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Peter Grundmann Architektur gewinnt DAM Preis 2026 für Erweiterung des ZK/U Zentrums in Berlin

Ein ehemaliger Güterbahnhof in Berlin-Moabit wird durch eine filigrane Stahl-Glas-Konstruktion zum architektonischen Highlight und gewinnt den DAM Preis 2026. Das Projekt von Peter Grundmann Architektur zeigt, wie historische Bauten respektvoll und innovativ erweitert werden können.

DAB Redaktion
03.02.2026 6min
Awards Nachhaltigkeit Baukultur Bundesweit
Seitenansicht eines gläsernen Pavillon-Anbaus auf altem Ziegelbau; Außentreppe und Dachterrasse, davor wilder Garten mit Bäumen.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang

Peter Grundmann Architektur hat den diesjährigen DAM Preis für das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik gewonnen. Das Architekturbüro erweiterte den ehemaligen Güterbahnhof in Berlin-Moabit mit einer Stahl-Glas-Konstruktion. Der Güterbahnhof dient seit über zehn Jahren als interdisziplinäres Labor und Kulturort. Die Jury lobte die gelungene Zusammenarbeit zwischen dem ansässigen Verein Kunstrepublik e.V. und den Architekt:innen. Grundmann ist bekannt für unkonventionelle Entwürfe, die Grünräume mit großformatigen Öffnungen respektvoll einbinden. Am ZK/U baute der gelernte Schiffsbauer selbst die komplexen Fassadenanschlüsse, was die Jury besonders beeindruckte.

Auf den ersten Blick wirkt es so, als wäre hier jenseits aller Regeln gebaut worden. Doch sobald man die Räume durchläuft, merkt man: Alles folgt einem klaren Plan, und genau das überzeugt.

Sven Fröhlich

Partner AFF Architekten, Preisträger DAM Preis 2025, Preisrichter

Um Freiräume zu schonen, entschied sich das Berliner Büro für eine Aufstockung. Sie entfernten das Dach, ließen die Konstruktion sichtbar und fügten neue Strukturen hinzu. „Ein Haus, das auf eine ganz besondere Weise die Geschichte eines ehemaligen Güterbahnhofs fortschreibt: Der filigrane und selbstbewusste Einsatz von Stahl und Glas und die entstehenden Räume nehmen den Bestand ernst, respektieren und vervollständigen ihn“, erklärt Aline Hieschler. Ein Stahl-Glas-Körper stülpt sich an der westlichen Seite über den zweigeschossigen Güterbahnhof und schafft transparente Flächen mit starkem Bezug zum Garten. Das Gebäude öffnet sich mit einem sechs Meter tiefen Raum, in dem eine Bar untergebracht ist. Zwei Außentreppen führen ins Obergeschoss zu den Laubengängen, die die neuen und Bestandsräume erschließen. Ein zwei Meter breiter Eingangsbereich dient als Foyer und Windfang, während der Glaskubus im Norden das Gebäude um sechs Meter ins Grüne vergrößert.

Heller Raum mit Glaswänden und Sichtbetondecke; lose gestellte Stühle im Halbkreis vor niedriger Backsteinmauer, Außentreppe durch Fenster sichtbar.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Außentreppe aus verzinktem Stahl mit Gittergeländern; Blick nach oben zwischen Glasfassade und rostigem Dachtragwerk.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Flur mit bodentiefen Glasschiebetüren, grünen Wandpaneelen und sichtbaren Lüftungsrohren; hinten Besprechungsraum mit Tisch und Stühlen.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Große Industriehalle mit Betonboden, schwarzen Vorhängen und Deckenkanal; ein einzelner grauer Stuhl im leeren Raum.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Außenwand: großes Glasfenster neben gealterter Ziegelwand mit Graffiti; Spiegelungen zeigen Hallenstruktur innen.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Außenumlauf mit Glasfassade rechts und Ziegelbrüstung; links Stahl-Außentreppe; einzelner Stuhl, warmes Abendlicht.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Nachtansicht eines verglasten Anbaus mit außenliegenden Treppen; Innenräume hell erleuchtet, Wiese im Vordergrund.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Tagesansicht: gläserner Stahlanbau an historischem Ziegelbau; breite Zugangstreppen, eine Person im Hof, Container rechts.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Innenhof mit Glasaufzug und Stegen; darüber verlaufende große Metallrohre, Sonnenstrahlen blenden durch die Konstruktion.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang
Innenraum mit grünen Tafel-Paneelen voller Notizen, zwei Holzstühle an der Wand; sichtbare Stahlträger.
Peter Grundmann Architekten, ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin © Yizhi Wang

