebäudes der Neckermann Versand KG, Egon Eiermann und Robert Hilgers, Architekten, 1958-1961 © Alfred Strobel/SZ Photo/Picture Alliance

Es sind durchweg zweistellige Hektar-Angaben, mit denen die Anbieter neuer Rechenzentren prahlen. Fläche steht hier, ganz old school, für Wachstum, für Erfolg. 15,5 Milliarden Euro flossen in diesem Jahr in den aufstrebenden Sektor. Zweistellig sei denn auch die Rendite für den, der in die Data Center investiere, berichtet die FAZ. Rund um Frankfurt, den wichtigsten  Internetknoten Europas, schießen sie deshalb an vielen Ecken aus dem Boden. Die Zahl der Rechenzentren allein in Frankfurt soll sich beispielsweise bis 2030 auf 112 verdoppeln. Aber auch in München, Aachen und anderswo gibt es Großprojekte; im Spreewald in Brandenburg kündigte Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe, unlängst ein Megaprojekt an, das vor allem die Hauptstadt bedienen soll.

Ging der Wirtschaftshochbau im vorigen Jahr real um sieben Prozent zurück, boomen doch die Data Center. Mit derzeit über 2.000 Rechenzentren ist Deutschland schon heute der führende Standort für Rechenzentren in Europa. Deren Leistung bemisst sich an der Kapazität der Stromanschlüsse – neben der Flächenverfügbarkeit ein mögliches weiteres Nadelöhr für Neuplanungen. Prognosen des Branchenverbands Bitkom zufolge könnte der jährliche Strombedarf der Zentren bis 2030 auf 31 Terawattstunden (TWh) und bis 2045 auf 80 TWh steigen – eine Vervierfachung gegenüber 2024. Der deutsche Jahresstromverbrauch lag 2023 bei 467 TWh. Da fragt sich: Wo sollen diese „Zentren“ alle hin? Und wo soll der Strom herkommen?  

Im Flächenland USA denkt man indes längst größer: Allein Metas Rechenzentrum Hyperion in Louisiana soll perspektivisch in etwa so viel Leistung bieten wie alle Rechenzentren in Deutschland im Jahr 2030 zusammen. 

Flächenverbrauch begrenzen 

Hierzulande bemüht man sich wenigstens, den Flächenverbrauch auf der grünen Wiese in Grenzen zu halten. Bevorzugt werden Rest- und Brachflächen bebaut, in Lübbenau im Spreewald etwa eine Kraftwerksbrache, also ein brownfield, mit entsprechender Bundesförderung. Andernorts bietet der Niedergang von Betrieben die Gelegenheit, untergenutzte Industriezonen zu verdichten. Sogar im denkmalgeschützten Eiermann-Bau der einstigen Neckermann-Zentrale im Frankfurter Osten richten Drees&Sommer bis 2030 einen Data Hub ein. Der Baukörper des 316 Meter langen und 63 Meter breiten Gebäudes sowie die Fassade mit etwa 1.000 Fenstern bleiben dabei erhalten. 

Die Ansprüche der Serverfarmen sind, abgesehen vom Energiebedarf, gering: Viel Wasser für die Kühlung wird zwar benötigt, die Abwärme kann aber – mithilfe von Wärmepumpen erhitzt – in vorhandene Fernwärmenetze eingespeist werden. Das Rauschen der Server ist keine Immission. Tageslicht stört die monotonen Reihen verkabelter Geräte nur. Also passen die hermetischen Kisten fast überall hin. Meist aus Sicherheitsgründen zusätzlich umzäunt, sind sie indes nicht gerade ästhetische Assets im Stadtraum. Vieles erinnert an die Logistikbauten, die zuletzt so boomten. Für Architekturbüros ist der Spielraum ähnlich gering, da die teuren technischen Systeme das allermeiste am Entwurf vorgeben. Bezeichnend ist, dass von den 15,5 Milliarden, die 2025 in Datenzentren gesteckt wurden, nur 3,5 Milliarden in die bauliche Hülle flossen. 

