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Nachhaltigkeit unter Realbedingungen: RICS-Report 2025 und Deutschland

Der RICS Sustainability Report 2025 zeigt globale Trends zu nachhaltigem Bauen: Die Nachfrage bleibt hoch, Dynamiken schwächen sich ab, CO₂-Ziele geraten unter Druck. Eine Einordnung für den deutschen Markt.

Bettina Sigmund
02.02.2026 5min
Nachhaltigkeit Bundesweit
© zach rowlandson/unsplash

Der Sustainability Report 2025 des Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) analysiert die Entwicklung nachhaltigen Bauens und Investierens im globalen Bau- und Immobiliensektor. Grundlage ist eine Befragung von mehr als 3.500 Fachleuten aus 36 Ländern, ausgewertet für die Regionen UK, Europa, Amerika, Asien-Pazifik (APAC) sowie Middle East & Africa (MEA). Untersucht wurden u. a. die Nachfrage nach nachhaltigen Gebäuden, deren Auswirkungen auf Preise und Werte sowie der Beitrag des Sektors zur Reduktion von CO₂-Emissionen. Über alle Regionen hinweg zeigte sich, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Gebäuden grundsätzlich positiv ist, sich jedoch im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt hat. Die Fortschritte bei CO₂-Messung und Reduktion bleiben hinter den Klimazielen zurück. Im Zusammenspiel mit nationalen Marktstudien, Verbandspositionen und Klimabilanzen lassen die globalen Ergebnisse Rückschlüsse für den deutschen Markt ziehen.  

Steigt die Nachfrage nach grünen Immobilien?

Für Europa weist der Report einen positiven Sustainable Building Index (SBI) aus, allerdings mit nachlassender Dynamik. Diese Abschwächung folgt auf mehrere Jahre außergewöhnlich hoher Nachfrage. Für Deutschland lässt sich dieser Trend durch verschiedene Marktstudien stützen: Laut Investmentmarkt Green Buildings von BNP Paribas Real Estate haben nachhaltige Gebäude weiterhin einen signifikanten Anteil am Investmentmarkt, ESG-Kriterien sind bei Investitionsentscheidungen fest verankert. Gleichzeitig belegt der CESAR 2025 – Construction & Sustainability Analysis Report, dass die Nachfrage nach zertifizierten und energieeffizienten Gebäuden in den deutschen Top-Märkten hoch bleibt, sich jedoch in einem konsolidierenden Marktumfeld bewegt.  

Wie wirkt sich Nachhaltigkeit auf Preise und Werte aus?

Der RICS-Report zeigt regionenübergreifend, dass grüne Gebäude als vergleichsweise robuste und attraktive Investitionen gelten, insbesondere wenn die Immobilien zertifiziert sind und eine hohe Anpassungsfähigkeit an Klimarisiken aufweisen. Für Europa werden zugleich hohe Anfangskosten und unklare Renditen als zentrale Investitionshemmnisse genannt. Deutsche Marktberichte lassen vor allem eine zunehmende Wertspreizung erkennen: Nachhaltige Gebäude sichern Vermietbarkeit und Stabilität, während nicht sanierte Bestände stärker unter Druck geraten. Parallel dokumentiert die BNP Paribas ESG Survey 2025, dass institutionelle Investoren ESG-Kriterien zunehmend als Voraussetzung für Investitionen betrachten. Nachhaltigkeit wirkt damit primär als Absicherung gegen Wertverluste.  

Die Beiträge der einzelnen Sektoren in Deutschland, die Klimaschutzziele im Zeitraum 2021 bis 2030 zu erreichen, sind sehr unterschiedlich. Die Zielverfehlungen in den Sektoren Verkehr und Gebäude werden im Gesamtergebnis durch die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Landwirtschaft sowie Abfallwirtschaft kompensiert. © Umweltbundesamt

Leistet der Bausektor einen ausreichenden Beitrag zur CO₂-Reduktion?

Der Report kommt zu dem klaren und zu erwartenden Befund, dass der Bau- und Immobiliensektor weltweit derzeit nicht auf Kurs ist, um die Klimaziele zu erreichen. Global geben rund 46 % der Befragten an, keine CO₂-Emissionen auf Projektebene zu ermitteln; in Europa liegt dieser Anteil mit 48 % auf vergleichbarem Niveau. Diese Ergebnisse decken sich mit der deutschen Datenlage: Nach den Treibhausgas-Projektionen 2025 des Umweltbundesamtes verfehlt der Gebäudesektor für den Zeitraum 2021 bis 2030 die zulässigen Jahresemissionsmengen deutlich (und schließt damit direkt an den Verkehrssektor an).  Der dena-Gebäudereport 2025 zeigt zudem, dass sich der Klimaschutz im Gebäudesektor vor allem im Bestand entscheidet. Die Effizienzfortschritte im Neubau werden durch den hohen Anteil des Bestands überlagert, der weiterhin den Energieverbrauch und die Emissionsbilanz des Gebäudesektors bestimmt.

Auch wenn der RICS-Report keine länderspezifischen Ergebnisse ausweist, bietet er für Deutschland eine wichtige Referenz, um die eigene Bau- und Planungspraxis im internationalen Vergleich einzuordnen. Deutschland erscheint dabei als Markt mit hoher Nachhaltigkeitsrelevanz, zugleich aber mit strukturellen Herausforderungen bei der Umsetzung, insbesondere bei der Transformation des Bestands.  

Zum Originalbericht des RICS

Bettina Sigmund

Spezialistin für Architekturkommunikation München

Bettina Sigmund ist Spezialistin für Architekturkommunikation. Sie ist Inhaberin von „aboutarchitecture“ und Partnerin der „ARGE Kommunikation“. Ihre Tätigkeit umfasst Redaktion, PR und strategische Beratung für alle Akteure der Baubranche.