Die Erweiterung wird um ein Lowtech-Konzept ergänzt, das auf einem Haus-im-Haus-Prinzip mit einer Dreifachverglasung als Hülle basiert. Diese dient als Wärmeschutz und macht eine Dämmung des historischen Mauerwerks überflüssig. „Architektur ist hier Hülle und Raum – und noch viel mehr: die Begleitung der Programmatik der Nutzenden, des ZK/U selbst. Das Haus wächst mit der Nutzung und umgekehrt, innen wie außen“, so Hieschler. Seit 2012 nutzt der Verein die Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs und öffnet sich über verschiedene Formate, wie Künstler:innenresidenzen, Nachbarschaftsmärkte, Kino oder Public Viewing, zur Nachbarschaft. Die Baukosten betrugen rund 2.000 Euro netto pro qm, das Gesamtbudget lag bei 6,17 Mio. Euro.

Der DAM Preis prämiert seit 2007 jährlich ausgezeichnete Bauten in Deutschland. Aus einer Longlist mit rund 100 Projekten wählte die Jury unter dem Vorsitz der Leipziger Architektin Aline Hieschler eine Shortlist mit 21 Projekten. Besonders viele Wohnungs-, Kulturbauten sowie Holz- und Holz-Hybridgebäude und Sanierungen und Umbauten waren vertreten.

Aus der Shortlist schafften es diese fünf Finalisten in die Endauswahl:
Aretz Dürr Architektur – Wohnen F // 9, Modulare Nachverdichtung, Köln
Etal. – Das robuste Haus – Mehrgenerationenhaus Görzer128, München
Hild und K Architekten – Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München
Peter Grundmann Architektur – ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
PPAG Architects – Doppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin

Rückfassade eines dreigeschossigen Wohnbaus mit umlaufenden Laubengängen aus Metall; kleiner Hof mit junger Bepflanzung, rosa Nachbarhaus.
Aretz Dürr Architektur, Wohnen F // 9 – Modulare Nachverdichtung in Köln © Luca Claussen Fotografie
Baustelle: Raummodul wird per Kran auf gestapelte Module gesetzt; Arbeiter auf den Elementen, rosa Brandwand im Hintergrund.
Aretz Dürr Architektur, Wohnen F // 9 – Modulare Nachverdichtung in Köln © Luca Claussen Fotografie
Wohngebäude mit Holz- und Wellblechfassade; versetzte Fensterbänder und grüne Rollläden; Erdgeschoss im Ausbau.
etal., Das robuste Haus – Mehrgenerationenhaus Görzer Straße, München © Federico Farinatti Fotografie
Helles Eckzimmer mit breiten Fenstern auf zwei Seiten und sichtbaren Holzdeckenbalken; durchgehende Fensterbank.
etal., Das robuste Haus – Mehrgenerationenhaus Görzer Straße, München © Federico Farinatti Fotografie
Langes, terrakottafarbenes Gebäude mit profilierter Fassade; Straßenbäume und überdachter Eingang an der Ecke.
Hild und K, Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München © Michael Heinrich
Innenhof mit roten Fassaden, Betonarkaden und Sitzbänken; mittig ein Baum, blauer Himmel mit Wolken.
Hild und K, Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München © Michael Heinrich
Großer Sportplatz vor ausgedehntem weißem Schulkomplex mit außenliegenden Treppen; bewölkter Himmel.
PPAG architects, Doppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin © janbitter.de
Schulinnenraum: breite Sitztreppe aus Beton mit diagonalen Streifen neben Geländern; Beschriftung „MENSA“ im Hintergrund.
PPAG architects, Doppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin © janbitter.de

Buchcover „Deutsches Architektur Jahrbuch 2026“ (German Architecture Annual 2026): rosé Strukturhintergrund, unten ein helles Foto eines Industrie‑Innenraums mit Glaswänden, sichtbarer Außentreppe und lose gestellten Stühlen; Logo „DAM Preis 2026“ links unten.
© DOM Publishers

DAM Preis 2026 – Die 23 besten Bauten in/aus Deutschland

30. Januar bis 10. Mai 2026
Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main

Begleitend zum Preis sind die beiden Publikationen Architekturführer Deutschland 2026 und Deutsches Architektur Jahrbuch 2026 bei DOM Publishers erschienen.

Deutsches Architektur Jahrbuch 2026 
Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal (Hg.)
Erschienen bei DOM publishers, 2026
240 Seiten, 220 × 280 mm, ca. 400 Abbildungen
Leinenhardcover, Deutsch/Englisch
ISBN: 978-3-86922-955-3

Architekturführer Deutschland 2026
Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal (Hg.)
Erschienen bei DOM publishers, Berlin / 2025
240 Seiten, 135 × 245 mm, 600 Abbildungen
Softcover, Deutsch
ISBN: 978-3-86922-954-6 

DAB Redaktion

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