Spatenanstich des Datacenter in Lübbenau; 5 Personen stehen mit Spaten vor einem Bauplakat
Schwarz Digits investiert in Europas digitale Souveränität © Schwarz Digits
Luftbild des Datacenter in Lübbenau
Visualisierung Schwarz Digits Datacenter Lübbenau © Schwarz Digits

Gesetzliche Vorgaben fördern Innovation  

Die Bauaufgabe Rechenzentrum lässt sich jedoch auch intelligenter angehen. Gerade weil der Strom für die Datenzentren per Gesetz künftig aus regenerativen Quellen kommen muss, integrieren einige Anbieter Photovoltaik in Dächer oder Fassaden oder schließen Verträge mit Windradbetreibern. 

Ein Modellprojekt in Aachen, geplant von Kleicker Architektur aus Aachen für den größten kommunalen Server-Dienstleister in NRW, RegioIT, hat eine Grünfassade. „Bereits in der Bauphase haben wir auf nachhaltige Materialien und eine möglichst abfallarme Umsetzung geachtet“, sagte Bernhard Barz, Projektleiter für die Errichtung von Rechenzentren bei Regio IT im Handelsblatt. Der unlängst eröffnete, röhrenartige Bau ist zweigeschossig und modular erweiterbar. Zudem glänzt er mit besten Zahlen zur Energieeffizienz. 

Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet Betreiber von Rechenzentren nämlich ab Juli 2026 zu einem sparsameren Betrieb. Die maßgebliche Kennziffer ist hier der PUE-Wert: Das steht für Power Usage Effectiveness. Ein PUE von 1,0 würde bedeuten, dass die gesamte eingesetzte Energie direkt in die Rechenleistung fließt – ohne Verluste etwa durch Kühlung oder Stromumwandlung. Alle neu in Betrieb genommenen Anlagen müssen einen PUE-Wert von höchstens 1,2 erreichen. Ab 2027 ist zudem vorgeschrieben, dass der Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. 

Während in den USA für die Serverfarmen eigens Mini-Atomkraftwerke geplant werden, dürften diese Vorgaben und überhaupt die im Vergleich hohen Energiekosten hierzulande zu einem Innovationsschub in der Branche führen. Einige Stadtwerke haben die Rechenzentren schon in ihre Wärmenetze integriert. In Hattersheim am Main heizt die Frankfurter Mainova über 600 Haushalte eines Neubaugebietes mit der Abwärme aus einem Rechenzentrum. 

Außenansicht der Nordfassade des Rechenzentrums
Von der Nordfassade erstreckt sich eine intensive Begrünung bis auf das Dach. Dieser Grünraum schafft nicht nur eine angenehme Atmosphäre für die Mitarbeitenden, sondern verbessert auch das lokale Mikroklima. © Kleicker Architektur
Außenansicht der Südfassade des Rechenzentrums
Von der Südfassade des Rechenzentrums ausgehend erstreckt sich eine Photovoltaikanlage auf das Dach, um die eigene Stromlast zu verringern und somit den Ressourcenverbrauch zu minimieren. © Kleicker Architektur
Schematische Zeichnung des Grundrisses des Rechenzentrums
Das Herzstück des Rechenzentrums ist die „Tube“ – eine multifunktionale Röhre in standardisierter Modulbauweise, die alle notwendigen technischen Funktionen in einer einzigen Kubatur vereint. © Kleicker Architektur

Christoph Gunßer

Freier Fachautor

Christoph Gunßer ist für das DAB vor allem in Süddeutschland unterwegs. Nach Architekturstudien in Hannover, Stuttgart und den USA wurde er erst Redakteur, dann freier Fachautor, der einige Bücher zu wegweisenden Wohnbauten publiziert hat.

Mit Basis in Hohenlohe, wo er für seine Familie ein altes Hospital ausgebaut hat, berichtet er heute vor allem aus dem Süden und der Mitte Deutschlands für das DAB und andere, darunter die Bundesstiftung Baukultur und die KfW. Auch Kritiken und Essays zum Architekturgeschehen schreibt er gern. Am liebsten klappert er aber zu Fuß oder mit dem Fahrrad neue Projekte in Stadt und Land ab.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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